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Future Islands & „As Long As You Are“: Wo Ekstase auf Melancholie trifft

Future Islands & „As Long As You Are“: Wo Ekstase auf Melancholie trifft

Die Tage werden kürzer, die Lage der Welt nicht besser und wieso muss es eigentlich dauernd regnen? Da kommt das neue Future Islands-Album genau richtig. Es spendet Trost und löst die Knoten in der Brust.

Jeden Tag erscheint unendlich viel neue Musik, manchmal kommt man gar nicht hinterher oder denkt „das ist der krasseste Hit aller Zeiten„, bis zwei Tage später der nächste krasseste Hit aller Zeiten erscheint. Wenn allerdings der Name dieser Band auftaucht, lasse ich alles stehen und liegen. Future Islands sind wieder da.

Als die Band aus Baltimore zum Beginn des Hochsommers mit „For Sure“ aus ihrer musikalischen Pause kam, war es wieder da – diese unvergleichliche Freude. Denn „For Sure“ ist das Future Islands-Gefühl komprimiert auf 3:31 Minuten. Euphorisch und groß, Synthie-voll und so prägnant durch Samuel T. Herrings raue Stimme.

Als würden sie uns noch einmal in Erinnerung rufen wollen, womit sie uns vor Jahren rumbekommen haben. Als bestünde die Gefahr, man hätte vergessen, wie sie sich mit ihrem Song „Seasons (Waiting On You)“ 2014 selbstständig unsterblich machten und die plötzlich ausbrechende Begeisterung wenige Jahre später auf „A Far Field“ voller Freude ausschlachteten.

Dass „As Long As You Are“ kein Blaupausenabdruck werden würde, demonstrierte das Jetzt-Quartett (Live-Drummer Mike Lowry wurde als offizielles Bandmitglied anerkannt und beteiligte sich intensiv am Entstehungsprozess) schon mit Single Nummer 2, „Thrill„.

Gerade noch so ekstatisch herumgesprungen, ist „Thrill“ ein gezielter Tritt in die Magengrube. Schwermütig, ungewöhnlich ruhig für die sonst so schillernden Synthie-Helden. Doch auf Albumlänge fängt es bereit viel früher an. Opener „Glada“ prophezeit dem Longplayer eine große Melancholie, die sich über die Länge von 11 Songs in unterschiedlichsten Fassetten entfalten kann. Und ist ganz nebenbei auch mein persönlicher Favorit des Albums.

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Mal übertrumpft die Musik selbst den Inhalt („Born in a War„, „I Knew You„). An andern Ecken scheint es, als ob Herring nicht nur sich alles von der Seele singen würde, sondern auch mir („City’s Face„, „Moonlight„). Die euphorisierenden Momente gibt es aber schon noch („Waking„, „Plastic Face„, „Hit the Coast„). Immerhin ist das hier ein Future Islands-Album!

As Long As You Are“ ist ein Album, das nicht nur von Vertrauen und die Liebe handelt, sondern auch voll davon ist. Es löst sich musikalisch von den vergangen Jahren und reflektiert diese in seinen Songzeilen. Unvergleichlich emotional singt Samuel T. Herring über die großen Soundteppiche und sich so direkt ins Herz. Insgesamt weniger nervös als die Vorgänger, gesetzter, zielgerichteter. Und doch trotzdem zu 100% unverkennbar Future Islands.

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