Nennt man Musikstücke noch „ehrlichen Pop“ oder ist das ein Terminus, der bereits seit Jahren nicht mehr geläufig ist? Wie dem auch sei, ich komme sowieso nicht drumrum, wenn ich über „About Us“ von G Flip reden möchte.


Ein Artikel von Anna Fliege – In ihrer Heimat Australien ist Georgia Flipo schon eine Heldin. Die stylishe Brille und eine Cap auf dem Kopf sind neben den Geschichten über ihr zerbrochenes Herz ihr Markenzeichen. Die Multiinstrumentalistin mit der besonderen Liebe zum Schlagzeug ist genau das, was in der Musiksammlung noch gefehlt hat.

Ihr Debütalbum „About Us“ erzählt nicht die waghalsigen Abenteuer einer ausgedachten Protagonistin, sondern die reale Welt der G Flip. Eine Reflektion auf einen vergangenen Lebensabschnitt, nun verewigt auf 10 ehrlichen Pop-Songs ohne unnötigen Chichi.

Sie schreibt das Album vor zwei Jahren, als sie sich gerade von ihrer Freundin trennt. In dieser Zeit bringt sie sich mit Hilfe von YouTube-Tutorials das Produzieren bei, als sie sich in ihrem Melbourner WG-Zimmer zurückzieht. Ein Lebensabschnitt, die sich in den Texten der Australierin widerspiegelt. „I don’t feel like waking up tomorrow, if you’re not right there by my side„.

Von dort schafft es die in wenigen Stunden entstandene Debütsingle „About You“ erst aus Georgias eigenen vier Wänden zu Pitchforks „Best New Track“ und damit raus in die weite Welt.

Kein Wunder, ist der Song doch eine wahre Hymne. „You’re right there and I’m right here thinking ‚bout, here thinking about you“ heißt es im Refrain, den man nach einem Mal hören schon mitsingen kann. Der Song über die zerbrochene Beziehung klingt in einem Indie-Pop-Mantel so wohltuend und einladend. Man kann gar nicht anders als tanzen. Und ihn direkt zu den Lieblingssongs hinzufügen.



Man wird schnell warm mit G Flip und ihrer Art, Gefühle in Worte und Töne zu verpacken. „About Us“ ist ein Album mit schlimm-schönen Herzschmerz-Momenten, die mir viel näher gehen, als es mir lieb ist. Doch lässt es mich nicht zusammengerollt und weinend zurück, sondern gibt Wärme und Hoffnung – und ganz zum Schluss sogar ein Happy End. Es ist eine Platte, die auf dem Boden bleibt und nur so nach „wir sitzen im gleichen Boot“ schreit.

Weil es so viele unterschiedliche Facetten aufdeckt. Verdrängen und Ablekung durch durchgemachte Nächte („Drink Too Much„) und dem Aufwachen am nächsten Tag („Morning„). Wo man alle Vorsätze über Bord wirft, um sich wieder in schwachsinnigen Hoffnungsschimmern zu wiegen, die in 9 von 10 Fällen erfolglos bleiben.

Doch zum Glück ist Georgia die Ausnahme, Fall 10. Denn wie das Ende des Albums verrät, kommt sie wieder mit ihrer großen Liebe zusammen, schließt so dieses große Kapitel mit einem Happy End. „2 Million“ ist der Silberstreif am Horizont.

Doch zuvor kämpfen wir uns mit ihr durch die schwierigen Zeiten. „Bring Me Home“ sticht auf dem Album besonders hervor. Nicht nur, weil es ein unaufgeregtes Klavierstück ist. Hier singt G Flip nicht über die Beziehung zu einer anderen Person – sondern über der zu sich selbst.

Denn Verdrängung von Gefühlen bringt viele Schattenseiten mit sich. Nicht zuletzt, weil ich mich im Song irgendwo wiedererkenne, lässt er mich emotional werden. Auf eine gute Art und Weise. Andere Songs wie „I Am Not Afraid“ brechen die Schwere der gebrochenen Herzen auf und bringen leichte, euphorische Indie-Pop-Hits rein.

Wer Alben wie „Heard It In The Past Life“ von Maggie Rogers oder die neusten Sachen von King Princess in diesem Jahr bereits zu seinen Lieblingen zählt, wird „About Us“ nach einer Runde auf dem Plattenteller schnell hinzufügen und lieben.



Autorin: Anna Fliege / Photocredit: G Flip