Ein Sonntagabend im Februar. Der Durchschnittsdeutsche liegt gerade vom Abendessen träge auf dem Sofa und schaut den Kieler Tatort im Ersten. Der eher weniger durchschnittliche Deutsche betritt zur gleichen Zeit halb erfroren den Bahnhof Langendreer in Bochum, um Zugezogen Maskulin zu sehen. Auf dem zweiten Teil ihrer 2018er-„Alle Gegen Alle„-Tour statten sie der Ruhrgebietsstadt einen Besuch ab. Wie schon in Köln heißt es auch heute wieder: ausverkauft.

Ein Voract darf natürlich auch an dieser Stelle nicht fehlen. Die Ehre gebührt heute dem kölschen Jung im Ruhrpott, Veedel Kaztro. Nach erfolgreicher Antilopen Gang-Supporttour und bevorstehender Solotour im Herbst begleitet der Rheinländer das Duo auf dem zweiten Teil ihrer Deutschlandtour. Zwischen Gesellschaftskritik und Falafel-Liebe gibt es in 30 Minuten einige gute Lines zu hören. Sein neustes Album heißt „Frank und die Jungs“, leider ist am heutigen Abend kein Namensvetter anwesend, der kurze Gig trotzdem richtig gut!

Nach „Frank und die Jungs“ kommen Testo und Grim. Vor ihrem Banner in der Trendfarbe Millenial Pink reißen sie ihren Fans wenige Sekunden nach Konzertbeginn bereits mit Ansage die rosarote Brille mitten aus dem Gesicht. Es ist kritisch und verdammt gut. Der sich schnell bildende Moshpit wird sich bis zum Grande Finale nicht mehr auflösen, das wissen hier alle Anwesenden.

Dass die anwesenden Fans das zweite Album der Wahlberliner in den letzten Monaten mehr als genug konsumiert haben, beweist die flächendeckende Textsicherheit, bei besonders grandiosen Wortfolgen wird es sehr laut. Der Klub ist ein tobender Mob voller euphorischer Hiphop-Fans, die die kritischen, politischen Texte der Rapper feiern und teilen. Neben „Alle Gegen Alle„-Songs wird die beste Auswahl das Debütalbums „Alles Brennt“ kredenzt, es ist ein Fest!

Zwischen den ernsten Texten gibt es ironische Ansagen, auf ihre ganz eigene Art und Weise charmant (ein Wort, das im Bezug auf Deutschrap-Konzerte nicht so häufig fällt, oder?). Weitere Besonderheit auf Zugezogen Maskulin-Konzerten? DJ Kenji 451. Meist hinter seinem Pult, tritt er für den ein oder anderen Part hervor, um seine Beats mit der Geige zu untermalen. Moment: Deutschrap und Geige? Ja, hier ist nichts 0815.

Viel zu schnell verfliegen 90 Minuten kraftvoller Auftritt, gleich geht es zurück in die eisige Kälte. Was für eine (gute) Zeit, danke!

Autorin / Photocredit: Anna Fliege

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