Statt sich von seinen Albträumen einschüchtern zu lassen, griff sich Konstantin Gropper seine nächtlichen Unruhen beim Schopfe und erschuf aus ihnen das neue Get Well Soon-Album „The Horror„.

Erst zwei Jahre ist es her, dass „Love“ erschien – auf die Liebe folgt der Schrecken, wie poetisch! Doch auf dem fünften Get Well Soon-Streich geht es, vorrangig, nicht um wirklichen, realen Horror. Konstantin Gropper nimmt uns mit in seine ganz eigene Traumwelt, die von spektakulären Albträumen gezeichnet ist. So spektakulär, dass er daraus erst Songs und dann drumherum ein ganzes thematisch-angepasstes Album baute.

Musikalisch könnte kein Wort „The Horror“ so simpel und perfekt beschreiben wie orchestral. Gropper beweist, dass ein Orchester in der heutigen AutoTune-Zeiten längst nicht überflüssig geworden ist. Hier erwartet uns das ganze Repertoire und mittendrin, omnipresent, Konstantins wunderschöner Crooner-Gesang. Mit dieser Mischung verleiht sich das Album eine atemberaubende Eleganz: gefährlich, verführerisch, dramatisch galant.

Es gibt Menschen, die haben Angst vor Alpträumen, und es gibt Konstantin Gropper.

Drei besonders prägnante Exemplare der Gropper-schen Albträume verlieh er Namen und Charakter: „Nightmare No. 1 (Collapse)„, „Nightmare No. 2 (Dinner at Carinhall)“ und „Nightmare No. 3 (Strangled)„. Er sah sie als Inspiration und Initiator des Albums und lässt uns an Fragmenten dieser teilhaben, statt sie allein für sich zu verarbeiten. Zu den Orchester-Klängen, die schon ohne ein ausgesprochenes Wort bildhafte Geschichten erzählen, mischen sich beeindruckende Fieldrecordings, die einzelne Songs musikalisch und thematisch wundervoll untermalen.

Doch nicht nur seine autobiografischen Elemente (wenn man Albträume so einordnen darf), auch Groppers intensive Recherche über die Thematik und die nächtlichen Ängste unserer Gesellschaft finden auf „The Horror“ ihren Platz, Krieg und Ruinen bilden einen roten Faden. Hier wird es tatsächlich selbst bei Get Well Soon politisch, so geht es im Track „The Only Thing We Have To Fear“ um die AfD und den realen Albtraum, den diese Partei gegenwärtig darstellt. Der Mann aus dem nördlichen Oberschwaben findet seine Inspiration häufig im Negativen und verwandelt diese bizarrerweise in etwas Wunderschönes.

Konstantin Gropper ist ein leibhaftiges Genie der Musikbranche. Gerade produzierte er Sam Vance-Laws hochgelobtes Debüt „Homotopia„, vor fünf Jahren CaspersHinterland“ und seit nunmehr 10 Jahren einzigartige Konzeptalben unter seinem Alias Get Well Soon. Kein Get Well Soon-Album klingt wie das andere, doch haben sie seither diesen speziellen Gropper-Touch, so auch „The Horror„. Besonders und neu sind auf Album Nummer 5 die drei Features. Ghalia Benali eröffnet auf „Future Ruins pt. 2“ noch vor Gropper selbst das Album stimmlich, Kat Frankie begleitet ihn beim „Nightjogging“ und Schützling Sam Vance-Law unterstützt ihn sogar während eines Albtraumes, „Nightmare No. 2 (Dinner at Carinhall)„.

Heraus kommt, wie hätte man es anders erwarten können, ein weiteres Meisterwerk des Meisters. „The Horror“ ist kein Massen-Hitpotential-Album. Es ist lieber besonders und eigenartig, tiefgründig und phänomenal.



GET WELL SOON live

10.08.: Hamburg – Elbphilharmonie
19.09.: Paris – La Cigale
01.10.: Berlin – Volksbühne
02.10.: Berlin – Volksbühne
03.10.: Berlin – Volksbühne
17.10.: Köln – Philharmonie
08.11.: München – Kammerspiele
09.11.: München – Kammerspiele


Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Clemens Fantur

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