Während alle Welt auf ihr Debütalbum warten, veröffentlichen Giant Rooks lieber eine weitere EP. Auf diese Art und Weise bereiten sie ihre Liebhaber und Kritiker langsam aber sicher darauf vor, was kommen wird. „Wild Stare“ ist auf seine 14 Minuten aggregiert so stark, dass es gar nicht mehr braucht. 

Ein Artikel von Anna Fliege – In meiner Kindheit verband ich mit der Stadt Hamm immer den gläsernen Elefanten im Maximilianpark und ein Spaßbad, das ich öfters mit meinen Eltern besuchte. Später brannte sich die Stadt im Herzen Nordrhein-Westfalens in mein Gedächtnis ein, weil man dort als ICE-Reisender Richtung Berlin meist zu viel Zeit verbringen musste. Nun, so war das zumindest bis 2016. Bis als eine junge Band auftauchte, die mich von den Füßen riss.

Damals ging das Fünfergespann von Giant Rooks noch zur Schule, gewann im selben Jahr den renommierten popNRW-Preis als Newcomer und machte sich in den Gefilden der Musikszene schnell einen Namen, den man so schnell nicht wieder vergessen würde. 2017 folgte die erste Major-EP „New Estate“ und unzählige ausverkaufte Konzerte, die mit den Monaten in immer größer werdenden Venues stattfanden. Es geht bergauf und bis jetzt ist kein Ende in Sicht. Was viele Anfangs für einen kurzen Hype hielten, entwickelte sich schell zu einer sehr ernsthaften Sache.

Mit ihrer neuen EP „Wild Stare“ untermauern Giant Rooks ihre Einzigartigkeit.  Die nicht enden wollenden Loblieder auf Fred & Co. haben der jungen Band eine so große Portion Selbstbewusstsein mit an die Hand gegeben, dass diese auf dem neusten Werk nicht überhörbar ist. Da wirkt „New Estate“ fast ein bisschen schüchtern gegen. So ließ schon Titeltrack „Wild Stare“ bei seiner Veröffentlichung vor ein paar Monaten die Unterkiefer runterklappen. Ein Stück, dass sich selbst und den Hörer so euphorisiert, dass es niemals enden soll. Die Streamingzahlen sprechen Bände.

Und wo wir bei Selbstbewusstsein und dem daraus resultierenden Mut wären, springt Track 2 ins Auge. „Cara Decleares War“ heißt er und hat gerade einmal eine Länge von 37 Sekunden. Man hört eine junge Frau über kulturelle Ideale und die falsche Auffassung, man sei aufgrund von Reichtum, Schönheit und Schlankheit automatisch glücklich, sprechen. Ihre Verneinung dieser Annahme geht mit einem Schlag in Track 3 über. „100 mg“ strotzt nur so vor musikalischer Finesse, das ist so ein Track, der bei jedem Hören ein neues Detail offenbart.

„‚Cause we don’t say no wherever we go, whenever we doubt, we’re steady apart.“



Wer genau hinhört, hört die Anleihen an große Vorbilder der Band heraus. Mal mehr, mal weniger. „King Thinking“ spielt mit offenen Karten. Hier ist die Inspiration durch die britischen Indie-Helden alt-J nicht überhörbar. Spätestens in der Bridge, wenn die ungewöhnliche hohe Stimme mit den Xylophon-Klängen harmoniert, kann es niemand mehr abstreiten. Damit stehen sich Giant Rooks aber keinesfalls im Weg, nein, ganz im Gegenteil.

Mit „Went Right Down“ findet die EP ihr vorläufiges Ende. Clevere, aber mitsingbare Zeilen mit großen „ohohoho„-Teilen, die ihnen live um die Ohren fliegen werden, weil jeder Einzelne es noch ein bisschen lauter mitsingen will.

Mit „New Estate“ und „Wild Stare“ haben Giant Rooks ihre Bewerbung als spannendste Band erfolgreich abgegeben. Erst letztens unterhielt ich mich mit einer Freundin über die Hammer Band (was ein blödes Wortspiel) und fragte nicht nur sie, sondern auch mich und die Allgemeinheit: „Wenn die jetzt schon so gut und so erfolgreich sind, wie soll das erst werden, wenn sie ein ganzes Album veröffentlichen?“

Giant Rooks könnten national bald Bands wie AnnenMayKantereit den Rang ablaufen. Und so, wie sie gerade die Herzen der internationalen Fans höher schlagen lassen, in die Fußstapfen von Milky Chance treten. Eine deutsche Band, die schon vor der Veröffentlichung eines ersten Albums so viele Konzerte ausverkauft und in einer solch hohen Qualität abliefert, gab es in den letzten Jahren nur selten. Die einzige Kritik an „Wild Stare„? Es geht viel zu schnell vorbei.



GIANT ROOKS live

22.04.2019 Stuttgart, Im Wizemann
23.04.2019 Köln, Live Music Hall (Ausverkauft)
24.04.2019 Münster, Skaters Palace (Ausverkauft)
26.04.2019 CH-Zürich, Exil
27.04.2019 AT-Dornbirn, Dynamofestival
29.04.2019 München, Muffathalle (Ausverkauft)
12.05.2019 Bremen, Modernes (Ausverkauft)
13.05.2019 Hannover, Capitol (Ausverkauft)
14.05.2019 Leipzig, Täubchenthal (Ausverkauft)
15.05.2019 AT-Wien, Wuk (Ausverkauft)
17.05.2019 Hamburg, Grosse Freiheit 36 (Ausverkauft)
18.05.2019 Frankfurt am Main, Batschkapp (Ausverkauft)
19.05.2019 Berlin, Huxley’s Neue Welt (Ausverkauft)
21.05.2019 Berlin, Huxley’s Neue Welt (Zusatzshow)
22.05.2019 Köln, Live Music Hall (Ausverkauft)
27.05.2019 Heidelberg, halle02
28.05.2019 Würzburg, Posthalle
30.05.2019 Nürnberg, Z-Bau


Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Frederike Wetzels