Das Ballintubbert House, unweit von Dublin gelegen, ist eine der angesehensten Hochzeits-Locations Irlands, ein wunderschönes Herrenhaus, umgeben von liebevoll und akkurat angelegten Parks, Wiesen und Anlagen. Gleichzeitig ist es die Geburtsstätte und die Inspiration des Zweitwerks „The Talkies“ der irischen Band Girl Band! Im November des vergangenen Jahres zog sich das Quartett dorthin zurück (eigenen Aussagen zufolge “a few pay grades above what we’re used to”), um sich von den alten Gemäuern inspirieren zu lassen.


Das Ergebnis ist atemberaubend, direkt, eindringlich und reißt die äußerlich vielleicht wunderschöne Fassade mit brachialer Gewalt ein. Girl Band ist keine herkömmliche Band, ihre Bandgeschichte ist es genauso wenig und ihre Musik erst recht nicht.

In many ways the idea behind the album was to make an audio representation of the house”, beschreibt Alan Duggan das Album, während Daniel Fox (gleichzeitig Bassist der Band und Produzent des neuen Albums) den Prozess wie folgt beschreibt: “After we cancelled the last tour we weren’t really writing together as much anymore so we were more into demoing and writing down parts then cutting them up, collaging them together in the computer and reconfiguring them that way”. Dafür wählte er auch neue Wege: “We recorded all the drums twice: once on the landing and once in the cellar, and during production we could actually cut in between both these sounds.”

Bevor am 27.09.19 das neue Girl Band Album „The Talkies“ erscheint, veröffentlicht die Band heute mit „Going Norway“ einen weiteren vorab Track daraus – samt visuell intensiven Video.



Das Ergebnis ist eine atemlose Tour de Force, angefangen beim Opener „Prolix“, der sich von der ruhigen Atmung von Sänger Dara langsam in einen atemlosen Albtraum steigert. Über die erste Single „Shoulderblades“, mit seinen unüblichen Panning-Sprüngen, seinen dissonanten Flächen, seinem düsteren Groove und seiner treibenden Noise-Rock-Gitarre. Sänger Dara experimentiert dabei mit Sprache, erforscht seine Mundbewegungen und wie sich Töne und Laute in seinem Mund bilden. Dabei ist der Text aus dem Kontext gerissen, spielt mit Absurditäten, dem Alltäglichem und bietet so immer wieder neue Interpretations-Flächen.

Oder wie Dara es ausdrückt: “The songs, for me, can be up to interpretation. It’s rarely about specific ideas and more about the process of dovetailing lyrics to fit the music.” Es ist somit nicht die Bedeutung der Einzelteile, sondern vielmehr das physische Gewicht des Klangs, der die Lyrics des Albums bestimmt.

Sein rastloser Gesang, Stöhnen und Schreien sind Ankerpunkte, die den Hörer durch die Korridore des Herrenhauses schleifen, die einem bei dieser Hetzjagd antreiben und gleichzeitig das als Vorlage dienende Anwesen in eine Twin Peaks-Sequenz versetzen. Denn wie das Haus haben auch diese Aufnahmen und Songs ein subtiles Eigenleben und unterlaufen einer ständigen Metamorphose. Ein Ausflug ins Ungewöhnliche, ins Abstrakte und in den Klangkosmos einer außergewöhnlichen Band. Oder ein wilder Ritt, der seinen Hörer gewollt aus dem Sattel werfen will.


Presse: Beggars Group / Photocredit: Rich Gilligan