Er hätte doch alles haben können – Die Szeneblätter, der Feuilleton, die Fans, alle jubelten. Es hätte Geld geben können, so viel Geld und und all die Gratis-Schuhe und Freedrinks, endlich die Aufmerksamkeit, die er sich in den bitteren Stunden in der Kanalisation so herbeigesehnt hatte. Und als es dann da war? Hat er es ausgeschlagen, so höhnisch, so stolz. Hat sich von den Vorschüssen ein Schloss gekauft, weit weg von der großen Stadt.


Als die Leute vom Label fragten, die Pressevertreter, die Fans, „Wo bleibt die nächste Platte, grim104?“ da hat er sie fortgeschickt, erst freundlich, dann bestimmt, dann tobend und zornig. Und dann kam niemand mehr und es wurde still auf dem Schloss und in den Gipfeln der Tannen.

Sechs lange Jahre kein Geräusch, kein Ton, kein Lebenszeichen. Bis es wieder ein Rumoren gab, ein Gewisper. Erst in den Tannen, dann auf Feld und Flur, am Schluss in den brodelnden Elendsquartieren und dampfenden Gossen: „grim104 hat eine neue Platte gemacht!“. Und jetzt ist er zurück, mit unbewegter Mine und seltsam toten Augen und erzählt über „Das Grauen, Das Grauen“.



Düsterer, härter, und – nun ja – grimmiger als bei Zugezogen Maskulin entpuppt sich die erste Single-Auskopplung „Graf Grim„. Die steigt gleich mit einer Ansage an die Szene ein: „Du nennst dich Boss, oder Gott oder King, doch mit grim triffst du dann auf einen Graf“ – der sich mit einem knüppeldicken Trapbeat zurückmeldet. Und obendrein mit Nosferatu-Referenzen, Schattenspielen und gefletschten Goldzähnen im horrorhaften Video zur Single, das es hier zu sehen gibt.

Auch die weiteren Kapitel der kommenden Platte „Das Grauen, Das Grauen“. werden erzählt von einem neuen Horror, nicht von dämonischen Plagegeistern, sondern von einem Arzt, der nach der Blutabnahme nochmal ins Sprechzimmer ruft, mit besorgtem Blick, „Bitte setzen Sie sich erstmal“.

Von Polizisten, die nachts an der Wohnungstür klingeln, die Mützen abgenommen, unsicher in den Händen herumknetend. Davon, wie es ist auf einer Party tot geschlagen zu werden. Oder wie es ist, Juri Gagarin zu sein, alleine im Weltall, kein Gott weit und breit, alle Wunder in chemischen Formeln berechnet, um uns herum nur Zufälle und Chaos.

Er erzählt natürlich auch die Geschichte von „Graf Grim„, der es nicht erträgt, wenn er an Halloween all die albernen Vampirverkleidungen sieht, bleiche Schminke und Plastikzähne, denn unsere Kultur ist kein verdammtes Kostüm. Von Ratten im Gemäuer. Von Menschen, die merken, dass der Moloch Berlin für sie nur Fronarbeit bei Amazon übrig hat und deshalb hinabsteigen, in die U-Bahnschächte, ins zerfallene Germania. Davon wie es ist, ein Geist zu werden. Davon, wie die Miete jedes Jahr steigt, die Wohnung immer kleiner wird, ist das nicht die wahre Hölle?

Musikalisch tief in der Gegenwart, mit Blick in die Zukunft, unter der Federführung von Silkersoft und mit weiteren Beats von Kenji451 und BLVTH ist es technoid geworden, Fetzen von indonesischer Gamelan-Musik wehen durch Houston-808s, warme, weiche Wolken schweben durch rasiermesserscharfe, spiegelglatte Monolithen, durch menschenleere Megacities. Warmer, schwarzer Honig, all das Grauen und die Schönheit der Welt, gegossen in einen futuristischen und brachialen Sound.

Den gibt es Ende November auch live in Berlin zu erleben:


27.11. Berlin – Berghain Kantine


Presse: Community Promotion / Photocredit: Hotel Rocco