Größer, höher, weiter

Am vergangenen Wochenende verwandelte sich das idyllische Bonn-Beuel ein zwei Tagen mit 12 Bands, rund 8.000 Besuchern und einem gnädigen Wettergott in die feierliche Festivalstätte des GREEN JUICE FESTIVALS.

Vom kleinen Gartenkonzert zu einem traditionsreichen Festival, das sich in den Listen der Republik nicht verstecken muss. Das Green Juice Festival bewies in seiner bereits 11. Ausgabe, das ein Traum, Leidenschaft und harte Arbeit zu etwas Wunderbarem führen können. Aus einem Tag wurden zwei, zu den lokalen Highlights gesellten sich internationale Helden. Gemeinsam mit allerhand freiwilligen Helfern und Freunden wurde daraus auch 2018 ein unvergessliches Wochenende. In diesem Jahr feierte der festivaleigene Campingplatz um die Ecke seinen Einstand und wurde dankend wie friedlich angenommen.

In Verbindung mit dem brillanten Line-Up konnten auch erstmal Daheimgebliebene mitverfolgen, welches Spektakel sich in der Stadt am Rhein abspielte. Das legendäre Format „WDR Rockpalast“ zeigte ausgewählte Konzerte im Livestream und wird die Highlights im Oktober, wenn wir uns alle wieder nach dem Festivalsommer sehnen, im Fernsehen ausstrahlen.

Gitarren-Freuden

Bereits am Freitagnachmittag füllte sich das Gelände nach und nach mit festivalbegeisterten Freunden und die Wiese vor der großen Bühne füllte sich bei ATTIC und 8KIDS allmählig ordentlich. Rockige Gitarren zogen sich durch den Wochenendstart und das Publikum in seinen Bann. Dank FJØRT, dem Post-Hardcore-Kulttrio aus Aachen, gesellten sich zu den Gitarren noch große, auf ihre eigene Art und Weise poetische Texte. Für die eigentlich eingeplanten Zebrahead, die kurzfristig ihren Auftritt absagen mussten, sprangen spontan alte, gute Freunde des Festivals ein: MONTREAL. Und, der Stimmung nach zur Folge, war dies genau die richtige Wahl. Die Leute kannten die Band, die Band die Leute und das Festival und so fühlte es sich an, als wäre das die ganze Zeit der Plan gewesen.

Für das Freitagsfinale standen die einzigartigen, legendären, liebevollen DONOTS aus Ibbenbüren auf dem Programm. Wer in seinem Leben mal ein Konzert der Punkrock-Freunde besucht hat, konnte sich ausmalen, wie der Abend werden würde. Kaum eine andere (deutsche) Band steht so sympathisch auf der Bühne und heizt ohne Probleme die Stimmung bis zum Zerbersten auf. Jede Menge Mitgröhlhits und die neusten „Lauter Als Bomben“-Highlights verbanden sich mit dem tanzenden Mob zu einem Spektakel, dass das Green Juice Festival so schnell nicht mehr vergessen wird.

Kunterbunte Sorgenlosigkeit

Der nächste Tag startete bereits zur Mittagszeit und die Sonne, die am Vortag noch zögerlicher Gast war, wurde nun zum Star des Samstags. Während ELIA, AN EARLY CASCADE, ABRAMOWICZKMPFSPRT und VAN HOLZEN (für Gitarren-Rock-Fans war dieses Line-Up wahrlich eine Goldgrube) tobten die einen bereits in dem ein oder anderen Moshpit vor der Bühne, während die anderen versuchten, einen Schattenplatz zu ergattern, um sich dank des vielfältigen kulinarischen Angebots für den Abend zu stärken.

Mit den Kieler Durchstartern LEONIDEN und den neusten Festivalstammgästen VON WEGEN LISBETH aus der Hauptstadt bekam das Line-Up am Samstagnachmittag eine kunterbunte Portion Indie-Rock, die dem sonst härterem Bandspektrum ziemlich gut stand und auch dem Publikum gefiel. Auf weildes Getanze und überglücklichen Crowdsurfern musste das Green Juice Festival bei diesen Konzerten keinesfalls verzichten. Gemeinsam mit der sorgenlos strahlenden Sonne waren die großen Pfützen und Sorgen aus dem Vorjahr spätestens hier vergessen.

Generationsübergreifend genial

Man musste feststellen: Viel zu selten gibt es kleine Festivals, die für jeden Spaß versprechen. Das Green Juice Festival darf sich da ruhig selbstbewusst auf die eigene Schulter klopfen, denn das Altersspektrum reichte vom Kleinkind bis zum Renterehepaar und schlechtgelaunte Gesichter waren altersunabhängig zu keinem Punkt sichtbar. Neben den Konzerten bot das übersichtliche, dabei aber vielfältige Festivalgelände jede Menge Aktivitäten.

Ein Rugbyteam machte den Kleineren den Sport schmackhaft, während nebenan eifrig Jutebeutel bemalt wurden. Eine Tombola für den guten Zweck, zahlreiche Infostände und ein Pfeffistand, an dem es Pfeffi-Slusheis zu kaufen gab (eins unserer Redaktionshighlights!). Der Stand der VISIONS sorgte für strahlende Fans, denn fast alle Bands schauten für eine kleine Autogrammstunde vorbei – die Schlange bei den Donots reichte einmal quer über das Gelände. Während der Umbaupausen gab es erstmals durch eine DJ-Stage musikalische Untermalung.

Explosives Finale

Keine geringe Band als die legendären THE SUBWAYS, die (m)eine ganze Generation vor vielen Jahren an den Punkrock heranführte. Das Trio aus Großbritannien brachte die Menge zum hemmungslosen Feiern und Umherspringen, spielte unter anderem Hits wie „Oh Yeah“ und „We Don’t Need Money To Have A Good Time“ und erhielt als Dank laute Publikumschöre als Unterstützung. Mit so viel Spaß vergingen fast 1 1/2 Stunden wie im Fluge. Auf einen gekünstelten Abgang vor der Zugabe wollten sie verzichten und lieber die Zeit nutzen, um mit dem Publikum zusammen zu feiern.

Der allerletzte Song, wie konnte es anders sein, hieß selbstverständlich „Rock’n’Roll Queen“ und brachte die knapp 5.000 Gäste am Samstagabend zur völligen Ekstase. Und als wäre das nicht schon traumhaft genug, wurde das große Finale mit einem fulminanten Feuerwerk untermalt und erleuchtete den Bonner Abendhimmel um kurz vor 23 Uhr in den schönsten Farben. Einen besseren Abschluss für dieses Wochenende hätte sich niemand vorstellen können.

Stimmung top, Organisation herausragend, Wetter stabil, Konzerte legendär – Green Juice Festival 2018, das war ein gutes Wochenende!


Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Dominik Huttner