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Helena Deland & „Someone New“: Eklektische Eleganz

Helena Deland & „Someone New“: Eklektische Eleganz

Endlich veröffentlicht Helena Deland ihr langersehntes Debütalbum „Someone New“. Eine vielschichtige, eklektische und ehrliche Platte, für die sich das Warten allemal gelohnt hat.

DIE KÜNSTLERIN

Die kanadische Sängerin Helena Deland zog schnell alle Aufmerksamkeit auf sich, als sie 2018 vier Ausgaben ihrer „Altogether Unaccompanied„-Songsammlung veröffentlichte. Keine wirklichen EPs und auch kein peu à peu veröffentlichtes Album. Die Begeisterung war schnell groß, Artists wie Weyes Blood und Connan Mockasin holten sich Helena als Support-Act ran, JPEGMAFIA kollaborierte mit ihr. Im letzten Herbst eröffnete sie für Iggy Pop beim Pariser arte Festival. Aber kennen wir ihre Stimme nicht schon von alten Men I Trust-Tracks? 

DER SOUND

Ich mag, wenn viel passiert. Wenn Songs aus unzähligen Partikeln bestehen, die sich zu einem großen Ganzen formen und vor Dynamik nur zu strotzen. Und Helena Deland zeigt mir wieder einmal, dass es dafür weder laut, schnell und überschäumend sein muss. Sie bringt auf „Someone New“ ihre butterzarte Stimme mit Sounds aus Dream-Pop, Shoe Gaze, Indie-Rock, Folk und hier und da sogar Elektro-Anleihen zusammen. Song um Song brilliert das Album mit einer fesselnden Komplexität.

DIE THEMEN

Helena verarbeitet in ihren Songs Gedanken, mit denen wir uns in unseren Zwanzigern alle herumschlagen, ob wir es wollen oder nicht. Wer bin ich? Wo möchte ich hin? Und worin liegt überhaupt der Sinn? Erschwerend kommt hinzu, wenn man in einer von Männern für Männer kreierten Welt zwei X-Chromosomen in sich trägt. Da fällt es manchmal schwer, den Durchblick zu behalten. Wenn dann auch noch die rosarote Brille zu drücken beginnt, hilft alles nichts mehr. „Watch me do my makeup and hair / While you make up hypotheses out of thin air / I am another solid mystery when it comes to you / Michael, I’m the puzzle in the other room“ singt sie in „Truth Nugget„.

DER LIEBLINGSTRACK

Glasklar: „Dog„. Hier treffen grandioses Songwriting auf sphärische und elektrisierende Gitarren und aufmunternde Drums, die man glatt für computerproduzierte Elektrobeats halten könnte. „When you ask me, “Dear / Who’s the fairest one of all?” / But who gets to be your mirror / If I’m the nail on the wall?

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DIE PERFEKTE ERGÄNZUNG FÜR…

Jede Plattensammlung, Playlist und Bestenliste des Jahres. Wer sich nach einem Geheimtipp sehnt, der längst nicht mehr unter der Hand weitergeben wird, ist bei „Someone New“ an der richtigen Stelle. 2020 steckt voller starker weiblicher Stimmen und es ist schön, dass Helena Deland eine davon ist.

DAS FAZIT

„Someone New“ hatte es ziemlich einfach, mich zu begeistern. Immerhin klingt Helena Delands Debütalbum wie die Fusion all meiner Lieblingskünstler*innen. Als hätten sich Wolf Alice mit Laura Marling, Bon Iver, Lana Del Rey, Phoebe Bridgers und Mount Kimbie zusammengetan. Eine Mischung, die Helena Deland einzigartig und aufregend macht. Mit so einem Debütalbum vorzulegen bedeutet, dass wir die Kanadierin in den nächsten Jahren dringend im Auge behalten sollten.

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