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Helgen & „Die Bredouille“: Ganz schön schön

Helgen & „Die Bredouille“: Ganz schön schön

Eine Portion deutschsprachige Musik mit Tiefgang, lyrische Finesse als Beilage und eine große Coke Zero mit Eis, bitte. Helgen vertonen mit „Die Bredouille“ die warmen Tage und Gedanken.

DIE BAND

Helgen, das sind Helge, Timon und Niklas aus dem Norden der Republik. Vor ziemlich genau drei Jahren veröffentlichten sie ihr Debütalbum „Halb oder gar nicht„, beglückten damit Festivals, eine ausgedehnte Solotour und zahlreiche Supportslots. Mit „Die Bredouille“ folgt nun Streich Nummer 2 der Mitten-ins-Herz-Treffer.

DER SOUND

Die Bredouille“ klingt wie das musikalische Fotoalbum zu einem idealen Sommer. Faule Tage am See und im Park (aber bitte ohne Slackline). Schwüle Abende und durchmachte Nächte auf dem Balkon. Eisgekühltes Radler Naturtrüb vom Kiosk ums Eck und halberfolgreiche Grillversuche im Gemeinschaftsgarten des Hauses. Unaufdringlicher, sanfter Indie-Pop, der das Herz wärmt – auch dann, wenn die Hitzewelle wieder verebbt.

DIE THEMEN

Helgen nehmen deine Selbstzweifel und schmeißen sie ganz liebevoll über Bord. Ernstgemeinte „alles wird gut„-Bekundungen mit beiliegender Bedienungsanleitung, die man sogar verstehen kann, wenn man aus IKEA-Beilegeheftchen nicht schlau wird. Songs gegen Herzschmerz gibt es obendrauf. Doch alles nur halb so schlimm, hm? Außer auf „Die Geigerzähler geigen“ – da besingen sie den die anhaltende, ernstzunehmende Klimakatastrophe mit Kim Frank-Gedächtnis-Zeile ( „Sag mal, musst du etwa weinen, oder ist das saurer Regen auf deiner Oberlippe“ ).

DER LIEBLINGSTRACK

Nach einigem Überlegen ist es doch der außergewöhnliche Retro-Sound von „Tick Tack„, der mich am meisten überzeugen. Zudem liefert uns dieser Track den idealen Mitgröhl-Refrain, bei dem man sich an liebsten bei Wildfremden unterhaken wollen würde, wenn gerade keine Pandemie wäre. Haarscharf danach kommt nicht nur auf der Platte, sondern auch in meinem persönlichen Ranking „Mach dir keine Sorgen„.

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DIE PERFEKTE ERGÄNZUNG FÜR…

Die kommenden Tage. Fans von Die Höchste Eisenbahn und wenn man glaubt, man wäre jetzt wirklich zu alt für Von Wegen Lisbeth. Die kältere Jahreszeit, wenn man sich noch einmal romantisiert an den letzten Sommer denken will und dabei Wespen- und Sonnenstiche erfolgreich verdrängt. Die Suche nach lyrisch schön verpackten Lebensratschlägen ( „Der Grashalm im Orkan“ ).

DAS FAZIT

Helgen bringen uns im Chaos dieses Jahres eine gesunde Portion Entschleunigung. Aber nur so weit, dass man immer noch entspannt dazu durch die Wohnung wippen kann, okay? Das Songwriting ist so wohl-warm, dass man es sich darin gemütlich machen möchte. „Die Bredouille“ ist der Beweis dafür, dass die deutsche Sprache bei Zeiten doch ganz schön schön sein kann.

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