Marsimoto, unser aller grüner bester Freund, ist zurück. Alle guten Dinge sind fünf und verdammt, das fünfte Album ist wirklich gut. „Verde„, grün. „Verde„, römisch 5 + Erde, wie er es im Titeltrack selbst erklärt. Das zerbrochene Maschinengewehr, das ein V bildet, das internationale Handzeichen, die Revolution, „Friede Sei Mit Dir„.  Hier ist nichts dem Zufall überlassen, aber das kennen wir ja auch nicht anders.

Zu klischeehaft und beinahe kitschig wäre es gewesen, hätte er das Album eine Woche vorher, am heiligen 4/20, veröffentlicht. Nein, ein Marsi braucht keine Klischees – selbst, wenn er damit in seinen Songs zu gerne spielt. Und wenn die Sache einmal nüchtern betrachtet wird, geht es auf „Verde“ gar nicht mehr so viel ums Kiffen wie früher. Das ist auch nicht weiter schlimm. Dafür bekommen wir wichtige Lebensweisen serviert.

„Wo die Liebe hinfällt, steht man wieder auf.“

Auf clevere Wortspielereien und die markant massiven Beats müssen wir aber keineswegs verzichten, die gibt es hier auf jedem der 14 Tracks. Aber ist Marsimoto etwa erwachsener geworden? Die hoch-gepitschte Stimme des grünen Maskenmanns erzählt Geschichten, übt Kritik und man könnte fast meinen, er würde kontrollierter konsumieren – das steht ihm unleugbar gut. Mit „Verde“ baut er sich ein ernstzunehmendes Deutschrap-Album und bringt Spaß, von vorne bis hinten und wieder zurück.

„Wir sind nichts außer Zahlen , wer erlaubt euch unsere Babys wegzunehmen und sie zu Ostern zu bemalen, he? Was Güteklasse, fick dich! Aus unsern Kids macht ihr Nuggets und Picknick, erstickt jetzt!“

Nicht nur die Beatbastler-Elite hat sich hier wieder vereint, nein, Marsimoto hat es sich nicht nehmen lassen, für „Verde“ die High Society des Deutschraps einzuspannen. Häufig springt Marteria selbst durch die Lines seines Alter Egos, aber damit nicht genug. ‚Walking Trett‚ aka. Trettmann, ‚The Friendly GhostCasper oder ‚Menschenfreund88′, den wir besser als Audio88 kennen, geben sich die Ehre, ein paar Hooks und Bars beizusteuern, um nur ein paar der Namen auszusprechen.

Seit Jahren vermutet man, der Rostocker Rapper hätte mit dem zuletzt erschienenden Album, sei es nun in Marteria– oder Marsimoto-Gestalt, hätte er den größten Clou gedropped, doch 2018 und „Verde“ beweisen (wieder mal) eindrucksvoll, dass dieser Mann und seine einzigartige Art und Weise, mit Sprache zu spielen, wahrscheinlich noch lange nicht am Zenit seiner Kunst angelangt ist. Doch wenn Marteria nicht aufpasst, zieht Marsimoto zusammen mit diesem Album bald auf der linken Spur vorbei.



Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Marsimoto Promotion

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