Karl-Marx-Stadt, Baby! Noch immer ist das breite Grinsen vom letzten Wochenende unbeweglich ins Gesicht gemeißelt. Das Kosmonaut Festival 2018 ist in die Geschichtsbücher eingegangen und The Mellow Music war live dabei. Zeit, die Zeit am Stausee Rabenstein noch einmal ins Gedächtnis zu rufen und ein paar der zahlreichen, unzähligen Highlights festzuhalten. Dass wir auch im nächsten Jahr wieder in das gar nicht so hässliche Chemnitz fahren wollen, steht gar nicht mehr zur Debatte, sondern ist bereits im Kalender eingetragen!

Location

Mit dem hauseigenen „Spaceshuttle“ fuhr man vom Chemnitzer Hauptbahnhof ca. 20 Minuten (die sich auf dem Hinweg wie eine halbe Ewigkeit anfühlten) in Richtung Stausee Rabenstein. Es wurde hügeliger, grüner, idyllischer. Am Hang gelegen erstreckte sich das Festivalgelände mitten im Grünen. Und ganz ehrlich? Der erste Blick runter zum Stausee, der zwei Tage lang Treffpunkt für alle Badeenthusiasten war, ließ nicht nur meinen Mund offen stehen. Die zahlreichen Bäume machten das Gelände nicht nur gemütlicher, sondern waren obendrein ein wunderbarer Schattenspender, den man bei den top Temperaturen häufiger gebrauchen konnte.

Allgemeine Stimmung

Viele der von mir besuchten Festivals verliefen gut. Doch die Stimmung des Kosmonaut Festivals hatte ich in dieser Form noch nie erlebt. Vorsicht, Rücksicht, Nachsicht. Keine betrunkene Pöbelei, keine Randale (außerhalb des Kraftklub-Konzerts), keine nervigen Zeltnachbarn mit Scooter-Boombox, kein übermäßiger Müll, nur Harmonie und Freude.

Geheimer Headliner

Ich war in meinem Leben selten so verwirrt, wie an diesem Abend. Alle Leute hatten ihre Wette auf Die Ärzte gesetzt, der Vorhang fiel und dort stand – RIN. Nach vier Liedern wurde dieser von Bausa abgelöst, der wiederum von Haiyti, die von Cro und der machte schließlich die Bühne frei für einen Auftritt, von dem man seinen Urenkeln noch voller Euphorie erzählen wird. Die Idee, sich zum Anteasern des eigentlichen Headliners die erfolgreichsten Rap-Talente der aktuellen Stunde an Land zu ziehen und besonders das jüngere Publikum zum völligen Ausrasten zu bringen – wow. Und ja, dann kamen plötzlich Marteria und Casper auf die Bühne, um das Album anzukündigen, mit dem niemand mehr gerechnet hätte. Einfach so. Mit Feuerwerk untermalt, wie episch! Die vielen unkontrollierten Schreianfälle aus dem Publikum (ich klammere mich da selbst nicht aus) zeigten die pure Freude über dieses Ereignis.

Weckaktion

Man kann es nicht nicht als Highlight aufführen. Da denkst du, du könntest in aller Ruhe endlich mal ausschlafen, hast in der Nacht noch ewig bei den Drunken Masters getanzt oder zumindest etwas mit deinem Körper getan, das in diese Richtung gehen sollte. Aber nein, aus dem Ausschlafen wurde am Kosmonaut-Samstag nichts. Punkt 07:30 Uhr standen Casper und Marteria auf der Matte – oder besser gesagt auf ihrem 1982-Pick-Up – und machten den kompletten Campingplatz wach. Stromausfall? Kein Ding. Gute Laune? Ja!

Detailverliebtheit

Nichts ist auf dem Kosmonaut Festival dem Zufall überlassen. Vom Shuttlebus (dem „Spaceshuttle“) bis hin zu jeder einzelnen Essensbude – alles war dem Corporate Design des Festivals angepasst. Der Kraftklub-esque Grafikstil, die dominierenden Farben weiß/schwarz/rot, das Weltraumthema. Jeder Zentimeter des Geländes war liebevoll dekoriert, fast war es so, als würde man in eine eigene kleine Kosmonaut-Welt abtauchen.

Feine Sahne Fischfilet

Das Chemnitzer Festival hielt zahlreiche grandioser Auftritte bereit, doch einer stach doch besonders heraus. Feine Sahne Fischfilet, die Punkrock-Band aus MeckPomm, die sich ihren jetzigen Erfolg hart erarbeitet und völlig verdient haben, legten ein unvergessliches Konzert hin. Auf einem Festival vor dem großen Headliner 20 Minuten überziehen? Monchi und Co. konnte das niemand übel nehmen. Die Dynamik zwischen Fans und Band, das ist einmalig. Die gemeinschafltiche Athmosphäre von FSF-Konzerten Balsam für die Seele. Dazu immer wieder bunter Rauch und wichtige Worte.

Kleinere (deutsche) Acts

Oft gehen neue Talente auf den großen Festivals unserer Republik im Mittagsslot unter oder werden erst gar nicht gebucht. Das Kosmonaut hingegen brachte in seiner vollen Bandbreite (wie jedes Jahr) jede Menge kleinerer Acts an den Start, ob nun national oder international. Ob nun SIND, Yukno, Ilgen-Nur, Rikas…die Liste ist lang und sie ist schön! Die besten Konzerte sieht man bekanntlich um die Mittagszeit.

Wortbühne

Als riesiger Podcast-Fan erzeugte die in diesem Jahr neuentstandene Wortbühne Euphorieschübe. Deine Lieblingspodcaster live erleben? Zum Anfassen, mit Haut und Haaren, statt nur in deinem Ohr? AAAH! Eine wunderbare entspannte Abwechslung zu den Konzerten, ein entspanntes Rumlungern, ein gemeinsames Seele baumeln lassen. Und gelacht wurde natürlich auch. Massig! Große Liebe für die Im Autokino/Proseccolaune-Auftritte, des war megga!

Vielfältigen Möglichkeiten

Bekomme ich noch alle Aktivitätsmöglichkeiten auf die Reihe? Beim Herzblatt konnte man seinen potentiellen Traumpartner finden oder später beim Bingo den inneren Rentner in sich den Spaß seines Lebens haben lassen. Nebenan konnte man beim Minigolf sein (nicht vorhandenes) Talent unter Beweis stellen oder bei der Post den Daheimgebliebenen eine wirklich hübsche Postkarte senden. Am ersten Tag fungierte diese Stelle zusätzlich als Wettbüro für den Geheimen Headliner. Man kletterte an der Kletterwand hoch hinaus, tauchte im Stausee ab oder plantschte nur ein bisschen. In der Flunkyball Arena wurde es sportlich, während man beim Campingplatz Kochworkshop noch allerhand Nützliches lernte. Bei der Mülltombola gab es Gewinne-Gewinne-Gewinne, beim Kaos Karaoke Klub schiefe Töne. Ihr seht: das Kosmonaut Festival ist viel mehr als nur geile Musik.

Kraftklub als Band, Veranstalter, Gast

Bereits zum 6. Mal fand das Kosmonaut Festival am Stausee Rabenstein statt und wieder zeichneten sich Kraftklub als Initiator des Festivals verantwortlich. Bereits zu Beginn der Woche sah man auf den Social Media-Kanälen, dass auf dem Festival nicht nur Kraftklub draufsteht, sondern auch wirklich drinsteckt. So bastelten und werkelten die fünf Chemnitzer von morgens bis abends. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Bevor die Band am Samstagabend das große Finale selbst mit ihrem aktuellen Album „Keine Nacht Für Niemand“ einläuten durfte, traf man den ein oder anderen Kraftklub-Teil bei all den anderen Konzerten. Sie selbst rissen dann Samstagabend ihr eigenes Festival im übertragenden Sinne ab und besonders Frontmann Felix fand so viele schöne, dankende Worte für das Festival. Für die Freunde, die beim Aufbauen halfen, für die komplette Organisation, für die Möglichkeit, für die Vorzeige-Festivalbesucher, für das unvergessliche Wochenende.


Der offizielle Aftermovie


Autorin & Photocredit: Anna Fliege