You Melt My Heart! Schwer fiel es uns, in den zwar sonnigen, aber harten Alltag zurückzukehren. Drei Tage hatte uns das Melt Festival am letzten Wochenende in seinen Bann gezogen, raus aus der Realität, rein in das Paradies aus Stroboskoplichtern und Eisengiganten. Noch immer bescherrt uns der Gedanke an die Konzerte von Florence + The Machine und The xx rasendes Herzklopfen, nur noch einmal möchten wir unter dem (für Stadtkinder wie uns) beeindruckenden Sternenhimmel in die Nacht tanzen.

Um die Post-Melt-Melancholie aufrecht zu erhalten, haben wir noch ein paar Highlights des letzten Wochenendes zusammengetragen. Die nächste Ausgabe findet übrigens vom 19.-21. Juli 2019 in Ferropolis statt – macht es doch wie wir und markiert euch den Termin schon einmal im Kalender!


Ferropolis

Schon ohne das Line-Up macht einen das Festival sprachlos. Kurz hinter dem Eingang erstreckt sich ein großes, stillgelegtes Tagebaugelände zu den Füßen der Besucher. Die „Stadt aus Stahl“, wie man sie liebevoll nennt, schreit auf ihrer Halbinsel nur so nach INDUSTRIEROMANTIK! Geschmückt mit zahlreichen glitzernden Diskokugeln taucht das Gelände in den Melt-Flair ein. Und wenn die Sonne beim Untergehen den Himmel in den schönsten Farben strahlen lässt, liegt eine Friedlichkeit auf den alten Baggern, die für Gänsehaut sorgt.

Gremminer See

Der Lage auf der Halbinsel ist es verschuldet, dass das Ferropolis-Gelände direkt an einem riesigen See liegt. Dieser See ist nicht nur hübsch anzuschauen, am Strand der MeltSelektor-Bühne verfällt man in eine herrliche Urlaubsstimmung, nein, es ist sogar erlaubt, darin baden zu gehen. Bei den Temperaturen um die 30°C eine willkommene Einladung an diesem Wochenende. Ein paar halten nur ihren großen Zeh rein, andere hüpfen top vorbereitet in Badeklamotten rein, andere lassen das mit den Anziehsachen einfach komplett sein. Im Endeffekt sind wir sowieso alle gleich: Erwachsene Menschen, die mit freudigen Gesichtern im See plantschen, sich spielerisch gegenseitig mit Wasser nassspritzen und die Seele baumeln lassen. Der Zugang am Campingplatz war ziemlich klein und überfüllt, aber einmal im Wasser war auch das nur eine Nebensache.

Cashless bezahlen

Viele Festivals haben es in den vergangenen Jahren ausprobiert, viele sind gescheitert, haben im Folgejahr wieder auf Bargeld gesetzt. Beim Melt Festival hingegen funktioniert dieses System seit Jahren problemlos. Schon zuhause kann man seinen Chip aufladen, vor Ort den Geldbeutel getrost im Auto lassen und beim Bezahlen nicht 10 Minuten nach Kleingeld kramen. Geht schneller, ist einfacher und entspannter. Natürlich verleitet so ein Chip auch dazu, sorgenloser zu bezahlen, seinen Kontostand kann man zum Glück aber jeder Zeit checken. Bleibt etwas übrig, kann man sich das Restgeld im Nachgang online auszahlen lassen.

Das Booking

Schon in einem der Tagesberichte erwähnt, muss ich hier noch einmal eine Lanze für das grandiose Booking des Festivals brechen. Das heiß diskutierte Thema der Frauenquote in Line-Ups wird (zum Glück) immer wichtiger und statt sich auf eine solche Diskusion einzulassen, zeigt das Melt Festival, wie einfach es sein kann, jede Menge gute, weibliche Künstlerinnen zu buchen. Von Gurr bis Florence + the Machine, über Nina Kraviz bis Little Dragon und The xx. Bands mit weiblichen Mitgliedern, starke Frontfrauen, tolle Solokünstlerinnen. Wo liegt also das Problem, Festivallandschaft?

Der Umgang miteinander

Mit 20.000 Besuchern zählt das Melt Festival zu den kleineren Majorfestivals. Aber kaum ein Festival, ob es nun 500 oder 100.000 Besucher sind, schafft eine solche Harmonie wie das Melt. Niemand guckt dich schief an, niemand lacht hinter deinem Rücken über dich oder macht abfällige Bemerkungen – auch nicht unter Alkoholeinfluss. Man passt aufeinander auf, hält hier und da ein angenehmes Pläuschen, akzeptiert einander. Das Melt bietet einen wunderschönen Safe Space für alle. Und da ist es völlig egal, woher du kommst, wer und was oder wie alt du bist, woran du glaubst und wen du liebst.

Eis von Bauchgefühl Berlin

Auf dem Weg zur Erfrischung im See führte unser Weg fast schon traditionell am kleinen Stand von „Bauchgefühl Berlin“ vorbei. Selbstgemachtes, erfrischendes Eis, wahlweise mit Schokolade und fancy Streußeln garniert, zu einem bezahlbaren Preis. Meine Wahl fiel auf das simple Himbeereis, das nicht nur für Abkühlung, sondern auch große Freude sorgte.

Die Sorgenlosigkeit

Ein Wochenende lang alle Sorgen daheim lassen und das pure Leben genießen – anders konnte man das Melt Festival eigentlich gar nicht erleben. Und diese Sorgenlosigkeit zog sich durch alle Instanzen. In den letzten Jahren sind große Festivals nicht gerade der entspannteste Ort geworden, hohe Sicherheitsmaßnahmen, starke Polizeipräsens und distopische Einlassvorschriften können ein Stimmungskiller sein. Natürlich gab es auch beim Melt Regeln, doch die wurden so angenehm und unaufgeregt wie möglich kommuniziert. Mit den „Gurdian Angels“, den Sicherheitsbeauftragten des Festivals gab es zudem echte Gesichter, die sich um das Wohl Aller kümmerten. Gemeinsam mit dem Umgang untereinander wurde Ferropolis zu einer sorgenfreien Zone.

Intro Autoscooter Disco

Für ein paar Euro, die vom Bändchen abgezogen wurden, konnte man sich einen Freund schnappen und in einen der kleinen Wagen springen. Für viele von uns ist der Autoscooter eine festverankerte Kindheitserinnerung und dank der INTRO konnten die Besucher ihr inneres Kind wieder rauslassen. Wilde Fahrten, ein paar Zusammenstöße, die in Lachtränen endeten und immer die perfekte Musik dazu – wie einfach man Menschen so glücklich machen kann.

Superdry Sounds Stage

Zum ersten Mal stand die Modemarke als Ambassador für die kleine Bühne zur Verfügung und lud die unterschiedlichsten Künstler ein, um Freitags und Samstags den Musikhorizont der Melt-Besucher genreübergreifend um ein paar Newcomer und Geheimtipps zu erweitern. Wir freuten uns besonders über BLVTH, Mavi Phoenix, Kid Simius und Au/Ra, und hoffen, dass sich das Format etabliert und im nächsten Jahr vielleicht ja sogar an drei Tagen zur Verfügung steht!


Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Dominik Huttner