So ganz ist man noch gar nicht wieder zuhause angekommen, oder? Doch gewiss steckt man schon mittendrin im After-Festival-Blues. 3 1/2 Tage Southside Festival 2018 liegen nun also hinter uns. Verrückt, oder? Man freut sich monatelang frenetisch auf dieses Wochenende und gefühlt einen Wimpernschlag später ist es schon wieder vorbei. Was bleibt ist nicht nur der kleine Festivalschnupfen und der partielle Sonnenbrand an der Stelle, die man beim Eincremen irgendwie übersehen hatte, sondern auch unzählige Eindrücke und Marmeladenglasmomente. Wir ziehen Resümee.


Die Headliner:

Die Arctic Monkeys, Arcade Fire, Billy Talent, The Prodigy – Vier Bands, die unterschiedlicher nicht sein könnten und die Freunde des Southside Festivals an drei Abenden Momente bescherten, die niemand so schnell vergessen kann und wird. Die Mischung aus Aktualität und Evergreen, Reisen in die musikalische Jugend und die generationsübergreifende Begeisterung rundete das gesamte Festival ab.

Das Wetter:

Seit das Festival vor zwei Jahren einmal aufgrund der schlechten Wetterverhältnisse bereits am ersten Tag abgesagt werden musste, scheint Neuhausen Ob Eck ein verdammt schlechtes Gewissen zu haben. Zwar waren es ein paar Grad weniger als im letzten Jahr (was nicht unbedingt negativ ist), dennoch blieb es bis zur letzten Sekunde sonnig und angenehm. Aber die Kälte nachts? Naja, die vergessen wir lieber schnell.

Die Menschen:

Selten habe ich ein solch friedliches Festival erleben dürfen. Keiner rempelte, niemand pöbelte, alle hatten sich lieb. Da wurde aus Fremden schnell für wenige Minuten die neuen besten Freunde, man prostete sich zu, sang und sprang zusammen, achtete auf einander, lag sich sorgenlos in den Armen. Kein dummer Spruch, keine Provokation, einfach nur Liebe. Mit den eigenen Erfahrungen deckt sich schlussendlich auch das Protokoll der Festivalsicherheit.

Das Drumherum:

Während sich andere Majorfestivals mit Namen großer Discounter schmücken, hinkt das Southside (noch) hinterher. Klar, so warme Crossaint zum Frühstück für ’n Appel und ’n Ei ist natürlich der pure Luxus, den man nicht zwingend braucht. Doch so langsam blüht auch unser Lieblingsfestival in Süddeutschland auf. Neben dem hauseigenen Supermarkt, der das Nötigste für alle bereithält, feierte der Festival-Rossmann am letzten Wochenende seine Premiere. Zahnbürste vergessen? Kein Problem. Duschgel verloren? Kriegen wir hin. Klopapier schon alle? Alles cool! Dein Bart sitzt noch nicht richtig? Ach, dafür gibts jetzt einen TABAK-Babiershop auf der Landebahn.

Das Engagement der Bands:

Natürlich gibt es die ganz großen Acts, die außer „hi“ nichts in ihr Mikro sprechen und irgendwann winkend die Bühne wieder verlassen. Das ist völlig in Ordnung und auch am Wochenende wieder so geschehen. Doch auf der anderen Seite der Fahnenstange stehen Bands, die wortwörtlich ihre Bühne nutzen, laut zu werden, um Wichtiges zu sagen. Bands wie Kraftklub, die Broilers, Feine Sahne Fischfilet, Madsen, Drangal, die Donots oder auch Headliner Billy Talent nahmen sich die Aufmerksamkeit ihrer Fans zu Herzen, um klar zu machen, dass Faschismus, Sexismus, Homophobie, Nazis und Donald Trump scheiße sind.

Die Vielfalt des Line-Ups:

Was für die Headliner diesen Jahres gilt, lässt sich auch easy auf das gesamte Line-Up übertragen. Wieder einmal bewies FKP Scorpio, welch Händchen die Booker des Zwillingsfestival für eine ausgewogene Mischung aus dem heißesten Scheiß, Alltimefavourites, Stars von morgen, gern gesehen Dauergästen, Kindheitshelden, starken Persönlichkeiten und kreativen Genies bestizen. Festivals wie das Southside bzw. das Hurricane ermöglichen Freundesgruppen heutzutage, trotz der unterschiedlichsten Musikgeschmäcker gemeinsam auf ein Festival zu fahren, die beste Zeit ihres Lebens zu haben und trotzdem ihre jeweiligen Lieblingsbands zu schauen. Ein Hoch auf Diversität!

Die Organisation Viva con Agua:

Dem allgemeinen Konzert- & Festivalbesucher sollte die Organisation vom Hamburger Kiez ein allzu familiärer Begriff sein. Das Prinzip bei solchen Veranstaltungen ist einfach: du trinkst ein Bier (oder einen Softdrink) und wirfst deinen leeren Becher in eine der zahlreichen, buntbemalten Mülltonnen, die über das Gelände verteilt von lieben Viva con Agua-Menschen betreut werden. Damit hast du wieder beide Hände zum klatschen frei und ganz nebenbei noch dafür gesorgt, dass der Zugang zu kostenlosem, sauberen Trinkwasser auf der ganzen Welt ein bisschen einfacher geworden ist. Am Infostand gab es jede Menge Zusatzwissen und einen kleinen Einblick in die Arbeit der Organisation. Und wenn jeder der 60.000 Gäste nur 1-2 Becher (deren Pfand bei 2€ lag) spenden würde, könnten wir gemeinsam etwas großartiges schaffen. Jahr für Jahr ist es schön anzusehen, wie Veranstalter, Bands, Festivalbesucher und die Organisation am selben Strang ziehen.

Die Stimmung:

Egal ob bei den Besuchern, den Menschen hinter den Ess- & Trinkständen, den (allermeisten) Securities oder den Bands auf der Bühne – die guten Vibes haben das Festival bestimmt. Dazu trugen natürlich viele Faktoren bei – das Wetter, der Festival Vibe, die Acts, das Bier – die alle in ihrem angemessenen Maße aufeinander trafen. Selbst die Sanitäter und Polizisten vor Ort waren für High Fives, kleine Späße und das ein oder andere Foto zu haben.

Die unvergesslichen Konzerte:

Auch, wenn darüber schon viel zu viel geschrieben wurde, hier eine kleine, unvollständige Ansammlung unserer Lieblingskonzerte: Donots, Billy Talent, Bonaparte, Kraftklub, Feine Sahne Fischfilet, The Kooks, Madsen, Broilers, Wanda, The Vaccines, Biffy Clyro, Marteria.

Die Vorfreude:

Auch, wenn es gerade erst vorbei ist, zumindest das Festival, der Sonnenbrand und der kleine Schnupfen begleitet uns wohl noch ein paar Tage, ist schon heute die Vorfreude auf die 21. Ausgabe des Southside Festivals 2019 so groß, dass wir gerne die Zeit einige hundert Tage vordrehen möchten. JETZT. SOFORT.

Danke für dieses unvergessliche Wochenende, Southside <3


Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Markus Maier