Hey Niklas, das Einfachste vorweg. Was ist Deine genaue Jobbezeichnung?

Meine Jobbezeichnung ist Projektmanager im Veranstaltungswesen oder auch Projektleitung. Was jetzt erst mal sehr hochgestochen klingt, es aber tatsächlich nicht ist. Der klassische Ausbildungsberuf dazu war der Veranstaltungskaufmann.

Und wie genau bist Du zu Deinem Beruf als Projektmanager im Eventbereich gekommen?

Ich hab zuerst ein langweiliges Lehramtsstudium angefangen, was mir dann sehr schnell zu trocken war und bin danach über mehrere Umwege zu diesem Job gekommen. Das fing damit an, dass meine Mutter einen Gastronomiebetrieb hatte, und ich dort Konzerte veranstaltet habe. Bei uns in der Ecke war nicht wirklich was los aber dort leben viele Menschen die Musik machen und so kam eins zum anderen. 2014 hab ich dann über mehrere Ecken meinen Ausbildungsplatz bei der damaligen Lightcompany (heute satis&fy) in Düsseldorf bekommen und bin dafür auch jeden Tag drei Stunden Auto gefahren (lacht).

Und wie war die Ausbildung für dich?

Erst mal langweilig, weil die Erwartung natürlich ganz anders war. Du denkst, du bist jeden Tag auf den coolsten Veranstaltungen, aber tatsächlich war es dann erst mal nur Messe. Messe ist so der Grundstock, wenn du das verstanden hast, dann geht’s weiter. Das Spannendste was ich als Azubi mitmachen durfte war damals mit meinem Ausbilder beim Rock am Ring zu arbeiten. Im letzten Ausbildungsjahr hab ich allerdings fast nur in der Buchhaltung gesessen…

Und was genau hast du dann beim Rock am Ring gemacht?

Im Prinzip das, was ich auch jetzt noch mache. Mich viel um das Drumherum kümmern…Um Akkreditierungen, die Crew, dass die Jungs an Parkplätze und Essen kommen. Viel planen und viel Bemuttern.



Irgendwelche Fettnäpfchen in die Du dabei getreten bist?

Wenn du dem Künstler sagst, dass er im Weg steht und gar nicht merkst, dass das der Künstler ist. Da erntet man böse Blicke vom Manager und das kommt nicht ganz so gut…

Thema Arbeitsalltag – wie läuft ein typischer Tag bei dir ab oder gibt es den überhaupt?

Joballtag und auch einen klassischen Bürotag gibt es bei mir nicht. Es gibt Tage, da bin ich die Hälfte der Zeit im Lager und dann gibt es Tage, an denen ich die ganze Zeit unterwegs bin. Manchmal quer durch Deutschland, manchmal europaweit. Regelarbeitszeiten von 9 bis 18 Uhr sind die einzige Konstante, jedenfalls innerhalb der Woche. Am Wochenende herrscht Arbeitszeitenanarchie haha.

Das heißt Du hast keinen Beruf, bei dem du ganz normal von Montag bis Freitags arbeitest?

Ne, davon darf ich nicht ausgehen. Dann würde es der Firma glaube ich nicht gut gehen (lacht). Man ist Samstag, sonntags und natürlich auch mal an Feiertagen unterwegs, oft bis spät in die Nacht oder ganz früh morgens. Damit muss man dann auch leben, denn wer das nicht kann, ist in dem Beruf leider verkehrt. Man ahnt manchmal nicht, dass man zum Beispiel bei Festivals auch mal drei Tage am Stück am Ackern ist. Man ist halt kein Festivalgast, verpasst quasi das Beste und muss auch mal mitten in der Nacht abbauen.

Gibt es  denn in deiner bisherigen Karriere, bestimmte Momente oder Highlights, an die du dich gerne erinnerst?

Auf jeden Fall! Das erste Rock am Ring, von dem ich dir schon erzählt habe, das war 2015 die Premiere in Mendig. Das Nächste war als ich Jack Black beim RaR 2016 die Hand schütteln durfte, weil ich ihn Backstage getroffen hab. Er hat tatsächlich gefragt ob er sich bei mir vorstellen darf haha. Dann natürlich in der Warsteiner Music Hall einen Helden meiner Jugend zu sehen- Jack White. Das war auch bis jetzt die größte Produktion neben Festivals. Und Ringo Star in Flensburg! Für ein letztes noch lebendes Viertel der Beatles zu arbeiten, war schon stark. 



Gibt es denn etwas das absolut nicht zu deinem Job gehört?

Also grundsätzlich gehört alles Mögliche dazu, von Material von A nach B fahren über Künstler betüddeln und einkaufen. Putzen wäre so das einzige was absolut nicht dazu gehört. Es gibt da einen klaren Unterschied zwischen Aufräumen und Putzen. Man ist ein bisschen Mädchen für alles und muss immer den Überblick haben. Man muss zwar nicht alles Können, aber wenigstens wissen, wen man im Notfall fragen kann. Man ist der Mittelsmann zum Künstler und zu der Location, an der die Veranstaltung stattfindet. Man muss gut mit Menschen umgehen können und auch ab und zu Stimmung machen, wenn die am Boden ist.

Du bist ja jetzt schon einige Jahre dabei. Wie ist es in der Musikbranche zu arbeiten und ist es so, wie du dir die Arbeit vorgestellt hast?

Die Vorstellung ist natürlich immer anders, als die Realität. Man denkt, man arbeitet viel mehr mit Künstlern zusammen und ist viel näher dran. Tatsächlich ist das Arbeiten in der Branche super, weil man verdammt viele coole Leute kennenlernt und mit ihnen zusammenarbeiten darf. Dieses Sammeln von Geschichte ist das, was das Ganze lebenswert macht. Aber es ist harte Arbeit und nicht nur Party und Bier trinken. Was die Leute vergessen, ist das auch 24-Stunden Arbeitstage zu dem Beruf gehören, man muss auch mal einen LKW laden und einfach Sachen machen die man vorher nicht erwartet hätte. Mit Partner oder Familie ist das natürlich schwierig.

Zum Abschluss – was würdest du Leuten raten, die in deine Fußstapfen treten und im Eventbereich arbeiten möchten?

Im Vorfeld Gedanken machen, ob man den Job wirklich machen möchte. Interesse mitbringen und auf jeden Fall kommunikativ sein, also keine Angst haben mit Menschen zu sprechen. Man kann schüchtern sein aber muss trotzdem mit Leuten umgehen können und darf da keine Scheu haben. Nicht immer zu ehrfürchtig sein bei Künstlern, die kochen auch nur mir Wasser. Und man kann diesen Beruf nicht machen, wenn man vorher noch nie auf einem Konzert war, denn man sollte grob wissen, was einen erwartet.


Autor: Lisa Schulz, Foto: Rainer Clasani