Wie kann denn schon wieder der letzte Tag sein? Wehmütig weigern wir uns, die ersten Dinge abfahrbereit zusammenzuräumen. Es wird überlegt, einfach hier zu bleiben und betrauert, dass drei Tage viel zu kurz sind. 


Ein Artikel von Anna Fliege – Dass Tanzen ein ernstzunehmender Sport ist, bestätigt uns der immer stärker werdende Muskelkater in den Waden, aber nützt ja nichts, heute geht es nochmal rund!Und wie rund es geht, blickt man kurz einmal auf den heutigen Timetable. Wie genau gehe ich diesen Sonntag clever an, um um 22 Uhr noch genügend Kraft für ein zwei-stündiges Foo Fighters-Konzert zu haben? Mein Fazit des Hurricane-Sonntags:


Die Stimmung

Die erste Wehmut setzt ein, der Abschied von den neugewonnenen Campingplatz-Freunden beginnt. Man schmiedet Pläne für das nächste Hurricane, passenderweise verrät das Festival noch vor dem Mittagessen, dass SEEED im nächsten Jahr einer der Headliner sein wird. Und jetzt heißt es zusammenreißen und sich auf den letzten, wirklich grandiosen Tag freuen.

Das Wetter

Warm, wärmer, Hurricane. Das gab’s noch nie – oder wir haben es in den ganzen verregneten Matschjahren einfach vergessen. Wer jetzt noch keinen fiesen Sonnenbrand hat, scheint ein Superheld zu sein. Wir gehören da leider nicht zu, aua. Reihenweise überschütten sich die Gäste mit einem Becher Wasser, für den sie gerade 20 Minuten an der Wasserstelle anstanden.

Die Konzerte

Haben wir gestern schon ein bisschen Nostalgie verspürt, so gibt es heute die volle Bandbreite. Mit hochkarätigen Bands wie Interpol, The Streets, The Cure und den Foo Fighters kriegen wir die gute Musik auf dem Silbertablett präsentiert. Innerhalb weniger Schritte und Minuten Robert Smith UND Dave Grohl sehen? Hier ist das heute möglich.

Mit Christine And The Queens bekommen wir einen für das Hurricane außergewöhnlichen, aber wunderschönen Co-Headliner, davor wurde bereits zu You Me At Six und den schwedischen Spaßmeistern Royal Republic in den hübschesten Circle Pits gesprungen. Für die Gänsehaut ergänzten Bands wie The Gardener & The Tree und Bear’s Den mit Wohlfühl-Gitarrenmusik das Programm.

Highlight des Tages

Die Foo Fighters beweisen beim Abschlusskonzert des Hurricane 2019 mit ihrer Unbeschwertheit, dass und warum sie die größte Band unserer Zeit sind. Die Mega-Rockstars reden zwischen ihren Superhits mit einer Bodenständigkeit und einem Charme, dass man fast vergessen könnte, wie riesig dieses Konzert gerade ist. Zwei Stunden pures Adrenalin, purer Spaß – und als herzerwärmendes Highlight Dave Grohls eigene Tochter Violet als Backgroundsängerin. Ein Abend, den man niemals vergisst und immer wieder erleben möchte.

Ohrwurm des Tages

Während The Cure ihren Song „Friday I’m In Love“ spielen, kann ich es gar nicht so richtig glauben, dass ich dieses Lied gerade wirklich live miterleben kann. Irgendwie ist es magisch und dann ganz natürlich, dass der Song im Ohr hängen bleibt.

Überraschung des Tages

Ganz zufällig schaute ich bei meiner alten Jungendliebe You Me At Six vorbei – und verliebte mich wieder. Josh Franceschi und seine Band waren jahrelang in die hintere Ecke meines Gedächtnisses gerutscht, doch mit dieser fulminanten Show und den dadurch ausgelösten Glücksgefühlen laufen die Briten noch endlich wieder hoch und runter. Tja, alte Liebe rostet wohl nicht.

Und nun heißt es: Mach’s gut, Hurricane, es war mir ein inneres Blumenpflücken mit dir! Bis zum nächsten Jahr.


Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Dominik Huttner