Mit gerade mal 25 Jahren hat Ally Brooke karrieretechnisch schon mehr erreicht, als andere sich ausmalen können. Bekannt geworden durch die Serie X-Factor war Brooke mit der in der Show geformten Girl-Group Fifth Harmony international erfolgreich, in Deutschland erreichte die Gruppe sowohl Gold- als auch Platin-Status für diverse Singles.

Seit 2017 ist Ally Brooke als Solo-Künstler teil von Atlantic Records und veröffentlichte Ende Januar 2019 ihre Debut-Single Low Key (ft. Tyga). Im Wortwechsel sprach die Sängerin über ihr erstes Solo-Album, Genre und mit wem sie gerne zusammenarbeiten würde.


Du warst Teil der extrem erfolgreichen Pop-Gruppe Fifth Harmony, inzwischen bist du aber solo unterwegs. Was hat sich seitdem für dich geändert?

Alles ist total verschieden. Ich glaube aber für mich ist die Hauptsache, dass ich die Musik machen kann, die ich machen möchte und volle Kontrolle darüber habe. Diese kreative Kontrolle um mein Team, die Outfits die ich tragen möchte, wie ich meine Haare stylen will, Make-up, all diese Dinge. Ich liebe die Freiheit, die mit dem Solo-Künstlerdasein gekommen ist. Die Freiheit ich selbst zu sein und mich auch dementsprechend auszudrücken. Bevor die Gruppe überhaupt gegründet wurde, habe ich schon an meiner Solokarriere gearbeitet und so viel Schweiß, Tränen und Arbeit hineingesteckt. Dass sich der Kreis jetzt schließt und ich die Möglichkeit habe meinen Traum zu leben und endlich ein Solo-Künstler zu sein, ist unglaublich.

Es muss ein tolles Gefühl sein, so lange für etwas gearbeitet zu haben und dann auch noch von einem großen Record Label unter Vertrag genommen worden zu sein.

Ich werde den Tag, an dem ich unter Vertrag genommen wurde, niemals vergessen. Ich war sehr aufgeregt und habe definitiv ein paar Freudentränen verdrückt. Ich habe mein ganzes Leben lang davon geträumt, und jetzt ist dieser Traum Realität.

Du hast geplant, bald ein Album zu veröffentlichen. Wo im Aufnahmeprozess befindest du dich im Moment?

Im Moment befinde ich mich noch sehr am Anfang. Bis jetzt habe ich solide 4-5 Lieder, von denen ich sehr begeistert bin. Aber ich habe vor, das Album über den Sommer aufzunehmen!

Du hast mexikanische Wurzeln und deine Debutsingle ‚Low Key‘ würde vielleicht am besten durch „Latin meets Dance Pop“ beschrieben werden. Ist das etwas, was du geplant hast für das Album oder eventuell auch anschließend weiterhin mit in deine Musik einfließen zu lassen?

Ich möchte definitiv weiterhin hispanische Einflüsse in meinen Liedern haben, aber auch mit anderen Sounds experimentieren. Die Lieder, die ich bis jetzt aufgenommen habe, reflektieren das meiner Meinung nach auch sehr gut. Etwas, von dem ich möchte, dass Leute über es mich wissen, ist, dass ich eine sehr vielfältige Person bin, die viele verschiedene Sounds und Genres liebt. Ich bin schnell gelangweilt, weshalb ich immer nach der Suche nach etwas Neuem, Innovativen bin. Ich bin sehr dankbar, dass ich Spaß mit dem Album haben und gleichzeitig positive Nachrichten damit rüberbringen kann.


Ich bin sehr dankbar, dass ich Spaß mit dem Album haben und gleichzeitig positive Nachrichten damit rüberbringen kann.


Apropos, bist du der Meinung, dass ein festes Genre noch relevant ist in 2019? Sollten Leute eher bei dem bleiben, was sie kennen, oder ist es wichtig neue Wasser zu testen?

Ich finde, es ist wichtig, dass man sich selbst treu bleibt. Es gibt Künstler und Bands, die ihren festen Sound gefunden haben und manchmal ist das einfach klassischer Pop oder R’n’B und das funktioniert sehr gut für sie und das ist das, was sie tun möchten. Ich schätze und unterstütze jeden Künstler so, wie er sich ausdrücken möchte. Ich persönlich mag es ein bisschen herumzuexperimentieren und eine gewissen Vielfalt zu haben. Es ist einfach wichtig, dem nachzugehen, was dir selbst wichtig ist und so wird das Ergebnis eigentlich immer gut werden.

Was war die erste Single bzw. das erste Album, das du jemals gekauft hast?

Wie witzig, mein Team und ich haben gestern erst darüber gesprochen! Mein erstes Album war entweder „Be Not Nobody“ von Vanessa Carlton oder „Let It Go“ von Avril Lavigne. Ich habe meine Eltern damals angebettelt, mich zum CD-Laden zu fahren. Es ist zwar schon etwas her, aber ich erinnere mich noch an dieses unbeschreibliche Gefühl der Freude, wenn ich diese CDs abgespielt habe. Ich hoffe wirklich, dass mein Album ähnliche Gefühle bei Leuten auslösen wird. Vielleicht holt sich der ein oder andere ja auch eine physische Kopie.

Wie stellst du dir vor, dass deine Karriere jetzt weitergeht? Hast du dir Meilensteine gesetzt oder improvisiert du und lässt Dinge auf dich zukommen?

Irgendwo beides, aber ich bin ein sehr zielorientierter Mensch. Erstmal jetzt natürlich das Album, dann vielleicht eine Tour. Vielleicht als Support für jemanden, aber ultimativ meine eigene Tour. Das ist ein wirkliches Ziel, etwas von Null zu kreieren, sich eine Setlist zu überlegen und generell kreativ zu sein. Es ist wie eine leere Leinwand, die es zu füllen gilt. Außerdem würde ich gerne bei einer Award-Show performen und mit meinen Lieblingskünstlern kollaborieren.


Das ist ein wirkliches Ziel, etwas von Null zu kreieren, sich eine Setlist zu überlegen und generell kreativ zu sein.


Künstler wie zum Beispiel?

Ich würde dafür sterben mit Justin Timberlake zusammenarbeiten zu können. Er ist einfach „the GOAT“ (Greatest Of All Times) für mich. Gefühlt gibt es nichts, was dieser Mann nicht kann und ich bin extrem inspiriert von ihm. Außerdem liebe ich Adeles Stimme so sehr, es wäre eine Ehre eine Ballade mit ihr singen zu können. Und Lady Gaga, sie ist eine wahre Künstlerin und eine große Inspiration.

Abgesehen von denen, die du bereits genannt hast, wer sind für die dich größten musikalischen Einflüsse?

Meine Nummer 1 ist Selena (Quintanilla-Pérez). Jennifer Lopez hat mich auch sehr inspiriert, ich bewundere sie für ihre Arbeitseinstellung und dafür, dass sie so eine Powerfrau ist.

Du bist eine Person des öffentlichen Lebens, viele Augen sind rund um die Uhr auf dich gerichtet. Was ist etwas, von dem du dir wünscht, dass Fans von dir mitnehmen oder lernen?

Am liebsten würden ich ihnen – vor allem meinen weiblichen Fans – sagen, dass sie nicht allein sind. Viele von ihnen kämpfen mit Ängsten und Unsicherheiten, ich kämpfe damit, wir alle tun es, egal wer du bist. Jeder sollte wissen, dass es deine Individualität ist, die dich so toll macht wie du bist, und dass dir das niemand wegnehmen kann. Du bist so viel stärker, als du denkst. Das sind alles Sachen, die ich selbst gelernt habe. Ich war lange unsicher und nicht selbstbewusst und generell nicht glücklich mit meinem Leben. Aber das sind alles Dinge, die man hinter sich lassen kann. Auch, wenn es manchmal so wirkt, als ob jeder einzelne Tag ein Kampf ist, wisse, dass du nicht allein bist und dass du alles überwinden kannst.


Autorin: Theresa Liebl Foto: Warner Music Group