Ihre letzte Deutschland-Tour absolvierten Kate Cooper und Damon Cox – alias AN HORSE – im November 2011. Non-Stop auf Tour und von mehreren Schicksalsschlägen getroffen, war die Luft irgendwann raus und so beschlossen die beiden, sich eine Auszeit zu nehmen. Fast sechs Jahre mussten Fans warten, doch jetzt sind An Horse zurück und dass energiegeladener und euphorischer als zuvor. 


Ein Artikel von Lisa Schulz – Das Ergebnis des Winterschlafs von An Horse ist das Album „Modern Air„, welches experimenteller und irgendwie reifer klingt, als seine Vorgänger. Zu einem neuen Album gehört natürlich auch die passende Tour und so sind Damon und Kate seit Juni diesen Jahres in deutschen Städten unterwegs, und überzeugen live mit eingängigem Sound und Ihrer wahnsinnig sympathischen Art. Wir durften Kate ein Paar Fragen zu „Modern Air“ und Ihrer seit Jahren anhaltenden Karriere im Musikgeschäft stellen.


Euer neues Album heißt „Modern Air“. Kannst du mir etwas über die Geschichte hinter dem Titel erzählen?

Kate Cooper:Modern Air“ ist ein Witz den Damon und Ich über den Internetzugriff in Flugzeugen haben. Damon schrieb mir, wenn er mit dem Flugzeug unterwegs war und verabschiedete sich immer mit den gleichen Worten – Modern Air. Der Begriff wurde dann irgendwie größer, um die Häufigkeit zu unterstreichen, mit der wir auf unsere Smartphones schauen oder ständig mit jedem verbunden sein zu wollen. Ich kann das persönlich kaum ertragen und wünschte, ich bräuchte kein Smartphone. Ich habe tatsächlich versucht ein „dumb phone“ zu benutzen aber meine Freundin hat darauf bestanden, dass ich mein iPhone behalte…Sie hat gesagt das ist sicherer weil ich dauerhaft auf Reisen bin. Und ich muss ihr Recht geben, das ist absolut wahr aber der Fakt, dass wir ständig auf den Bildschirm schauen, anstatt mit Menschen zu reden oder auf unsere Umgebung achten, nervt.

„Modern Air“ ist das erste Album, nach dem 2011 erschienenen „Walls“. Was ist deiner Meinung nach der Unterschied zwischen dem neuen und den zuvor veröffentlichten Alben?

Kate Cooper: Ich denke, dass wir uns bei diesem Album Sound- und Liederteschnisch weiterentwickelt haben. An der neuen Platte haben wir zusammen mit Mike Sapone gearbeitet, der ein wahnsinnig guter Produzent ist und in der Lage war, genau den Sound zu erreichen, den wir haben wollten. Wir wollten größer und komplexer klingen als zuvor und ein Album machen, dass man sich eine Millionen Mal anhören kann und immer wieder andere Dinge bemerkt und hört. Ich bin wirklich begeistert von dem Ergebnis.


„Wir wollten größer und komplexer klingen als zuvor und ein Album machen, dass man sich eine Millionen Mal anhören kann und immer wieder andere Dinge bemerkt und hört.“ 


Ich liebe das design Eurer Website und des neuen Albums. Wer genau hat die Grafiken und das Design erstellt und was genau steckt für eine Idee dahinter?

Kate Cooper: Unsere Freundin Amanda DiGenova (NOVA: http://www.amandadigenova.com/about-me) hat das Artwork zusammen mit der genialen deutschen Künstlerin Sandra Greiling (https://weareyawn.com) entwickelt. Sie wohnt tatsächlich sogar in Dortmund, was wirklich witzig ist! Damon und ich hatten die Idee des Designs lange bevor wir überhaupt das Album fertiggestellt hatten. Wir wollten einen retro sci-fi Vibe transportieren, der ein Stück vom Exzess der modernen Technologie in unser aller Leben darstellt. Die beiden haben so einen gute Arbeit geleistet, wir lieben das Design.



In dem Stück „This Is A Song“ geht es um das Gefühl nicht dazuzugehören. Hast du einen Rat für jemanden der sich so fühlt, als ob er nirgendwo zugehört?

Kate Cooper: Ich habe den Song mehr für andere Leute, die eine wichtige Rolle in meinem Leben spielen, geschrieben. Mir ist es egal ob ich dazugehöre oder nicht.  Ich habe schon vor langer Zeit herausgefunden, das ich nicht in die Kategorie „normal“ hineinpasse und das liebe ich, da „normal“ für mich wie die Hölle auf Erden erscheint. Den Song zu schreiben war eher für die Leute, die es schlimm finden nicht dazuzugehören. Ich wollte, dass der Song abfeiert, dass man ein Freak ist. Manchmal fühlt man sich allein aber man muss einfach daran denken, dass es mehr Leute gibt, die so sind wie du. Und die Freaks sind für mich die interessanten Leute. Also wäre mein Rat einfach so zu sein, wie man ist und sich nicht ständig zu verurteilen. Arbeite daran glücklich mit dir selber zu sein und denk nicht immer daran, was andere über dich denken könnten. Ein Freund gab mir mal einen guten Rat, der eigentlich so einfach ist – niemand denkt so viel über dich nach wie du denkst. Jeder ist mit sich selber beschäftigt. Feier einfach dass du besonders bist!


„Ich wollte dass der Song abfeiert, dass man ein Freak ist.“


Was steckt hinter dem Titel „Bob Ross (Be the Water)“? Ist der Song etwa eine Liebesbekundung für den außergewöhnlichen TV-Maler ;)?

Kate Cooper: Ich bin tatsächlich nicht mit Bob Ross im TV ausgewachsen, ein Freund hat ihn mir gezeigt. Mir wurde gesagt, dass das genau mein Ding sein wird und ich war wirklich direkt begeistert von der Show und wie entspannt Bob Ross war. Ich hab ihn und seine Show immer als Hintergrundgeräusch angemacht, während ich Gitarre gespielt hab und halb dabei zugeschaut. Bob Ross hat diese kleinen Stücke Weisheit auf Lager, die er im Laufe der Sendung einfach so nebenbei fallen lässt. Die Songlyrics sind ganz einfach Bob Ross´ Worte, so aneinander gereiht, dass sie in den Song passen. Er war wirklich ein weiser Mann.

Euer erstes Album „Rearrange Beds“ habt ihr 2009 herausgebracht. Was hat sich seit dem für Euch persönlich verändert? Immerhin sind seit dem ganze zehn Jahre vergangen.

Kate Cooper: Das Leben ist passiert. Das ist eine große, schwierige Frage. Ich leben jetzt in Nord Amerika, genau wie Damon. Ich in Montreal und er in New York. Wir haben über die Jahre eine Menge Shows gespielt, die Welt bereist und so viele tolle Menschen kennengelernt. Wir haben gleichzeitig ein Paar gute Menschen verloren. Eigentlich ganz normale, standarmäßige Sachen, die einem im Laufe des Lebens passieren. Sie fühlen sich nicht nach Standart an, wenn man mitten in der Situation ist aber sobald du es irgendwann geschafft hast, und das Ganze überstanden hast, merkst du, dass jeder diese großen, bedeutenden „big life moments“ hat und durchleben muss.

Eure Songs sind sehr energiegeladen und gefühlvoll. Wie ist es solche emotionalen Stücke vor einer großen Menge zu spielen?

Kate Cooper: Manchmal kann das schon schwer sein aber ich habe auf dem neuen Album bewusst versucht Songs zu schreiben, die positiver sind als ihre Vorgänger. Das macht das Ganze ein bisschen einfacher. Jedes mal verflucht traurige Songs zu singen ist verdammt harte Arbeit. Ich wollte, dass die neuen Songs hoffnungsvoller werden. Und ich kann mich verdammt glücklich schätzen, dass ich sie jeden Abend vor so vielen Leuten spielen darf.


„Jedes mal verflucht traurige Songs zu singen ist verdammt harte Arbeit“


Damon und Du seid seit mehr als zehn Jahren im Musikgeschäft. Was ist dein absoluter Lieblingsmoment im laufe Eurer Karriere, an den Du dich immer gerne zurückerinnerst?

Kate Cooper: Das ist eine richtig schwierige Frage! Wir haben schon so viele tolle Sachen erleben dürfen. Ich liebe schwimmen und ich versuche so oft es geht, auf Tour schwimmen zu gehen. Ein Festival, dass mir in Erinnerung geblieben ist, ist in der Schweiz gewesen, in der Stadt Bern. Dort gibt es den fantastischen Fluss der durch die Stadt fließt, die Aare. Du kannst einfach rein springen und den ganzen Weg durch die Stadt treiben. An dem Tag als wir da waren, war das Wetter perfekt. Es war so heiß und das Wasser war perfekt. Das ist eine meiner liebsten Erinnerungen.

Wie fühlt es sich an, nach so langer Zeit wieder auf Tour zu sein? Gibt es etwas, dass du in der Zeit besonders vermisst?

Kate Cooper: Es fühlt sich gut an wieder jeden Abend zu spielen, ich liebe es live aufzutreten. Ich mag zwar nicht unbedingt die Dinge davor und danach aber das ist halt das Tourleben. Was ich am meisten vermisse, sind auf jeden fall meine Freundin und mein Hund. Oh und mein Bett! Das ist so gemütlich.

Und zu guter letzt…welchen Song kannst du immer und immer wieder hören, ohne das er dich irgendwann nervt?

Kate Cooper: Es gibt eine Band aus Melbourne – Mouth Tooth. Die haben vor ein paar Jahren das Album „Memory Foam“ herausgebracht, das ist so sanft und gleichzeitig fröhlich. Ich hab mir die Platte seit sie erschienen ist schon wahnsinnig oft angehört. Sie hört sich nach zuhause an.


„Es fühlt sich gut an wieder jeden Abend zu spielen, ich liebe es live aufzutreten“



AN HORSE – TOUR 2019

26.06. Hamburg, Schanzenzelt
27.06. Berlin, Badehause
28.06. Bremen, Tower


Autorin: Lisa Schulz Foto: Corry Arnold