Zur aktuellen Tour, traf unsere Redakteurin und Fotografin Sarah Kaiser, die Sängerin ANTJE SCHOMAKER in Düsseldorf zum Interview. In einem intimen Rahmen erzählte die Musikerin über sich, ihr Leben und die Anfänge ihrer Musik


Liebe Antje, schön, dass Du Dir für uns Zeit genommen hast. Wir und deine Fans möchten Dich gerne etwas näher kennenlernen. Erzähl doch mal, wie du zur Musik gekommen bist.

 

Antje: Eigentlich war es ein sehr langer beständiger Weg. Ich war auf der Waldorfschule und bin da von Anfang an mit Musik in Berührung gekommen und habe dann ganz früh angefangen Klavier zu lernen. Und durch ein Projekt in meiner Schule bin ich dann auch zum Singen gekommen. Also ich habe eigentlich ja immer gesungen. Aber dann haben die Leute gesagt „Mach das doch mal mehr“. Und dann habe ich für mich und meine Geschwister am Klavier damals zum Beispiel Christina Agiliera gesungen. Irgendwann dann Clueso gehört und solche Sachen und dann gedacht, ich schreibe für meine Schwester ein Geburtstagslied, und danach für meinen damaligen Freund. So ging es los und das habe ich dann einfach immer so weiter gemacht. Bin dann nie mehr davon weg gekommen. Hab einfach immer weiter Songs geschrieben. Ich kann es mir gar nicht mehr anderes vorstellen. Es wurde auch von mir nie verlangt. Ich hatte mal zwei Wochen wo ich dachte „Oh Gott, ich brauche irgendwas sicheres. Ich studiere auf Lehramt.“ Und nach zwei Wochen hab ich begriffen, das ist ja völliger Humbug. Und mein komplettes Umfeld meinte ebenfalls, „ja Gott sei dank hat sie es verstanden“.

Aber du wolltest studieren oder wollten Deine Eltern, dass Du was sicheres lernst?

Antje: Gar nicht. Meine Oma ruft zwar immer an und fragt wie mein Studium läuft, aber meine Mutter steht da voll und ganz hinter mir. Das ist auch dieses Urvertrauen was man so braucht. Ich musste mich auch immer selbst finanzieren, und selber irgendwie die Sachen regeln. Es war jetzt nicht so „Kind mach was du willst“ sondern „Ey Antje, du machst das gut. Und mach dein Ding!“ Und so bin ich immer weiter gelaufen. Und dann sind Dinge passiert. Bin dann nach Hamburg gegangen und hab da auf der Straße meine Jungs, meine Musiker kennengelernt.

Also Straßenmusik hast Du dann auch gemacht?

Antje: Nein, ich wollte eigentlich nach Hause gehen nach der Arbeit. Ich hab damals so Poetry Slams veranstaltet und hatte sehr viele Jobs in Hamburg im Booking, im Verlag und so. Und dann kam Johannes Oerding vorbei, den hatte ich aber schon vorher kennengelernt und meinte dann so: „ Komm doch noch mit auf ein Bier. Wie das halt so ist. Da war dann auch André und Felix dabei die jetzt mit mir in der Band spielen. Und das war eher so ein Wir-verstehen-uns-gut-Ding, nicht so ein wir machen sofort zusammen Musik.

Das ist auch wichtig. Dann hält es auch. Dann kann es auch was werden. Wenn man Freunde in der Band und im Team hat.

Antje: Ja. Es ist jetzt nicht so das ich eine Band gesucht hätte. Aber die waren dann halt da. Und das hat sich gut ergeben. Und jetzt mach ich das mit denen zusammen.

Du schreibst deine Songs auch selber. Wer oder was inspiriert dich da? Verarbeitest du Sachen in deinen Texten?

Antje: Ich hab tatsächlich so gar kein System. Ich schreib einfach runter. Wenn wir uns jetzt unterhalten und Dinge sagen die schön sind, dann denk ich mir so „oh das schreib ich mir doch mal auf“.

Also schreibst Du hauptsächlich über alltägliche Sachen, die dir so passieren.

Antje: Genau, ja. Ich versuch halt nie was hinzubiegen oder nie mir was auszudenken. „Ganoven“ zum Beispiel habe ich in zehn Minuten geschrieben in einem leeren Zimmer in meiner damaligen Wohnung, wo jemand ausgezogen ist. Und wenn es um Uhrzeiten geht. Dann ist Sonntag und dann schreib ich auch, dass es Sonntag ist. Eigentlich nichts was ich mir da so ausdenke. Bis auf einen Song „Aller guten Dinge“, den ich mit Steffen Graef über unsere gemeinsame Freundschaft zusammen geschrieben habe, sind auf dem Album tatsächlich alle Texte alleine geschrieben. Ich glaub ich will oder brauche niemanden der da mitschreibt. Und jetzt beim zweiten Album versuche ich mich schon ein bisschen zu öffnen und mit anderen zu schreiben, einfach um mal ein bisschen aus meinem Brei raus zu kommen. Aber ich mach da noch viel selbst und bin da schon so, dass ich versuche meine eigene Sprache so beizubehalten.

Warum schreibst du auf deutsch und nicht auf englisch?

Antje: Das habe ich nie hinterfragt. Ich war zwar einmal in Irland und habe auch auf Englisch geschrieben, da war ich 9 Monate und dann kommt das so automatisch. Aber es ist einfach so passiert. Ich habe jetzt nicht gedacht „Oh auf welcher Sprache schreibe ich denn?“ Ich habe halt einfach angefangen. Auf Englisch kann man zwar besser singen, glaube ich, aber auf Deutsch ist es viel spannender, um das zu erzählen, was ich erzählen will. Ich glaube ich erzähle auch viel mehr, als dass ich singe. Ich hab halt einfach geschrieben, was passiert ist und sobald ich versuche mir was auszudenken wirkt das für mich viel zu konstruiert und da bin ich vorsichtig, weil ich das nicht möchte. Ich glaube die Leute merken auch, dass es von mir kommt und authenisch ist.

Was sind deine musikalischen Einflüsse? Hast Du welche?

Antje: Kann ich gar nicht genau sagen, weil ich gar nicht sagen kann, ich bin jetzt von dem oder dem total inspiriert. Ich habe von meinen Eltern super viel Supertramp und The Police mitbekommen und von meiner älteren Schwester Red Hot Chili Peppers oder Green Day. Und ich bin jetzt 26 Jahre und da hab ich halt gehört, was man so in der Jugend so hört. Später bin ich dann auf Clueso und Bosse gekommen und Kamikazeherz. Und rein sprachlich habe ich immer gerne Erich Fried und Erich Kästner gelesen. Die Gedichte finde ich unheimlich schön.

Deine Tour heißt „Von Helden und Halunken“! Welche sind Deine?

Antje: Meine persönliche Heldin ist auf jeden Fall meine Mutter, das ist so meine Nummer 1. Weil ich halt nie Schranken aufgezeigt bekommen habe. Sie hat immer gesagt „Hey Antje, ein Plattenvertrag ist wie ein 6er im Lotto! Und das ist nicht nur sehr viel Glück sondern auch ganz viel harte Arbeit, willst du das?“ Und weil ich das wollte hat sie mir vertraut und dran geglaubt, dass ich das schaffe. So auch mein Management Kilian & Robin, die auch mein Album produziert haben. Die beiden kenne ich auch schon viel länger als das wir zusammen arbeiten, schon seit 7 Jahren. Und die waren halt immer da und haben immer gesagt „Hey Antje, wer bist du denn? Was sind Deine Stärken. Schreib auf wer du bist, verbieg Dich nicht!“ Das sind so meine Helden, weil die mich einfach so sein haben lassen wie ich bin. Hmmmm und meine Halunken? Bis jetzt habe ich mich noch nicht wirklich verbogen gefühlt, auch nicht von meinem Label. Die haben mich immer machen lassen. Vielleicht sind Halunken ja die, über die man schreibt. Die vielleicht zu früh gehen mussten oder sich entscheiden nicht mehr in Deinem Leben zu sein, auf welche Art und Weise auch immer. Ob es wirklich ein richtig krasser Verlust ist oder die Leute einfach andere Wege gehen. Ja so hat doch jeder seine Halunken.

Du hast einen eigenen Podcast. Dein Freundebuch. Was hat es damit auf sich? Wie bist Du darauf gekommen?

Antje: Tatsächlich haben mir Leute über Instagram geschrieben und gefragt ob ich nicht mal ein Hörbuch oder Podcast aufnehmen soll, weil ich in meinen Stories immer ganz viel erzähle und da haben viele geschrieben „oh man ich höre dir so gerne zu…“ und Ina von meinem Label meinte: „Ey Antje bitte. Überleg Dir das doch mal. So ein Podcast, das würde ich so feiern.“ Und da ich selber momentan viel Podcast höre, dachte ich dann, hmmm wieso eigentlich nicht und es wäre ja nicht wirklich viel Arbeit. Aber hey Leute, ich sage Euch, es ist doch viel mehr Arbeit als man denkt. Und dann wollte ich anfangen aber nicht einfach drauf loslabern, sondern mit Menschen zusammen kommen und bin dann halt auf das Freundebuch gekommen. Weil ich ja nicht über solche Fragen „Wie bist du zur Musik gekommen“ -Fragen reden möchte. Natürlich interessiert das die Leute aber ich wollte gucken, was interessiert MICH. Mit Musikern untereinander redet und fragt man ja auch nochmal ganz anders und auch ganz andere Sachen. Und dann habe ich mich mit Lina als erstes getroffen, das ist ja eine sehr gute Freundin von mir und dann einfach drauf los probiert und so ist das dann passiert. Ich hab auch das klassische Freundebuch, das hab ich dann auch immer mit und lasse dann auch eintragen. Es ist wirklich spannend zu sehen, dass dann manchmal Gäste aus meinem Podcast sagen, „Oh jetzt habe ich aber geplaudert, das habe ich aber noch nicht erzählt .“ Das Gefühl ist halt schön, dass sie bei mir war erzählen. Ich will denen nichts entlocken, aber ich möchte, dass der Hörer von meinem Podcast das Gefühl hat, hier wird keiner interviewt, sondern hier sitze ich grade mit zwei Leuten am Tisch und ich bin irgendwie auch Teil davon. Das war so mein Anspruch.

Hast du noch wen, den Du in Dein Freundebuch „schreiben“ lassen möchtest?

Antje: Ja ich hätte gerne noch die beiden Johannes‘, Johannes Strate und Johannes Oerding. Sebastian Madsen. Ich hätte aber auch gerne nicht nur die großen Namen, sondern so Leute, die man vielleicht noch nicht so auf den Schirm hat. Gerne auch die Lioniden, Max Leßmann, Lotte, oder Lejo, meinen Support von der Tour.

Was sind so deine musikalischen Ziele?

Antje: Ich hatte mal ein Ziel. Und zwar habe ich immer um 11:11 Uhr auf die Uhr geguckt und habe mir was gewünscht über eine lange Zeit. Gewünscht habe ich mir dass ich irgendwann mit meiner Gitarre auf der Sporthallenbühne stehe. Das ist so mein Aberglaube und irgendwie bin ich halt drauf gekommen. Ich war beim Passanger Konzert und der stand da alleine mit seiner Gitarre auf der Bühne und da dachte ich, scheiße ich muss da auch stehen. Und am 9.12.2016 ging der Wunsch dann in Erfüllung und dann stand ich da als Support für Bosse. Danach habe ich mir gewünscht, dass mein Konzert „Übel und gefährlich“ In Hamburg ausverkauft ist und es war dann ausverkauft. Es waren knapp 1000 Leute da, es war der Wahnsinn. Und deswegen habe ich jetzt eigentlich gar keine konkreten Sachen mehr im Kopf. Ich möchte einfach gerne und viele Menschen mit meiner Musik erreichen. Ich kann nicht sagen, oh nächstes Jahr möchte ich alleine in der Großen Freiheit spielen, sondern ich möchte so wie heute merken, ey den Leuten gefällt es. Hier in dieser Location da war ich selber schon so oft. Bei Konzerten von The Killians und bei den Fotos war ich hier. Und es war für mich das Größte hier auf die Bühne zu schauen und diese Künstler zu hören. Deshalb bin ich heute wahnsinnig aufgeregt. Meine Mama und ganz viele Freunde sind auch da. Und genau das zu haben und das Leute sich entscheiden heute Abend zu uns zu kommen, das ist voll viel wert. Und wenn das jetzt ganz viele Menschen über viele Jahre so entscheiden würden, abends mal so auf ein Antje Schomaker Konzert zu gehen, das fänd ich schon toll und wäre ein schönes Ziel. Würde mich freuen, wenn es halt nicht ausgeht, denn ich möchte gerne einen langfristigen Weg gehen. Ich möchte noch ein drittes und fünftes Album schreiben. Es geht mir nicht so um den Erfolg sondern um die Beständigkeit meiner Musik.


Autorin und Foto: Sarah Kaiser