Am kommnden Freitag (07.02.2020) veröffentlicht ÁSGEIR sein drittes und neues Album „Bury The Moon / Sátt“ (via One Little Indian / Embassy Of Music). Mit seiner Musik erschafft er ganz neue Welten und hat sich so Schritt für Schritt zu einem der Singer-Songwriter Islands entwickelt und dabei es immer wieder vollbracht, dass seine Alben, ob auf englisch oder deutsch, etwas besonderes an sich haben.

Im Wortwechsel erzählte er uns über seine Musik, seinem Vater, seiner Heimat, die isländische Musikszene und natürlich von seinem neunen Album.


Ein Artikel von Nina Paul – Wer schon mal in Island war oder sich ein wenig in der isländischen Musikszene rumgehört hat, der wird auf jeden Fall mal bei den Songs von ÁSGEIR landen. Genau so ist es mir vor einigen Jahren ergangen, mit jedem Album beeindruckt er mich mehr.

2012 fing für Ásgeir Trausti Einarsson alles mit dem ersten Album „Dýrð í dauðaþögn“ an, welches 2014 als englische Version „In the Silence“ international große Aufmerksameit erlangte. Genau dieses Debütlabum wurde das bestverkaufte Debütalbum Islands. Etwa 10 % der Isländer besitzen dieses Album. Mit „Afterglow“ gab es 2017 dann einen würdigen Nachfolger und nun erscheint mit „Bury The Moon / Sátt“ ein Album, welches sich  wieder sehr universell zeigt.

1. Dein neues Album heißt „Bury The Moon“, auf isländisch „Sátt“. Wie kam es zu den Titeln?

Der isländische Titel bedeutet so etwas wie: In Frieden oder Akzeptanz zu sein, Bury The Moon entstand aus dem Titel, der als letzter für das Album aufgenommenen wurde und kann so verstanden werden, dass ich versuche, nach vorne zu schauen, anstatt in der Vergangenheit zu verweilen.

2. Du hast die Songs im Sommerhaus geschrieben. Wie hilfreich war der Rückzug in die Natur und Abgeschiedenheit?

Ich hatte das Gefühl, dem Stress und dem Druck des Stadtlebens in gewisser Weise entkommen zu sein. Und ich glaube, es hat mir sehr geholfen konzentriert zu bleiben, ohne Ablenkungen, außer dem Wind und dem Schneesturm, der das Haus während meines Aufenthalts bombardierte.



3. Dein Vater spielt eine große Rolle für deine Musik. Welchen Einfluß hatten seine Texte in deinen Songs auf dem neuen Album?

Ich denke, gerade durch seine Worte wurde das Album ein bisschen tiefsinniger, mehr als wenn er nicht dazu beigetragen hätte. Er schrieb auf dem Album Texte für 4-5 Songs und für mich gibt er den Songs immer eine ganz besondere Bedeutung und etwas, mit dem sich die meisten von uns identifizieren können. Seine Texte auf dem Album handeln von einer verlorenen geliebten Person, der Kindheit, dem täglichen Leben, der Einheit zwischen Menschen und Ländern, sowie der Natur / Wasser.

4. Ólafur Arnalds hat für einen seiner Songs auch schon ein Gedicht von und mit deinem Vater genutzt. Wäre sowas auch für dich mal interessant?

Ich habe es geliebt, was er mit Ólafur Arnalds gemacht hat, und ich weiß, dass er sehr glücklich darüber war, was dabei herauskam. Ich würde definitiv so etwas in naher Zukunft bei uns sehen.

5. Deine Heimat Island und dessen Natur finden sich stark in deiner Musik wieder. Was ist Heimat genau für dich?

Heima bedeutet auf Isländisch Heimat und für mich bedeutet es diesen einen Ort, an dem man sich immer als sich selbst fühlen und an dem sich am wohlsten fühlen kann. Es ist ein Ort, an dem man sich immer darauf verlassen kann, das er einen willkommen heißt, wann immer man möchte.



6. Die einzelnen Tracks auf dem Album sind sehr unterschiedlich, mal ruhiger, mal folkiger, dann aber auch wieder elektronischer. Wie war es im Studio diese in der Einsamkeit enstandenen Songs in ihrer Vollendung zu hören?

Für die meisten Songs hatte ich eine ziemlich gute Idee, was ich machen wollte und dies schon bevor ich ins Studio ging. Aber ein paar Songs haben sich während des Aufnahmeprozesses sehr verändert. Und 1-2 sind so mehr oder weniger im Studio selber entstanden. Im Grunde genommen entstanden die Upbeat-Songs im Studio und die Downtempo Singer Songwriter Stücke bevor ich ins Studio ging. Ich war sehr zufrieden mit dem Ergebnis und denke, es ist eine gute Mischung aus akustischen und elektronischen Instrumenten, mit denen ich schon immer gerne gespielt habe.

7. Welcher Song vom Album hat für dich eine besondere Bedeutung und haben dir die Lieder in der schwierigen Lebensphase geholfen?

In einigen Texten geht es um Beziehungen, mit denen ich vielleicht nie einen richtigen abeschlossen hatte. Diese Lieder helfen mir wahrscheinlich ganu das auszudrücken und so damit dann umzugehen. In „Eventide“ erzähle ich über die Trauer, nachdem ich einen geliebten Menschen in der Familie verloren habe. „Youth“ handelt von meine Kindheit und gibt mir ein gutes Gefühl, wenn ich über diese Tage nachzudenken.



8. Deine Alben erscheinen auf isländisch und englisch. Bist du dann immer mit den Übersetzungen zufrieden oder geht da vielleicht doch etwas vom Gefühl verloren?

Ich denke, normalerweise funktioniert es sehr gut. Es kann manchmal sehr schwierig sein die gleiche Bedeutung zu erhalten und beide Sprachen fließen zu lassen und sich dann mit der Musik gut zu fühlen. Es kann also eine Menge Zeit in Anspruch nehmen alles perfekt zusammenzubringen. Ich mag einige Songs besser auf Isländisch und einige besser auf Englisch und wenn ich live spiele, tendiere ich dazu, nur in der Sprache zu singen, die mir für jeden Song besser gefällt. Ich denke, ich werde das nicht immer machen, aber ich hatte jetzt die Zeit dazu und meine, einige Leute werden sich sehr über die isländischen Versionen freuen, da es auf dem ersten Album schon so gut funktioniert hat.

9. Von der Ruhe in der Natur zur Tour. Auf was freust dich besonders wieder?

Ich bin einfach nur gespannt die neuen Stücke zu spielen. Ich bin auch froh, dass ich jetzt drei Alben habe, aus denen ich auswählen kann und denke, das wird eine viel bessere Show für das Publikum und mehr Spaß auf der Bühne für uns sein.

10. Die isländische Musikszene präsentiert sich seit einiger Zeit auch verstärkt international und neben Björk kennt man nun auch viel mehr isländische Künstler. Macht sich dies in der heimischen Musikszene bemerkbar, zum Beispiel in der Bühnenpräsenz, im Wettkampf untereinander, Druck oder eine starke Entwicklung in der Underground-Musikszene?

Ich denke, das könnte man so sagen. Ich denke, Bands / Künstler sind jetzt vielleicht mehr als früher der Meinung, dass sie in der Lage sind, zu träumen und realistische Chancen zu haben, außerhalb des Landes etwas aus sich herauszuholen, aufgrund der vielen offensichtlichen Beispiele und Vorbilder in der heimischen Musiklandschaft. Aber ich weiß nicht, ob sich die Musikszene so verändert hat, dass sie wettbewerbsfähiger wird, zumindest merke ich das nicht.

11. Gibt es einen Künstler, mit dem du mal gerne zusammenarbeiten würdest, wer würde dies sein und warum?

Ich habe kürzlich zwei Tracks auf dem Album vom elektronischen Künstler Alex Banks gesungen. Ich denke, er macht wirklich tolle Musik. Ich würde in Zukunft gerne mit mehr Sängern oder Produzenten zusammenarbeiten, zumal ich darüber nachdenke, für meine nächsten Veröffentlichungen etwas ganz anderes zu machen. Ich liebe alles, was Kevin Parker macht, James Blake ist auch einer meiner Favoriten, ein Duett mit jemandem wie Pheobe Bridgers wäre auch cool. Ich werde in zukünftigen Releases die Zusammenarbeit mit mehr Künstlern / Produzenten auf jeden Fall suchen.



29.02.2020 Berlin | Konzertsaal der Universität der Künste
28.02.2020 Hamburg | Mojo Club
20.04.2020 Darmstadt | Central Station
22.04.2020 Köln | Gloria
23.04.2020 München | Muffathalle
24.04.2020 Leipzig | Täubchenthal


Autorin: Nina Paul / Foto: Anna Maggie