Roger Sellers ist vielleicht ein Name den man noch nicht kennt, man sich aber auf jeden Fall merken sollte. Der Minimal Loop Artist tritt aktuell unter seinem Künstlernamen Bayonne auf.

Seine live Performances sind lebhaft, aber auch introvertiert. Man bekommt das Gefühl, dass er alles und jeden um sich herum vergisst. Man sollte meinen, dass dies die Zutaten für eine langweilige Performance sind. Dem ist jedoch nicht so.


Ein Artikel von Lisa Bogowsky – Das durfte ich persönlich bei seinem Konzert im kultigen Paradiso in Amsterdam erleben.

Vorher nahm Sellers sich noch die Zeit um ein wenig über die Tour, sein neues Album und seine Musik zu plaudern.

Hey, danke dass du dir die Zeit genommen hast um mit mir zu quatschen. Wie läuft die Tour?

Gerne doch. Die Tour war bist jetzt sehr gut. Viel besser als ich es erwartet habe!

Kommen mehr Leute zu deinen Shows, jetzt wo das neue Album draußen ist?

Es scheint so. Das ist die erste Tour, die ich mit dem neuen Album mache und es sieht so aus, dass die Shows in England und Frankreich größer sind als vorher.

Ich meine du hast den legendären Moth Club in London ausverkauft. Das war bestimmt ein gutes Gefühl oder?

Ja! Das war echt richtig cool.

Du hattest dort einen Tourdrummer mit dabei. War das etwas was du schon länger geplant hast? Wirst du in Zukunft immer mit einem Schlagzeuger auftreten?

Ich hatte tatsächlich nur in London einen extra Drummer dabei. Bei den anderen Shows war ich immer alleine auf der Bühne. Ich denke, dass ich in Zukunft jedoch versuchen werde, immer einen Schlagzeuger dabei zu haben. Auf der Bühne ist es sonst ziemlich Einsam (lacht). Ich habe diese „One-Man-Band“ jetzt schon so lange gehabt. Letztendlich fühlt es sich besser an und natürlich hört es sich auch besser an.

Hast du einen Freund oder Kollegen gefragt, oder wurde der Schlagzeuger von deinem Label gestellt?

Normalerweise, in den Staaten, habe ich einen meiner besten Freunde immer dabei. Er hat meistens Zeit. Wir können leider nur nicht zusammen touren, weil er einen normalen Job hat.
Mir hat jemand von meinem Label ein paar Schlagzeuger vorgeschlagen. Es war so verrückt. Wir konnten nicht einmal proben. Ich konnte Ihm ein paar Videos schicken von mir und meinen Freund, sodass er eine grobe Vorstellung hatte…wir haben dann einen längeren Soundcheck gemacht und das war es schon. Das war ziemlich nervenaufreibend. Er war aber super! Es hat alle geklappt.

Das hört sich richtig aufregend an. Bekommst du eigentlich Lampenfieber? Gerade in so einer Situation?

Nein, nicht wirklich. Ich werde nervös vor Shows….egal ob mit, oder ohne Schlagzeuger. Aber es ist trotzdem gut jemanden dabei zu haben. Dann bekomme ich nicht die ganze Aufmerksamkeit, wenn etwas schiefgeht.

Auf dem neuen Album singst du mehr als auf deinem ersten Album Primitives. Was hat dich dazu inspiriert? Wolltest du das Projekt „Bayonne“ mit deinen alten „Roger Sellers“ Sachen verbinden? War das ein natürlicher Prozess?

Ja es war auf jeden Fall eine natürliche Entwicklung für mich. Ich denke ich bin ein wenig zu meinen Wurzeln zurückgekehrt. Ich wollte aber auch die Struktur der Songs ändern. Ich liebe Popmusik und ich wollte mehr Refrains und Brücken haben…nicht nur hauptsächlich Loops wie auf Primitives.

Wie ist dann der Prozess für einen Song? Schreibst du erst die Texte und kreierst dann die Musik Drumherum, oder nimmst du erst die ganze Musik auf und dann kommt irgendwann der Text hinzu?

Es ist fast immer die Musik als erstes! Manchmal fällt mir aber auch ein Hookline ein um die ich dann den Text herum schreibe.

Und wie nimmst du die ganzen Geräusche auf, die du in deine Songs einbaust? In Enders zum Beispiel hast du ja das Quietschen einer Ofentür aufgenommen. Hast du dann immer ein Aufnahmegerät dabei, oder benutzt du dein Handy?

Manchmal nehme ich mein Handy, aber die meiste Zeit habe ich einen tascam field-recorder in meinem Rucksack mit dabei. Ich liebe einfach die Aktivität von Klängen. Ich meine damit nicht nur Musik an sich, sondern einfach die Geräusche einer Umgebung. Deshalb mag ich es auch einfach eine Aufnahme von einem bestimmten Moment zu machen. Es fühlt sich dann so an, wie Tagebuch schreiben. Es bringt so viel mehr Tiefe, Qualität und auch Bedeutung in die Musik die ich mache. Ich werde dann in den Moment zurückversetzt.

Hast du, wenn du ein Album machst, ein Konzept im Hinterkopf?

Normalerweise nicht. Bei diesem Album schon. (Lacht) Ich habe mir viel mehr Gedanken über ein Konzept gemacht und wie die Songs zusammen als ganzes Album funktionieren. Die Songs sind über die letzten drei Jahre hinweg entstanden. Mal hatte ich unfertige Songs oder einfach ein paar bereits aufgenommene Loops die jetzt auf dem Album sind. Das Zusammenstellen des Albums war jedoch viel durchdachter. Es gibt zum Beispiel zwei Songs, die sich aufeinander beziehen. Das war das erste Mal, dass ich sowas umgesetzt habe.

Das Design von Drastic Measures unterscheidet sich ja komplett von dem minimalen Cover bei Primitives. Wie ist das Albumcover entstanden?

Es war nicht wirklich etwas, wo ich allzu viel drüber nachgedacht habe. Ich war immer ein Fan von der Arbeit von Nick Steinhardt. Er hat einige meiner Lieblingscover entworfen. Er hat mir dann einfach ein paar Ideen zugesandt. Das jetzige Cover, war eins seiner ersten Vorschläge. Es war erstmal nur schwarz und weiß…ohne die Farben. Es hat mich angesprochen. Ich bin nicht wirklich eine visuell denkende Person. Ich hab das Cover einfach ausgewählt, weil es mir gefallen hat. Ich könnte jetzt nicht genau sagen, warum das so war.

Okay und das Cover ist eher in pinken Tönen und die ganzen Promo-Fotos sind auch eher in Pink gehalten…ist das deine Lieblingsfarbe?

(Lacht) Es war nie wirklich einer meiner Lieblingsfarben. Aus irgendeinem Grund hat es sich einfach richtig angefühlt und gepasst. Ich wollte ein Album haben, wo alles zusammen passt. Wo alles „on-brand“ ist. Primitives war ein Durcheinander in der Hinsicht. Das Albumcover hierbei war natürlich auch gut. Es fühlt sich aber besser an, ein Komplettes Konzept bei Drastic Measures zu haben

Es ist auf jeden Fall gelungen. Freust du dich schon auf die Show heute Abend?

Ja auf jeden Fall. Ich hoffe es kommen auch mehr Leute als letztes Mal, als ich hier gespielt habe. Das scheint ja eh der Trend auf dieser Tour zu sein.

Eine letzte Frage habe ich noch…Hast du schon Pläne für eine Deutschland Tour?

Aktuell ist noch nichts geplant aber ich werde auf jeden Fall wiederkommen mit der neuen Platte.