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Im Wortwechsel mit BLACKOUT PROBLEMS

Im Wortwechsel mit BLACKOUT PROBLEMS

Die Blackout Problems sind aus der Alternative-Rock Szene nicht mehr wegzudenken. Spätestens seit dem Feature mit Heisskalt bei How Should I Know ist die Band jedem bekannt. Mit ihrem Charme und ihren wunderbaren Songs klingen die Jungs nicht nur auf Platte sehr gut – auch live geben die Blackout Problems alles. Eine Regel: jeder macht mit, jeder springt mit und jeder passt auf jeden auf. Wer ein Konzert von den Blackout Problems verlässt der tut das vor allem so: sehr verschwitzt, aber unendlich glücklich.

Vor Veröffentlichung ihres neuen Albums KAOS (VÖ.15.6.2018) touren die Jungs noch einmal für ihre Intimate-Tour mit vier Termine durch kleine Clubs in Deutschland. In Köln stattete ich vor dem ausverkauften Konzert Mario, Mo, Michi und Marcus einen Besuch ab und sprach mit ihnen über das neue Album und über das Tour-Leben.


Wann hattet ihr das Gefühl das KAOS bereit ist veröffentlicht zu werden?

Morri: Also bis vor kurz vorm Studio wussten wir eigentlich gar nicht wie es laufen würde. Als wir aus dem Studio raus sind wussten wir “Okay, wir wären jetzt ready den nächsten Schritt zu gehen”. Das war glaub ich Ende Dezember, Anfang Januar, so grober Zeitpunkt, oder? Marcus: Joa. So circa.

Seid ihr beim Schreiben von KAOS anders voran gegangen als bei Holy bzw. eurer EP Gods?

Mario: Ja, ein bisschen. Wir waren zum ersten Mal zu viert beim Schreiben und haben ein bisschen mehr herumexperimentiert. Erstens mit dem Schreibprozess an sich. Wir haben es uns angewöhnt das wir uns in den Raum stellen und dann kommt einer mit einer Idee und haben dann angefangen loszujammen. Weil wir jetzt aber zu viert waren, sind wir ein bisschen angeeckt wenn wir zu viert drauf los jammen und das funktioniert nicht so gut. Deswegen haben wir uns auf eine andere Art des Produzierens eingelassen, am Computer step by step zu schreiben. Und da wir diesmal auch verschiedene Eckpfeiler hatten die wir erfüllen wollten, z.B. die Drums mehr featuren. Ein paar Songs sind aber schon so typisch Rockband entstanden.

Wie lange habt ihr insgesamt an KAOS gearbeitet und wie viele Stunden am Tag habt ihr im Studio verbracht?

Morri: Wir haben uns Ende 2016 im Harz einen Proberaum/Apartment gemietet, wo nichts war und uns wir einfach mal zu viert finden wollten und probieren wollten zu schreiben. Letztendlich waren es 1 – bis 1,5 Jahre. Ich glaube Stunden kann man gar nicht hochrechnen, aber was mir im Kopf geblieben war, irgendwer hat uns mal gefragt “Wie war denn euer Sommer?” und das Einzige an was ich mich erinnern kann vom letzten Jahr war, Freitag und Samstag Festivals zu spielen, Sonntags nach Hause und Montag bis Donnerstag haben wir in unserem Proberaum verbracht. Ich weiß nicht wo der Sommer war außer im Proberaum.

Bei Holy nur 4 Tage Studio verbracht, diesmal waren es 8. Wie war es 4 Tage mehr im Studio zu haben und wie seid ihr der Studiozeit ausgekommen?

Marcus: Ich glaube es gab „sowohl… als auch“-Phasen in der Zeit. Wir dachten bei der Hälfte der Basic Tracks “Hey, wir müssen eigentlich nur noch hier und da ein paar Sachen machen” und auf einmal so “Fuck, das stimmt nicht, da müssen wir doch noch was machen”. Bis auf einen Song konnten wir alle als Band spielen so wie wir Holy aufgenommen haben, in live- Formation, aber einen Song mussten wir im Studio noch arrangieren und Stück für Stück aufnehmen. Zum Schluss wurde es wie immer eng. Es war nicht so, dass wir fertig wurden, tatsächlich. Wir haben ein zwei kleine Sachen die wir nachträglich machen mussten. Morri: Es hat sich angefühlt wie zwei Jahre. Nach vier Tagen haben wir unsere Witzchen gemacht es fühlt sich an als wären wir schon 2 Jahre hier. Wir haben nicht viel geschlafen und wir waren durchgehend fokussiert aufs Studio. Es waren nur 8 Tage, aber wir hätten noch einige Tage dranhängen können, aber wir hatten nur Geld für 8 Tage.

Ihr hattet am Anfang ja laut der KAOS Theory I keine Ahnung wohin das Ganze hinführt, außer dass es anders sein soll. Hat sich das mit der Zeit geändert?

Mario: Ja, die hat sich entwickelt, weil ein Album zu schreiben sich anfühlt als wenn du aus der Schule kommst. Man hat unglaublich viele Möglichkeiten die man erstmal überdenken und ausprobieren muss. Dann kamen irgendwann diese Eckpfeiler, die wir uns am Anfang gesetzt haben lustigerweise raus. Die haben wir zu dem Zeitpunkt wieder komplett vergessen, aber dann haben wir gemerkt “Hier, diese Songs sind beat-basiert. Hier mit Vocal-Effekten. Hier mit Loops“. Am Schluss kristallisiert sich das raus und dann merkt man, “Da ist ein Stil”. Das ist dann am Schluss KAOS. Morri: Wir haben nicht nur 12 Songs fürs Album, sondern 25 Songs geschrieben. Und da hat man da eben raus gepflückt, wie es stilistisch zusammenpasst.

Gab es viele Diskussionen welche Songs auf das Album kommen oder wart ihr euch alle einig?

Mario: Ne, gar nicht. Ich habe mich mal hingesetzt und überlegt was wir schon haben und habe mal eine Playlist gemacht. Dann habe ich mich mit den Jungs zusammengesetzt und habe das vorgespielt und gesagt, “Hey, wenn ich jetzt einen Song anspiel‘ und ihr wollt nicht, dass der auf dem Album ist, dann sagt’s bitte” und am Schluss waren wir einig. Jeder meinte “Passt, wir haben es” und das war der Moment in dem wir gemerkt haben, jetzt können wir ins Studio gehen. Das ist eine Seltenheit bei uns.Wir sind sehr verschiedene Charaktere und haben auch sehr verschiedene Einflüsse. Wenn wir dann mal so einen Moment haben in dem wir einer Meinung sind dann müssen wir das auch ausnutzen.

Ihr habt dieses Mal euch 5 Tage ans Songwriting gesetzt. Hat euch das auch geholfen eine bessere Idee für das Album und dessen Songs zu finden wohin das Ganze führen soll? Wie sah die Preproduction aus?

Mario: Wir waren 5 Tage mit Phil in Berlin und haben rumprobiert. Das hat auch ein bisschen zu der Findung von uns herbeigeführt. Und die Preproduction an sich, die ging viel länger, die haben wir praktisch konstant im Proberaum selber gemacht und haben Demos produziert. Mit diesen sind wir dann ins Studio gefahren.

Wie habt ihr entscheiden was in die Deluxe Boxen vom KAOS reinkommt?

Mario: Wir haben uns gesagt wir wollen in dieser Box bzw. in die Deluxe Variante der LP hauptsächlich Musik reinstecken. Dadurch haben wir die CD, also das ganz normale Album, das Feature-Album mit 10 ganz tollen Gästen, wir haben die 7” mit Off und dem unveröffentlichten Song On, sozusagen der Nachgeschichte. Dann haben wir noch am Schluss gesagt “Hey wir wollen jetzt noch diese 10% extra die wir immer als Band gerne investieren und auch so ein bisschen was handgemachtes reinmachen”, so sind die Add-Ons reingekommen.

Habt ihr eine Tourroutine und wenn ja, wie sieht diese aus?

Mario: Ich glaube, das einzige wo wir so ein bisschen Routine haben ist die Setlist, auch wenn wir uns nicht wirklich festlegen auf irgendwas, weil wir auch gerne ausprobieren. Jetzt bei der Intimate Tour wollen wir auch möglichst unterschiedliche Setlists spielen. Eine wirklich Routine gibt es aber nicht. Wir haben immer Kilometer zu fahren, wir schlafen immer woanders, wir haben letztendlich nichts was immer gleich bleibt. Morri: Die Konstante ist fahren, aufbauen, spielen, wieder zu unserem Schlafplatz fahren. Das klingt alles sehr gleich und geradlinig, aber jeder Tag ist anders.

Mit welchen Macken geht ihr auf gegenseitig auf die Nerven?

Marcus: Ich glaube wenn man so viel Zeit miteinander verbringt dann bringt immer etwas anderes jemanden auf die Palme. Dadurch das jeder sein eigener Mensch ist macht man ja ganz viele Sachen anders als andere und wenn man so viele Stunden wie wir aufeinander hängt dann kommt es hier und da mal vor. Aber das hindert uns nicht das Wesentliche im Blick zu haben.

Gibt es Sachen die ihr immer liegen lässt wenn ihr einen Club nach dem Konzert verlässt?

Marcus: Hauptsächlich Textilien. Morri: Aber Paul ist auch Spezialist dafür, der auch gerne mal eine Kamera liegen lässt oder einen Rucksack, oder einen Laptop oder ein Ladegerät oder sonst irgendwas. Wenn wir im Bus sitzen und fragen wir ihn auch immer “Paul, bist du sicher, dass du alles hast?”. Dann kommt er ins Grübeln und wir haben ihn einmal damit richtig auf die Palme gebracht als wir dann nicht mit der Sprache rausgerückt sind, weil einer von uns seine Kamera hatte oder so. Das kann alles passieren. Mario: Paul ist unser Mercher und Filmer und er ist immer dabei.

Welches ist euer Lieblingsfestival auf dem ihr bisher gespielt habt?

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Mario: Dieses Jahr spielen wir zum ersten Mal auf dem Southside-Festival, da waren wir noch nie und das könnte eines unserer Lieblings-Festivals sein. Marcus: Wo wir gerne hinkommen ist das Eselrock in Wesel. Oder das JuCo-Festival, das ist bei uns in der Nähe. Das sind jetzt auch nicht riesige Festivals und das machen ganz viele ehrenamtlich, alle engagieren sich ganz doll und das weiß man sehr zu schätzen als Band. Morri: Ich persönlich freue mich sehr aufs Happiness-Festival. Ich hab bisher immer nur gute Dinge über das Festival gehört und dass da so viel Liebe und Herz drinsteckt, ich freue mich sehr darauf es zu sehen und ich denke es wird ein schöner Tag für uns alle.

Was war eure seltsamste Fan-Begegnung?

Marcus: Also mir fällt ein, wir waren eines Abend mit den Apologies, I Have None im Herbst 2016 unterwegs. Da waren wir in Berlin und saßen gemütlich ausklingend im Backstage-Raum, und da waren noch mehrere Gäste von den Jungs. Auf einmal hat ein Mädel in die Runde gefragt ob wir uns auch eigentlich die ganze Faust in den Mund stecken können. Wir nur so “Wie bitte?!” und waren erstmal ein bisschen perplex von der Frage bis sie uns bestätigt hat, dass sie es kann und es uns auch gezeigt hat wie das geht. Das war auf jeden Fall eine sehr merkwürdige Begegnung aus dem Nichts. Niemand kannte sie auch. Morri: Ich glaube die war mit Apologies, I Have None befreundet und deswegen war sie da. Aber was sie uns da genau mitteilen wollte wissen wir nicht. Es sah auf jeden Fall sehr witzig aus. Marcus: Es gibt auch irgendwo Fotos davon. Morri: Bestimmt auf einer Einweg-Kamera. Marcus: Bestimmt habe ich es geschossen und es ist komplett schwarz und man sieht es nicht. Deswegen haben wir Paul dabei.

Welchen Song spielt ihr live am liebsten?

Mario: Das wird sich jetzt im Herbst herauskristallisieren auf der KAOS-Tour im November, wenn unser Album raus ist.Wir haben dann nochmal 12 Songs mehr zur Auswahl. Wir haben uns jetzt überlegt, dass wir jeden Abend der Intimate-Tour eine andere Setlist spielen und was besonderes draus machen wollen. Und für die KAOS-Tour möchten wir dieses Prinzip eibehalten. Aber ich glaube, dass das richtig crazy wird, also auch das neue Set wird anders und verrückt und ich freue mich schon extrem drauf.

Wie kam es dazu, dass Morri nun fest zu BP gehört und nicht mehr Backliner und Mercher?

Mario: Tut er nicht, er macht immer noch Merch. Er denkt es nur. (alle lachen) Michi: Jemand anders rechnet für ihn ab! Mario: Das war ein ganz natürlicher Prozess und wir haben da nie groß drüber nachgedacht und wir haben nie einen Post gemacht, weil ich es irgendwie auch total albern fand, sowas groß zu kommunizieren weil er am Anfang “nur” gemercht hat. Aber da war er auch schon ein Teil unserer Band. Und jeder der jetzt mit uns arbeitet ist auch ein Teil unserer Band. Am Ende sind halt wir vier die auf der Bühne stehen, das macht intern aber keinen Unterschied. Das nach außen zu kommunizieren ist schon wichtig, aber dann können wir es hier sagen: Mo ist in der Band. Und er hat am Album mitgewirkt wie alle anderen auch und wir freuen uns drauf weiterhin zu viert auf Tour zu fahren und Musik zu schreiben.

Nico Laska ist ja oft euer Support und hilft euch auch als Roadie während euren Shows aus & und ihr ihm – wie verlief eure Kennenlern-Story?

Mario: Wir haben in Friedberg gespielt, das ist bei ihm in der Heimat und er war mit seiner Akustik-Gitarre einer der Support-Acts. Wir kannten ihn schon so, weil er auf ein paar unserer Konzerte als Zuhörer da war und der ist uns schon da irgendwie aufgefallen und haben mit ihm gequatscht. Er hat dann auf der Bühne ein paar Songs gespielt und ich war total begeistert von ihm und bin dann mit ihm mal ins Studio gegangen und habe mit ihm was aufgenommen. Daraus ist eine Freundschaft entstanden und er kommt jetzt schon seit 3 Jahren Morri: Seit 2014…? Mario: Ja… seit 4 Jahren mit uns mit und baut unser Zeug auf als unsere fleißige Backline-Biene. Er ist eigentlich ein wahnsinnig talentierter Musiker, Sänger und Songschreiber. Michi und ich sind mit ihm ins Studio gegangen und haben seine EP produziert und da ist uns auch aufgefallen, dass dieser Typ auf die Bühne muss. Er macht das Backline und Auf- und Abbau, es macht ihm genauso viel Spaß wie selber auf der Bühne zu stehen, deswegen will er das so 50/50 machen. Aber wenn man ihn erlebt wie er Musik macht, wie er singt, wie er schreiben kann – dann denkt man eigentlich “Hey, du musst dich auf die Bühne stellen!” Deswegen nehmen wir ihn heute und die nächsten Abende bei der Intimate-Tour mit und stellen ihn auf die Bühne.

Wie sieht ein off- Tag von den Blackout Problems aus? Verbringt ihr diesen zusammen oder getrennt?

Marcus: Kommt drauf an wo wir sind, tatsächlich (lacht) Mario: Der letzte Off-Day an den ich mich erinnere haben wir in Berlin verbracht, letzte Woche, und da saßen wir ungelogen von 10 bis 18 Uhr in einem Konferenzsaal mit unserem Management und unserer Booking-Agentur zusammen und haben Pläne geschmiedet und Dinge organisiert. Da wir jetzt selber ein Label gegründet haben, Munich Warehouse, und die Platte so eigenständig wie es nur geht rausbringen, müssen wir uns unabhängig von der Musik ganz schön viel organisatorischen Kram erledigen. Ich hoffe, dass alle die sich diese Platte kaufen, das auch merken werden wie viel Liebe von unserer Seite aus drinsteckt. Zusätzlich zu dem ganzen Blut und Schweiß den man in die Musik reinsteckt muss man jetzt auch mindestens genauso viel in die Organisation reinstecken. Zum Schluss ist es das unabhängigste was man machen kann, Musik aufzunehmen und selber herauszubringen ohne irgendwelche Limits oder Regeln. Wir vier sind die die entscheiden wie es ist deswegen glaube ich, dass es ein ganz persönliches Album ist, auf allen Ebenen.


Autorin und Foto: Carolin Czarnecki

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