Zwei Menschen betreten die Bühne, die der Fotostrecke eines High Gloss Magazines entsprungen sein könnten. Wikipedia betitelt sie als Indie-Rock-Band, doch diesem schlichten Genre entreißen sich Cari Cari nur allzu schnell. Spätestens, wenn das Didgeridoo zum Einsatz kommt. 


Ein Artikel von Anna Fliege – Denke ich an den diesjährigen, mit Festivals gefüllten Sommer zurück, kommt mir das Duo immer wieder in den Sinn. Cari Cari gehören ohne Frage zu meinen Entdeckungen des Jahres, fühlen sich beim Hören nach Sonne auf der Haut und der konservierten Sorgenlosigkeit eines solchen Wochenendes an.

Gerade befindet sich das Wiener Duo auf großer Europatour, ihre Konzerte in Berlin, Köln und München sind restlos ausverkauft – zurecht. Ich schicke Stephanie und Alexander einige Fragen und bekomme prompt die Antworten zurück.

Wie ist es auf Tour, wo ist man eigentlich zuhause und was beeinflusst eine so besondere Band wie Cari Cari? Natürlich erkundige ich mich auch nach den neusten Entwicklungen ihres Planes, Cari Cari als Filmmusik eines Quentin Tarantino-Films zu etablieren.


Jetzt seid ihr fast auf der Hälfte eurer Tour angekommen: Wie geht es euch? Wie läuft es?

Stephanie: Großartig! Die Stimmung ist euphorisch, die Shows werden immer größer! In Berlin waren wir im Festsaal Kreuzberg mit über 1000 Fans ausverkauft.

Alexander: Wir und die Menge waren in Ekstase, es war überwältigend! Wir können es noch immer nicht fassen, denn wir haben zu unserem Album kaum mediale Aufmerksamkeit in Deutschland bekommen. Unsere Musik hat sich viel mehr über unsere Fans verbreitet. Dafür sind wir extrem dankbar!

Ihr beide tragt immer so wahnsinnig coole Outfits. Wie kann ich mir das Packen vor so einer Tour bei euch vorstellen? Ist es chaotisch oder seid ihr da mittlerweile Vollprofis drin? ​

Stephanie: Danke! Wir sind beide Chaoten. Es wird also immer konsequent in letzter Minute gepackt haha.

Ihr seid so viel unterwegs, habt schon in etlichen Ländern gelebt – aber wie definiert ihr eigentlich „Zuhause“?

Alexander: Das ist eine gute Frage! Bei mir ist es bei Städten meistens Liebe auf den ersten Blick.

Stephanie: Letztens sind wir in der Nacht durch Hamburg gefahren. Als ich den Hafen und all die Lichter vorbeiziehen gesehen habe, hab ich schon irgendwie Heimweh bekommen.

Alexander: Das stimmt! Ich fühle mich denke ich, dort zuhause wo ich mich wohlfühle und die richtigen Menschen um mich sind.

Im letzten Jahr seid ihr von einem der größten Musikmagazine auf einem der wichtigsten europäischen Festivals zur „Live-Entdeckung des Jahres“ gekürt worden – Hat euch das in der diesjährigen Festivalsaison irgendwie beeinflusst?

Alexander: Ich denke es hat uns schon Selbstvertrauen gegeben.

Stephanie: Das war wirklich eine riesen Ehre! Am selben Tag haben auch Nick Cave oder The War On Drugs gespielt. Dass wir diesen Musikern auf Augenhöhe begegnen können war ein Ritterschlag und hat uns in dem bestätigt was wir tun.


„Wir sind beide keine typischen Musiker. Wir sind sehr visuell und sehen Cari Cari als Gesamtkunstwerk.“


Gibt es generell Dinge, die euch als Band stark beeinflussen bzw. unter Druck setzen?

Alexander: Ich denke man kann sich überall etwas abschauen: Egal ob Filmemacher, Musiker, Handwerker, Techniker oder Buchhalter. Ich finde es spannend verschiedene Herangehensweisen und Zugänge zum Leben zu analysieren. Das kann oft einen frischen Blickwinkel geben und die eigene Kreativität beflügeln.

Stephanie: Wir sind beide keine typischen Musiker. Wir sind sehr visuell und sehen Cari Cari als Gesamtkunstwerk. Darum hat uns ein Filmemacher, wie Quentin Tarantino genauso beeinflusst wie Musiker. Oder die Sampling und Remix-Attitüde der elektronischen Musik. Wir versuchen uns alle unsere Einflüsse bewusst zu machen und daraus eine wilde Cari Cari Melange zu machen, die dann hoffentlich gut schmeckt.

Ihr steht für euern außergewöhnlichen DIY-Charakter – wie gelingt es euch, den aufrecht zu halten? Und ist es überhaupt möglich?

Alexander: Ich habe andere Bands gesehen, die in die Falle der Professionalität getappt sind. Die Hallen werden größer und sie glauben, dass nächste Album muss jetzt in London oder LA aufgenommen werden und bei einem Major Label veröffentlicht werden. Sofern man sich dabei treu bleiben kann, kann das auch gut funktionieren. Aber ich denke solche Schlagworte können auch zur Falle werden.

Stephanie: Wir machen einfach weiterhin viel selbst weil es Spaß macht!



Nochmal zu der diesjährigen Festivalsaison: Ich hab euch sowohl beim Kosmonaut, als auch beim Melt gesehen und war völlig verzaubert von euren Performances! Was ist euch aus diesem Sommer besonders in Erinnerung geblieben? Ein Ort? Ein Erlebnis?

Stephanie: Oh vielen Dank! Es ist wirklich schwierig da einen Moment rauszupicken. Aber ich denke es war dann doch unser Auftritt auf der Fusion. Das ist wirklich ein besonderer Ort, der das Gute in den Menschen dort hervorholt. Das hat sich ein bisschen wie Alice im Wunderland angefühlt.

Alexander: Ja, es ist wirklich schön zu sehen, dass diese eigenverantwortliche Hippie-Utopie funktioniert.


„Am Beginn unseres Sets waren 500 Zuseher, am Ende waren es 5000. Alle sind stehen geblieben und haben getanzt.“


Gerade auf Festivals trifft man häufig auf Leute, die den Gig zufällig gesehen haben, ohne euch vorher zu kennen. Welche Reaktionen bekommt ihr von diesen Leuten, die euch zum ersten Mal live sehen?

Alexander: Glücklicherweise immer sehr positiv. Du hast vorher unseren Auftritt beim Primavera Sound Festival erwähnt. Dort haben wir auf einer Bühne gespielt, die auf dem Weg zwischen den beiden Hauptbühnen war. Am Beginn unseres Sets waren 500 Zuseher, am Ende waren es 5000. Alle sind stehen geblieben und haben getanzt. Und das bei einer Konkurrenz, wie Nick Cave, Fever Ray oder Unknown Mortal Orchestra. Das war ein perfekter Abend!

Wie sehen eure Pläne für 2020 aus?

Stephanie: Bis Ende des Jahres sind wir noch auf Tour und dann geht es erstmal ins Studio. AK: Am 25.April spielen wir noch ein Konzert mit einem Filmorchester in Potsdam. Damit erfüllt sich ein Traum für uns!

Und wie sieht es eigentlich mittlerweile mit euch und Tarantino aus?

Alexander: Wir arbeiten an unserer Strategie!

Stephanie: Irgendwann kommt er schon in unsere Gasse! 😉



Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Andreas Jakwehrt