Im April veröffentlichte Crystal Murray ihre Debüt-EP „I Was Wrong“ und setzt damit die Messlatte für ihre eigene Karriere bereits zum Start enorm hoch. Mit gerade mal 18 Jahren hat die in Paris lebende Sängerin Geschichten und Stimme, die Hörer*innen sofort in ihren Bann zieht. Mit THE MELLOW MUSIC führt sie ihr erstes Interview in Deutschland.


Ein Artikel von Anna Fliege – Sie mag sich selbst nicht auf ein Genre festlegen, in eine Schublade stecken oder ihre eigene Kreativität einschränken lassen. Crystal Murray ist für ihr Alter bereits beeindruckend reflektiert (im Vergleich zu meinem 18-jährigen Ich), was nicht zuletzt an ihren frühen Erfahrungen mit Social Media-Popularität liegt. Ich habe sie für den Wortwechsel mit allen Fragen gelöchert, die mir auf dem Herzen lagen.


Herzlichen Glückwunsch zu deiner ersten EP! Konntest du trotz der Isolation richtig feiern?

Crystal Murray: Danke! Ich warte schon seit einiger Zeit auf diese EP, deshalb bin ich sehr glücklich. Ich habe mit meiner Familie gefeiert, das ist immer gut!

Für unsere Leser, die dich vielleicht erst durch dieses Interview kennenlernen: Wie würdest du deine Musik und EP „I Was Wrong“ beschreiben?

Crystal Murray: Ich denke, es ist eine sehr verträumte romantische EP. Es ist die Manifestation von Dingen, die ich gefühlt habe, das Schreiben hat mich wirklich dazu gebracht, neue Emotionen in Worte zu fassen und zu versuchen, sie zu verstehen. „August Knows“ ist ein Lied, das ich mit 16 geschrieben habe, zu dieser Zeit war es eine Phase der Besinnung von zähen und gemischten Emotionen. Es ist eine Variation von Stimmungen.



„I Was Wrong“ – das hört man nicht so oft von anderen, geschweige denn von sich selbst. Ist es leicht für dich, deine eigenen Fehler einzugestehen?

Crystal Murray: Nein, ich gebe nur ungern zu, dass ich mich geirrt habe. Aber ich glaube, ich tue es mit meinen Beziehungen zu Menschen, wenn ich von ihnen enttäuscht werde und merke, dass ich zu viel Energie für jemanden eingesetzt habe, der mir nicht genug gegeben hat!

Deine Eltern sind selbst sehr musikalisch. Wie hat Sie diese musikalische Früherziehung beeinflusst und wo findet man sie heute in Ihren eigenen Liedern?

Crystal Murray: Ich komme aus einem sehr soul-lastigem Hintergrund, mein Vater ist ein afroamerikanischer Saxofonist, ich bin mit Coltrane, Marvin Guaye, Minnie Ripperton aufgewachsen. Die Musik in meiner Familie stammt aus den Kirchen im tiefen Oakland. Ich werde also sagen, dass ich einige sehr soulige Adern aus meiner Familie habe, es hat meine sehr jazzige Stimme beeinflusst. Selbst, wenn ich einen Rocksong singen würde, meine Stimme wird immer noch diese jazzige Klangfülle haben, wegen meiner Wurzeln, aber ich genieße es, damit zu spielen!


„Ich habe meiner Musik noch keine Namen gegeben, und ich glaube, es ist auch noch etwas zu früh, um das zu tun.“


Interessiert es dich, was andere über dich oder deine Musik sagen?

Crystal Murray: Im Moment nicht wirklich, denn ich experimentiere und lerne selbstständig. Sie können es nennen, wie sie wollen: Soul/R’n’B/Neo Soul –  Ich habe meiner Musik noch keine Namen gegeben, und ich glaube, es ist auch noch etwas zu früh, um das zu tun.

Inwieweit inspiriert dich dein Leben in Paris?

Crystal Murray: Paris ist eine so kreative Stadt, das Nachtleben ist inspirierend, die Schönheit der Vielfalt, die Stadt selbst ist so schön und real. Die Energie der jungen Kreativen ist einfach unglaublich. Das Wesen von Paris inspiriert mich.

Welchen Einfluss hatte die Einbindung deines Songs „Princess“ in die Dior-Kampagne auf dich / deine Karriere / den Song?

Crystal Murray: Ich denke, es hat meiner Single „Princess“ dabei geholfen, auf der ganzen Welt und nicht nur in Frankreich gehört zu werden, und ich möchte auf jeden Fall die internationale Szene betreten.



Du hast durch die Gucci Gang schon früh sehr viel Popularität erlangt – wie denkst du rückblickend darüber?

Crystal Murray: Als ich in so jungen Jahren den sozialen Medien ausgesetzt war, wurde mir so viel über die Welt klar. Woran ich glaube und wohin ich gehen wollte. Als ich diese Modesachen gemacht habe, wurde mir klar, dass es nicht das wirkliche Leben war, dass alles sehr oberflächlich war und ich ein wenig die Realität vermisste. Dass die Menschen dich, deine Welten, deinen Stil benutzen und es zu dem machen konnten, was immer sie wollten. Gut oder schlecht.

Ich mag und benutze immer noch soziale Medien, das hat meiner Karriere geholfen, und auch eine Stimme zu haben, die jeder hören kann, ist ziemlich cool, aber ich denke einfach, dass einige Leute sie nicht gut benutzen und dass Marken die Menschen robotisieren. Ich bin sehr glücklich, Musikerin zu sein und soziale Medien zu nutzen, um einen Teil von mir zu präsentieren, einen echten Teil.

Wirst du dich in absehbarer Zeit auf die Musik konzentrieren? Oder hast du noch andere Pläne?

Crystal Murray: Ich mache Musik rund um die Uhr, ich stehe erst am Anfang und verbringe meine ganze Zeit damit, meine Stimme zu finden, den Klang, den ich haben will, die Texte, die ich mitteilen will.



Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Erika Bowes