„Let’s dance to Joy Division and celebrate the irony, everything is going wrong but we’re so happy!„. Ja, The Wombats sorgen wirklich für grenzlose Glücksgefühle, besonders bei ihrem energiegeladenen Liveauftritten. Egal ob zwischen Regen und Matsch auf Festivals, in großen Hallen oder kleinen Klubs – Spaß macht es immer. Dieses Erfolgsrezept verfolgt das Liverpooler Trio seit über einem Jahrzehnt. 

Wir durften uns mit Drummer Dan Haggis über die Zeit mit dem vierten Wombats-Album „Beautiful People Will Ruin Your Life“, Zukunftspläne und Festival-Euphorie unterhalten. 


Hi Dan, ich hoffe, es geht dir gut?

Dan: Ja, vielen Dank! Gab grad Mittagessen, die Tomatensuppe war sehr lecker.

Das freut mich! „Beautiful People Will Ruin Your Life“ ist gestern 1 Jahr alt geworden – an dieser Stelle erst einmal ‚Herzlichen Glückwunsch‘ nachträglich. Kannst du von ein paar verrückten beziehungsweise besonders schönen Momenten aus dem letzten Jahr erzählen?

Dan: Letzte Woche haben wir in der Wembley Arena in London gespielt, das war definitiv ein Karriere-Highlight für uns drei. All unsere Freunde und Verwandten kamen extra aus Liverpool und die Crowd war wahnsinnig. Das war auf jeden Fall ein „pinch yourself„-Moment. Ach, und da gibt es noch so viel mehr, ich nenne meist nur das Aktuellste. Es gab viele besonders tolle Gigs. Und unsere Support-Tour für Weezer und The Pixies in Amerika! Das war ein besonderes Highlight, weil wir Fans beider Bands sind.

Hast du eigentlich einen Lieblingssong auf dem Album? Und hat sich das über die letzten Monate verändert?

Dan: Das ist natürlich super schwer, da einen Favoriten rauszupicken. Aber wenn ich wählen müsste, wäre es auf jeden Fall „I Don’t Know Why I Like You But I Do„, der letzte Song des Albums. Das war tatsächlich der erste Song, den wir gemeinsam zu dritt in einem Raum entwickelt haben. Wir haben angefangen zu jamen und bauten den Song dann innerhalb von zwei Tagen, ohne vorher eine genaue Idee zu haben.

Ich mag den verträumten Radiohead-esquen Chorus und die Seventies-Riffs danach. Auf jeden Fall unterscheidet sich der Song stark von dem, was wir zuvor kreiert haben.

Ihr habt dann ja vor kurzem nach eine Extended Version des Albums veröffentlicht. Was steckt hinter der Idee?

Dan: Eigentlich wollten wir „Oceans“ noch mit auf die originale Version nehmen, aber als wir anfingen aufzunehmen und dafür nur 6 Wochen Zeit hatten, haben wir bereits nach 2 Wochen gemerkt, dass es ganz schön kompliziert ist, mehr als 11 Songs zu machen. Dann haben wir „Oceans“ erst einmal aufgeschoben und hatten am Ende keine Zeit mehr dafür. Unser Manager hat dann vorgeschlagen, eine Extended Version 6 Monate nach Release zu veröffentlichen, so hat der Song dann doch noch seinen Weg auf das Album geschafft.

Bee Sting“ hat Murph dann erst nach Veröffentlichung der Platte geschrieben und uns gezeigt, als wir gemeinsam eine Woche in Oslo verbracht haben. Gerade wenn man wie wir verdammt viele Konzerte spielen, ist es ganz schön, noch einmal ein paar Extra-Songs im Gepäck zu haben.

Gibt es einen Wombats-Song, den du gerne wieder live spielen möchtest, der es gerade nicht in die aktuelle Setlist geschafft hat?

Dan: Wir haben nie „Flowerball“ gespielt, ein Bonussong von „Glitterbug„. Wir haben auch mal angefangen, den Song zu proben und ihn in die Setlist einzubauen. Ich weiß gar nicht, was genau passiert ist, aber wir haben diesen Plan nie in die Tat umgesetzt.

Was ist eigentlich mit „Backfire at the Disco“? Das ist doch ein Riesenhit, den man leider nie auf euren Konzerten mitgröhlen kann…

Dan: Ja, den haben wir ewig nicht gespielt. Außer bei den Konzerten, die wir für unser 10-Jähriges Jubiläum gespielt haben, aber das waren nur ein paar UK-Dates und ein paar Gigs in Australien – da haben wir Sidney Opera House gespielt, das war irre! Es war lustig, alle sind ausgeflippt und haben laut mitgesungen – weil den Song eben die allermeisten kennen. Wir haben den in der Zeitspanne von 2006 bis 2008 so oft gespielt, dass wir ihn irgendwann aufgrund von Platzmangel rausgekickt haben.

Wir haben auch „School Uniform“ seit 11 Jahren nicht mehr gespielt, leider. Das ist das Problem, wenn man irgendwann mehrere Alben zur Auswahl hat. Aber du hast schon Recht, wir sollten den Song wirklich mal wieder auf die Setlist schreiben.

Das wäre wirklich ein Traum! Aber sag mal, ich habe Gerüchte über Album Nummer 5 gehört. Stimmt es, dass ihr dieses Jahr direkt wieder ins Studio geht?

Dan: Das stimmt! Wir haben für die erste Session im März 10 Tage in einem Studio in L.A. gebucht, wo Murph auch lebt. Und da schauen wir dann mal, was passiert. Es ist immer ganz schön, die erste Schreibsession zu machen und zu schauen, was dabei rumkommt und in welche Richtung es geht. Dann lässt man das Ganze ein wenig ruhen, lebt eine Weile mit den neuen Songs. Und im Sommer werden wir die Zeit zwischen den Festivalwochenenden nutzen, in Oslo und London weiter daran zu arbeiten.

Ich bin gespannt, man weiß nämlich nie so genau, wie schnell sich die Songs entwickeln und wie lange man schlussendlich daran arbeitet. Es kann frustrierend langsam oder auch extrem schnell passieren, da schreibt man dann vier Songs in einer Woche. Aber wir freuen uns alle sehr, wieder ins Studio zu gehen.

Wenn wir schon bei Alben sind – wird es denn irgendwann auch nochmal ein Dan The Man-Album geben? Ich mag deine Soloalben sehr.

Dan: Oh, danke sehr! Ich habe sogar schon mit den Aufnahmen angefangen. Ja, das dritte Album kommt! Das meiste davon habe ich in den letzten zwei-drei Jahren geschrieben. Ich gehe im März, bevor wir mit der Band ins Studio gehen, für dieses Projekt ins Studio, um ein paar weitere Songs aufzunehmen. Murph wird jetzt auch an einem Soloding arbeiten und Tord ist ja noch bei Imitating Aeroplanes.

Es ist total cool, wenn man nach einem intensiven Jahr in der „Wombats-Welt“ rauskommt und mal etwas anderes macht und ausprobiert. Mit Sachen wie Spotify & Co. ist es heutzutage so einfach, Musik zu veröffentlichen.

Da freue ich mich drauf! Lass uns über Festivals sprechen: Ihr habt ja gefühlt schon auf jedem gespielt. Gibt es da welche, die einen besonderen Platz in deinem Herzen haben?

Dan: Es gibt ein Festival, wo wir unglaublich gerne mal spielen wollen würden – das Roskilde in Dänemark. Für Tord, der aus Norwegen kommt, ist das glaub ich sowas wie für mich Reading & Leeds oder für deutsche Bands Hurricane & Southside. Ansonsten unterscheiden sich die ganzen Festivals eigentlich gar nicht so stark voneinander. Egal, ob du in Deutschland, Australien oder der UK bist, die Crowd ist jedes Mal unglaublich. Tanzen, Bier trinken, Crowdsurfen, mitsingen – das liegt uns am Herzen.

Aber ein Festival sticht dann doch hervor: das Splendour in the Grass in Australien, das findet im Regenwald in einem natürlichen Amphitheater statt. Wenn du da rauskommst, bist du erstmal von der Schönheit geflasht. Aber wenn ich an dieses Jahr denke, freue ich mich auch, endlich wieder beim Hurricane & Southside zu spielen.

Ohja, da freue ich mich auch schon sehr drauf!

Dan: Wir haben da jetzt schon ein paar Mal gespielt und die Energie des Publikums ist fantastisch!

Dan, als Festivalexperte –  was sind deine Hacks, um so ein Wochenende zu überleben?

Dan: Mittlerweile sind wir ja echt ein bisschen verwöhnt mit Tourbus und Backstage. Ich muss zum Glück mittlerweile nicht mehr in einem überfluteten Zelt schlafen. Aber früher war das anders, ich war auf vielen Festivals, als ich jünger war. Meine Grundausstattung war: Bohnen in Dosen, ein bisschen Brot und eine Menge Bier. Und ein Paar gute Schuhe natürlich. Beans, Bread, Beer & Boots! 

Vielleicht hört es sich ein bisschen kitschig an, aber The Wombats sind meine absoluten Lieblingsband des Festivals – also frage ich mich: Welche Band würdest du spontan nennen?

Dan: Das ist gar nicht kitschig, sondern voll schön zu hören! Aber meine Lieblings-Festivalband….schwierige Frage. Mir fallen spontan drei Auftritte aus den letzten fünf Jahren ein.

Nummer 1: Bruce Springsteen beim Glastonbury Festival, das war absurd.
Nummer 2: Gorillaz beim Lowlands in den Niederlanden letzten Sommer.

Hast du die schon mal live gesehen?

Nein, leider nicht.

Dan: Verdammt, die sind live sooo gut! Ich hab ehrlich gesagt gar nicht erwartet, dass sie SO gut sind. Das war eine der besten Shows, die ich je gesehen habe. Die Visuals, die Menge an Musikern auf der Bühne, all die Genres, die da aufeinandertreffen. Und die Energie erst.

Und Nummer 3: Da kann ich mich nicht zwischen Tame Impala beim Firefly Festival und Radiohead beim Austin City Limits entscheiden. Ne, aber ich würde Tame Impala sagen.

Ihr habt eure Band 2003 gegründet, es gibt euch also schon eine ganze Weile in der Konstellation. Gibt es etwas, was du jetzt gerne deinem jüngeren Ich erzählen würdest? Und vielleicht auch die jüngeren Wombats?

Dan: Etwas Grundsätzliches gibt es glaub ich nicht, ich mein, Teil der ganzen Erfahrung ist es ja, nicht unbedingt alles richtig oder vernünftig zu machen. Man lernt ja aus den Fehlern. Aber eine Sache gibt es da schon: Mach mehr Yoga! Fang nicht erst damit an, wenn du Ende 20 bist. Die ersten beiden Alben lang hatte ich die schlimme Rückenschmerzen. Man sitzt im Flugzeug, im Bus, am Schlagzeug. Da gab es sowas wie Massagen und Yoga nicht, nur Party und Bier. Also allgemein gesagt: Gib ein bisschen mehr Acht auf dich selbst. Das kann ich jedem Drummer da draußen nur empfehlen.

Ich denke, ich kann für viele Fans sprechen, wenn ich sage, dass Wombats-Konzerte einer der glücklichsten Orte sind, an denen man sein kann. Mit euch drei auf der Bühne gibt es so viel Energie und Positivität. Jedes Mal, wenn ich euch dort oben sehe, frage ich mich, wie man mit nur drei Mitgliedern so viel Output kreeieren kann. Was ist eure Superkraft?

Dan: Wir spaßen häufig rum, dass wir dafür einfach geboren wurden. Da ist es ganz egal, wie müde wir kurz vorher sind. Kein Spaß, wir könnten im Backstage sitzen und uns darüber beklagen, dass wir nur 2 Stunden Schlaf hatten – und dann fangen wir an, uns gegenseitig zu pushen, fast wie vor einem Boxkampf. Wir möchten niemals eine Show spielen, bei der wir nicht 100% geben. Unsere gesamte Crew ist so, das hilft auch nochmal.

Und das Publikum spielt da selbstverständlich auch eine große Rolle. Wenn wir die Energie mitbringen, anzufangen, führen die Fans das ganze fort, man muss nur den Funken entzünden. Und wenn die Crowd dann einmal angefangen hat, treibt uns das wiederum an.



Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Dominik Huttner