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Im Wortwechsel mit DISCOCTRL

Im Wortwechsel mit DISCOCTRL

Erst gestern feierte sein Debütalbum „Midnight“ Release, heute stellt sich DiscoCtrl unseren Fragen zu eben diesem. Aufgewachsen zwischen Berlin und Texas, jahrelang ein Teil der Image Ctrl-Crew, jetzt solo unterwegs. Der Rapper distanziert sich bewusst vom für die Szene gerade so typischen Gangster-Macho-Gehabe und gibt sich lieber als Realist.

Wieso der gebürtige Deutsche lieber auf Englisch rappt, was es mit dem Namen „Midnight“ zu tun hat und wie wichtig Kritik in Raptexten ist, lest ihr unten im neuen Wortwechsel.


Wie fühlt es sich an, so kurz vor dem Release deines Debütalbums?

DiscoCtrl: Wie eine Last, die von den Schultern fällt. Ich hab bis jetzt fast alles digital gemacht, und bei einem Album mit Vinyl und dem ganzen drumherum musst du einfach viel früher abgeben. Die Wartezeit, bis ich endlich den Leuten die neue Mucke zeigen kann ist auf jeden Fall aufreibend.

Welche Veränderungen hast du zwischen deiner Zeit mit Image Ctrl und der Arbeit an deiner Soloplatte festgestellt?

DiscoCtrl: Ziemlich viele, denk ich. Image Ctrl war halt ein Kollektiv, DiscoCtrl ist eher eine Diktatur, in der ich immer alles bestimmen kann. Das macht mich auf jeden Fall schneller als in der Zeit mit der Crew, und ich muss weniger Kompromiße eingehen, aber bedeutet auch dass alle Fäden über mich laufen und ich keine Arbeit abgeben kann, auf die ich keine Lust hab.

Nach deinen Singles 2016 war es erstmal musikalisch ruhig um dich – war das ein bewusster Schritt?

DiscoCtrl: 50/50. Ich hab im Februar 2017 noch das DUSK2 Mixtape rausgebracht und über den Frühling und Sommer viel Live gespielt. Ab Juli 2017 war ich komplett auf Midnight Modus und bis Ende des Jahres im Studio, und hab den Winter über mit Benzki und TheOlifants an den Videos und dem Artwork gearbeitet. Ich will eigentlich immer alles so schnell wie möglich rauskriegen, aber bei Midnight ging es darum ein fettes, geschloßenes Konzept umzusetzen, und das funktioniert halt nicht auf meinem normalen ADS Modus. Ich musste mich bewusst ein bißchen rausziehen und bin denke anders hätte es gar nicht funktioniert.

Du bist in Berlin und Texas aufgewachsen und rappst auf Englisch – hast du dir je Gedanken darum gemacht, deutsche Texte zu schreiben?

DiscoCtrl: Ja, klar, zumindest seit ich wieder ein paar Jahre hier bin und das Gefühl habe, auch auf deutsch wieder einen stabilen Wortschatz zu haben. Ich denke aber, DiscoCtrl bleibt ein englischsprachiges Ding. Ich hab auf der High School mit mir verabredet, dass ich irgendwann ein Soloding machen will, und DiscoCtrl ist halt die Erweiterung dieser Idee, die nach dem Ende von Image Ctrl wirklich erst wirklich realisiert wurde.

Welche US-Rapper würdest du als Inspiration/Vorbilder nennen?

DiscoCtrl: Ich glaube ich feier voll viele verschiedene Leute für bestimmte Aspekte von dem was sie machen. Big L, Z-Ro und Juvenile hatten alle krassen Einfluss auf mich, was Flow anbelangt, aber wenn es um Visuals und so geht, bin ich glaub viel mehr ein Kind von Missy Elliot oder irgendwelchem Pop Kram. Ich bin auf jeden Fall endlos gehyped, dass es gerade so viel neuen Rap gibt, in USA mag ich gerade Bones und 6LACK.

Wie wichtig ist es für dich, in deinen Texten politisch beziehungsweise kritisch zu werden?

DiscoCtrl: Ich denke ziemlich viele meiner Tracks drehen sich um politische oder gesellschaftliche Themen oder wie auch immer es genannt wird, aber selten auf der großen Ebene sondern eher aus meiner Erfahrung heraus. Also, ich sag eher sowas wie „ich bin pleite und tue Dinge die gegen meine Überzeugung sind,“ als „der Kapitalismus zwingt Menschen ihre Würde gegen Lebensmittel zu tauschen,“ weil ich das erste halt ein Gefühl ist, dass ich auch musikalisch weitergeben kann.

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Ich denke aber, wenn du ansatzweise in der Öffentlichkeit bist, ist es wichtig dass du dich positionierst wenn es um Rassismus, Sexismus und die restlichen Schrottideen des letzten Jahrtausends geht, und das gilt doppelt wenn du ein weißer Rapper bist wie ich.

Wie kam es zu dem Albumtitel „Midnight“ und was verbindest du damit?

DiscoCtrl: Midnight“ beschreibt diesen abgekoppelten Moment, den ich nachts hatte wenn ich stundenlang im Bett gelegen habe und mich in irgendwas reinfantasiert habe während ich auf den nächsten Tag gewartet habe. Als ich älter wurde, hab ich mir dieses vereinzelte Gefühl aber auch irgendwie zum Vorteil machen können, in dem ich im Abseits mein Ding gemacht habe, woraus dann die Musik enstanden ist die ich jetzt mache.

Wie sehen deine Pläne für das restliche Jahr aus?

DiscoCtrl: Über die nächsten Wochen kommen noch ein paar richtig geile Videos raus die ich mit Benzki und der Whatever Crew in Hanoi gedreht habe, und dann mach ich noch den Rest meiner Festival Saison. yunis und ich arbeiten gerade an einer EP bei der er komplett produziert hat, 100 prozentig kommt die auch noch bis Herbst raus



Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Yason Youngblood

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