Mit „Pet Peeves“ veröffentlichte die Dortmunder Band Drens vor wenigen Tagen ihre Debüt-EP und brachte so den langersehnten Sommer in die eigenen vier Wände, in denen wir uns momentan mehr aufhalten, als uns lieb list.


Ein Artikel von Anna Fliege – Statt einen Abstecher in meine Heimat zu machen, stelle ich meine Fragen brav mit genug Abstand via Mail. Frontsänger Fabian erzählt mir im Wortwechsel, wie der Surfpunk in die Ruhrmetropole und die Jungs mit Steffen Israel ins Studio gekommen sind. Außerdem wird von Festivaltagen und kommenden Touren geträumt.


Hey, wie gehts euch? Konntet ihr mit Abstand auf euer Release anstoßen?

Fabian: Hi! Uns gehts super, danke. Das Release von „Pet Peeves“ war ein richtig schöner Moment. Das ganze Feedback und die vielen Reaktionen haben uns auch ziemlich umgehauen. Angestoßen haben wir teilweise über Videocall. Wäre natürlich schön gewesen sich einmal richtig abklatschen zu können und gemeinsam was trinken zu gehen, aber alles nicht so schlimm.

Wie ist denn aus euch überhaupt die Band Drens entstanden?

Fabian: Das war Ende 2017. Joël kam als letzter hinzu. Wir hatten gemerkt, dass wir ziemlich ähnliche Vorstellungen vom Musik machen haben und die gleichen Bands gut finden. Aus losem „lass mal im Proberaum treffen und ein bisschen Musik machen“ ist dann „ok, wir sind jetzt eine Band“ geworden. Dann ging es auch schon relativ schnell mit Konzerten.



Und wie ist der Surf-Punk nach Dortmund gekommen? Nicht grad das erste Genre, mit dem ich meine alte Heimat verbinde.

Fabian: Das stimmt, Dortmund ist nicht als Surf-Paradies bekannt. Uns geht es bei dem ganzen Surfpunk-Ding aber auch eher um die Attitüde, die Suche nach dem Ort der dir gefällt. Dortmund bietet im Schatten der „Leben und Leben lassen“-Attitüde auch viele Möglichkeiten sich diesen Ort hier zu suchen. Zum Beispiel selbstgebaute Skate-Rampen in Industrieruinen. Das Label „Surfpunk“ hatten wir dann etwas von Außen bekommen: Bei einem unserer ersten Konzerte sagte jemand, dass wir ja danach klingen würden. Wir fanden das gut und seitdem hat Dortmund eine Surfpunk-Band mehr.

Eure Texte sind ziemlich ernst, eure Musik das komplette Kontrastprogramm – ist das für euch ein Ausgleich oder eher eine Flucht?

Fabian: Eher Ausgleich. Auf „Pet Peeves“ sind Songs wie „A Very Sunny Day“ oder „Visa Visa Cash Cash“ und beide sind sehr persönlich. Ersteren singe ich, zweiteren Joël und das ist das schöne: Wir verarbeiten gemeinsam den Krempel der uns bedrückt. Ausgleich auch deshalb, weil es live für uns so intensiv ist. Wir gehen jedes Mal komplett nass von der Bühne und fühlen uns wie nach einem Halbmarathon. Das tut ziemlich gut.

Nochmal zu den Themen eurer Songs: War das eine bewusste Entscheidung? Habt ihr euch gesagt „lass uns über die Sorgen singen, wie man mit Mitte 20 hat“ oder kam das von selbst?

Fabian: Das kam schon von selbst. Wenn uns ein Thema beschäftigt gibt es wahrscheinlich auch irgendwann den Text dazu, die entstehen schon eher organisch.


„Klingt jetzt vielleicht etwas schmalzig, aber wir haben einen guten Freund dazu gewonnen und gemeinsam eine EP gemacht, auf die wir total stolz sind.“


Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Steffen Israel? Und was habt ihr daraus mitgenommen?

Fabian: Steffen haben wir auf Festivals kennen gelernt. Er teilt unseren Musikgeschmack und irgendwann war dann klar, dass wir ihn gerne dabei haben würden. Freut uns nach wie vor, dass er Bock hatte. Die Zusammenarbeit lief super zwischen allen. Klingt jetzt vielleicht etwas schmalzig, aber wir haben einen guten Freund dazu gewonnen und gemeinsam eine EP gemacht, auf die wir total stolz sind.

Ihr habt in der Vergangenheit schon einige Songs veröffentlicht, trotzdem habt ihr euch erstmal für eine EP entschieden. Was sprach gegen ein Album?

Fabian: Eigentlich nichts, außer zu wenig Zeit. Wir durften die letzten zwei Jahre so viele Konzerte spielen, dass es „nur“ für Aufnahmen zu einer EP gereicht hat. Ist aber auch alles schick für uns, das Album kommt auch irgendwann. Wir haben da auch total Bock drauf.


„Sorry dass das so lang wurde, wir vermissen es wirklich sehr!“


In Zeiten wie diesen brauchen wir alle ein bisschen Phantasie: Nehmen wir an es ist so ein richtig geiler Sommertag und ihr spielt auf einem wunderschönen Festival – wie sähe euer idealer Tag aus?

Fabian: Oh, das gefällt mir: Für uns startet das dann meist recht früh mit dem Treffen am Bus. Weil das einpacken nervt, haben wir unser Equipment am Tag davor verladen. Wir treffen uns also morgens, jeder hat einen Kaffee in seiner Hand. Es ist Samstag, also sprechen wir noch darüber wie schön Freitag war. Dann rein in den Bus und sich gegenseitig Musik zeigen, die man entdeckt hat. Bei der Ankunft natürlich eine große Begrüßungsrunde. Es ist immer schön Leute zu treffen die man bereits kennt und neue kennen zu lernen. Dann gerne eine Runde an den Kicker mit befreundeten Bands. Nach der 10:1 Niederlage geht es dann eine Runde über das Festival-Gelände, um Atmosphäre mitzunehmen. Irgendwann Aufbau und zu viert vorbereiten: Alle haben mittlerweile großen Bewegungsdrang, weil die Nervosität steigt. Dann auf die Bühne und die schönste Zeit des Tages erleben. Danach komplett durchnässt ein Bier gemeinsam trinken und sich darüber freuen, wie schön denn die Welt bitte sein kann. Anschließend ein trockenes T-Shirt an, alles abbauen und dann selbst noch so viele Konzerte wie möglich sehen. Die After-Show Party dann mit allen anderen Bands und Leuten vom Festival genießen und irgendwann glücklich und müde ins Bett fallen. Im besten Fall steht am nächsten Tag wieder ein Konzert an. Sorry dass das so lang wurde, wir vermissen es wirklich sehr!

Vermutlich hat euch jeder die Frage schon gestellt, aber wenn ihr mit dem EP-Namen auch so eine Steilvorlage liefert….was sind eure „Pet Peeves“? Und wie habt ihr gelernt, mit ihnen Frieden zu schließen?

Fabian: Auf der Platte geht es viel darum, dass man sich selbst im Weg steht, oder sich zu großen Druck macht. Es ist nicht so leicht, aber es tut gut die eigenen Ecken und Kanten zu akzeptieren. Es ist ok, wenn der eigene Weg nicht so geradeaus verläuft, wie möglicherweise bei anderen.

Wie geht es für euch weiter? Wie vertreibt ihr euch die Zeit in den nächsten Wochen und Monaten?

Fabian: Wir träumen von der Tour, die im November und Dezember ansteht. Das wird die Tour zu „Pet Peeves“. Sich darauf zu freuen hilft sehr dabei den Kopf nicht hängen zu lassen. Hoffentlich lässt Corona die Welt bald in Frieden, sodass auch Bands, Clubs und Festivals wieder etwas aufatmen können. Ansonsten werden wir die Zeit zum Musik schreiben nutzen und uns Demos hin und her schicken.



Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Leonie Scheufler