Es war längere Zeit still um die einstigen Gewinner des hoch angesehenen New Music Awards. Nach zwei Alben in den Jahren 2012 und 2015 verschwanden Exclusive erst einmal von der Bildfläche – bis jetzt. Album Nummer 3 heißt „Lieder für die Autobahn“ (REVIEW) und könnte der zweite Frühling sowie der wirklich große Durchbruch der Münchener Sandkastenfreunde werden.

Ein Artikel von Anna Fliege – Im Wortwechsel stellt sich der Band der Frage, wieso das Album eigentlich so verdammt lang ist, wie sich die deutsche Musiklandschaft während ihrer Abstinenz entwickelt hat und ob es den Fischen aus dem „Ozeanblau„-Video gut geht. Obendrein gibt es auch noch Tourdates!


Wie geht es euch? Und vor allen Dingen: Wo wart ihr denn so lange?

Exclusive: Uns geht es super, danke! Ja, wir waren einige Zeit weg das stimmt, nach der ganzen Musik und Konzerten etc., die wir zwischen 2012 und 2015 gemacht hatten, wollten wir mal ein bisschen Abstand gewinnen von unserer eigenen Musik und sind dann erst wieder 2017 ins Studio gegangen, haben 2018 alles vorbereiten und jetzt ist „Lieder Für Die Autobahn“ plötzlich da. Das ist ein ganz normaler Prozess aber wir haben Bock und diesmal werden wir nicht so lange auf das nächste Album warten lassen, versprochen.

Der Name „Lieder für die Autobahn“ brennt sich direkt ins Gedächtnis ein. Was steckt hinter dem Albumtitel?

Exclusive: Der Name ist entstanden in Anlehnung an die Mixtapes, die man damals aus gebrannten CDs für Freunde, noch schnell vor den Sommerferien, gemacht hat. Für die langen Fahrten nach Italien und so. Nachdem das Album auch musikalisch Mixtape Charakter hat, fanden wir der Name trifft es gut. Ausserdem ist die Autobahn auch schon eine deutsche Marke für sich; den Begriff kennt man ja international, das fanden wir auch spannend.


„Das ist zugegeben mehr ein Experiment, da man beim heutigen, schnellen Musikkonsum gar nicht weiß, ob die Menschen sich überhaupt die Zeit nehmen, sich das alles anzuhören.“


Mit 19 Tracks ist das Album ungewöhnlich lang – wie kommt’s?

Exclusive: Wir fanden es fresh auch mal als „klassische“ Band so ein langes Album zu droppen, das ist in letzter Zeit ja eher eine Sache die fast nur im Hip Hop stattfindet. Das ist zugegeben mehr ein Experiment, da man beim heutigen, schnellen Musikkonsum gar nicht weiß, ob die Menschen sich überhaupt die Zeit nehmen, sich das alles anzuhören. Andererseits ist es schon geil eine Doppel-Vinyl rausbringen zu können!

Die „Repeat Infinit“-Interludes sind dann doch überraschend – was steckt hinter der Idee?

Exclusive: Beni, unser Gitarrist hatte die Idee, inspiriert von dem Songs For The Deaf Intro von Queens Of The Stone Age. Die Idee hat natürlich in dem Autobahn Kontext Sinn gemacht; quasi eine Radio Show, die den Hörer durch die Platte begleitet. Wir haben mit „Sugar Rock Radio“ also unseren eigenen imaginären Radiosender.

Könnt ihr ein bisschen vom Albumprozess erzählen? Wie und wo und mit wem und wieso eigentlich?

Exclusive: Wir haben den größten Teil in München mit den Jungs von COW aufgenommen. Es sind aber auch einige Lieder von Sessions mit Steddy in Berlin auf dem Album wie zum Beispiel Ketten und Shawney. Beni wohnt ja inzwischen in Barcelona und Jani, unser Synth-Boy, in Berlin, so sind natürlich auch neue Einflüsse und Inspirationen dazugekommen und da hat es sich einfach richtig angefühlt in dem Moment das Album zu schreiben. Neu und sehr positiv war auch, dass wir diesmal den gesamten Prozess in unserer Hand hatten und eigentlich auch alles drum herum mit Freunden gemacht haben; von Artwork, über Videos bis zu Bühne. Da haben wir eine große Kreativ-Familie in München gewonnen, über die wir sehr dankbar sind.



Nachdem ihr vor einigen Jahren schon Erfahrungen sammeln konntet – macht ihr jetzt bewusst etwas anders?

Exclusive: Also musikalisch entwickelt man sich ja zwangsläufig weiter. Da haben wir gerade durch Markus, unseren Bassisten, der ja inzwischen auch ein eigenes Studio betreibt einiges an technischem Know How hinzugewonnen. Und auch Chris, unser Schlagzeuger, hört wirklich nie auf besser an seinem Instrument zu werden. Aber natürlich auch in Hinblick auf das „Business“ dahinter haben wir inzwischen einige Lektionen gelernt und kommen inzwischen um den einen oder andern Fail herum.

Gibt es etwas, das ihr euerm 2012-Ich heute gerne sagen würdet?

Exclusive: Lol. Nein.


„Die Österreicher waren da toll die letzten Jahre, aber auch Bands wie AnnenMayKantereit sind durch ihre ehrlichen Ausdruck inspirierend.“


Wie habt ihr den Wandel der deutschen Musiklandschaft in den letzten Jahren wahrgenommen? Gibt es da Künstler, die für euch herausstechen? Und euch vielleicht sogar inspiriert haben, wieder ein Album aufzunehmen?

Exclusive: Der Wandel ist natürlich brutal, vor allem in Hinblick auf die Quantität deutscher Musik im heutigen Markt. Über die Qualität sagt das noch nicht viel. Aber es gibt natürlich super Bands und Künstler heute die Deutsch in der Musik wieder stark nach vorne bringen. Die Österreicher waren da toll die letzten Jahre, aber auch Bands wie AnnenMayKantereit sind durch ihre ehrlichen Ausdruck inspirierend. Clemens Löffelholz, mit dem wir schon auf der Schule waren und der ja für einen großen Teil dieser „neuen Garde“ die Bühnen konzipiert, hat da zum Beispiel auch in punto Live-Produktion Deutschland nach vorne gebracht. Das ist schon fett!

Ich hoffe, es geht den Fischen aus euerm „Ozeanblau“-Video gut? Wie war der Dreh?

Exclusive: Ja, denen geht es gut! Die leben jetzt alle im Gartenteich der Oma unseres Sängers Fabi. Der Dreh war intensiv. Beni, der unsere Videos produziert, war ein paar mal am Rande des Wahnsinns, zum Beispiel als wir erst am Set, klug wie wir sind, festgestellt haben, dass der menschliche Körper ja Unterwasser nach Oben treibt. Da haben dann nur Sandsäcke geholfen, die wir um Fabi geschnallt haben. Sieht man aber nicht!



Jetzt, wo das Album draußen ist, fragen wir uns natürlich alle: Wann macht ihr die Autobahnen des Landes unsicher, um auf Tour zu gehen?

Exclusive: Da gibt es eine konkrete Antwort: Im Herbst 2019 gehen wir auf die „Touring The Autobahn 2019“ Tour in den großen deutschen Städten.


24.09.2019 München, Strom
25.09.2019 Nürnberg, Club Stereo
26.09.2019 Berlin, Maze
27.09.2019 Hamburg, Molotow SkyBar
28.09.2019 Köln, MTC



Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Marco Fumolo