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Im Wortwechsel mit FENG SUAVE | Der Isolations-Ratgeber

Im Wortwechsel mit FENG SUAVE | Der Isolations-Ratgeber

Die Isolation trifft uns alle, auch unsere Lieblingsbands. Mit der vorangeschrittenen Zeit in den eigenen vier Wänden schwinden die Punkte auf der To Do-Liste so langsam und selbst die Steuererklärung ist schon abgeschickt (bei fast allen zumindest). Mit Feng Suave habe ich ein paar neue Ideen für #stayathome gebrainstormt.


Ein Artikel von Anna Fliege – Das niederländische Indie-Duo Feng Suave erreichte mit ihrer selbstbetitelten Debüt-EP 2017 so manches Herz, die Single „Venus Flytrap“ stand dem in Nichts nach. Nun, inmitten eines auf dem Kopf stehenden Jahr 2020 veröffentlichen Daniel und Daniel im Juni ihre zweite EP „Warping Youth„.

Gemeinsam haben wir uns im Interview ihre Diskografie vorgenommen und über das Leben in der Selbstisolation gesprochen. Nützliche Tipps zu Pflanzenpflege und -konsum, ehrliche Beichten (die Steuererklärung), geplatzte Träume und den Silberstreif am Horizont gibt es im folgenden Wortwechsel.


Zunächst einmal: Wie geht es euch? Wie verbringt ihr eure Zeit in der Isolation?

Feng Suave: Wir verbringen unsere Zeit damit, Musik zu machen und zu hören, zu versuchen, inneren Frieden zu finden und hart daran zu arbeiten, eine Art Routine in unserem täglichen Leben aufrechtzuerhalten.

Jetzt ist wirklich genug Zeit, um endlich mal Musik zu hören. Und da laufen natürlich auch eure Tracks in Endlosschleife, während man aus dem Fenster schaut. Aber ehrlich gesagt beginnt nach ein paar Wochen zu Hause die Ahnungslosigkeit, und man fragt sich, was man mit all der Zeit anfangen soll. Wir brauchen also eure Hilfe und Inspiration!


„Sex haben, weinen, emotional eating oder ein Bad nehmen.“


Was kann man am besten während „Sink into the Floor“ tun?

Feng Suave: Sex haben, weinen, emotional eating oder ein Bad nehmen.

„Toking, Dozing“ ist naheliegend, aber wie dem auch sei – gibt es irgendwelche Profi-Tipps von euch?

Feng Suave: Roll it, light it, smoke it. Sei dir bewusst, dass du nur eine einzige Person im großen Ganzen bist, und finde Trost darin, zu wissen, dass nichts wirklich wichtig ist, du eingeschlossen.



Wofür könnt Ihr euch mit „Honey, There’s No Time“ motivieren – denn, Honey, es bleibt jede Menge Zeit!

Feng Suave: Wenn du in diesen Zeiten nicht arbeiten kannst und zu Hause sitzt, nimm dir zuerst die Zeit, die du hast, um zu sehen, ob es möglich und notwendig ist, dass du dich um die Menschen um dich herum kümmerst. Wenn nicht, tue das, von dem du immer gesagt hast, dass du es versuchen willst. Ich probiere jetzt Yoga aus und lerne Klavier spielen. Ich hatte nie wirklich die Geduld, eines dieser Dinge zu tun, aber Langeweile ist eine große Motivation.

Wie bringt ihr euern stornierten Urlaub zu euch nach Hause, wenn man gerade nicht „By The Poolside“ sein kann?

Feng Suave: Du musst nicht unbedingt versuchen, dies zu einem Urlaub zu machen, aber du kannst es als eine Gelegenheit sehen, aus deiner Komfortzone herauszutreten und dich zu bemühen, etwas Gutes für den Planeten um dich herum zu tun. Recycle , iss ein bisschen weniger Fleisch oder noch besser, iss überhaupt kein Fleisch. Mach einen Spaziergang (wenn du nicht drinnen bleiben musst, wie wir), iss etwas Grünzeug, genieße Dinge, die im Leben natürlich sind. Die Menschen haben mehr Vögel gehört und mehr über sie gelernt. Es sind diese kleinen Dinge, die diese Zeit erträglicher machen können.

Irgendwelche Tipps, um die Zimmerpflanzen am Leben zu erhalten? Eine „Venus Flytrap“ zum Beispiel?

Feng Suave: Besorg dir einen Luftbefeuchter, wenn die Luft in deinem Haus dazu neigt, ein wenig trocken zu werden. Gib ihnen viel Liebe und Wasser und behandle sie in dem Wissen, dass sie am Leben sind und du die Verantwortung hast, dich um sie zu kümmern.

Trotz der Quarantäne gibt es Dinge, die ich seit Wochen vermeide – zum Beispiel meinen Keller aufzuräumen. Zu welchen Aufgaben sagt ihr immer noch: „Maybe Another Time“?

Feng Suave: Eigentlich zu nichts. Hier drüben packen wir das Leben bei den Hörnern. Aber ich schätze, ich muss immer noch meine Steuern machen und vielleicht noch etwas mehr trainieren.


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In „Noche Oscura“ singt ihr über das Träumen. Wovon träumt ihr gerade? Habt ihr konfuse Träume wie viele andere seit Beginn der Isolation?

Feng Suave: Hier gibt es keine verwirrenden Träume. Wie meine Tage waren auch meine Träume in letzter Zeit nicht so aufregend. Eine aufregende Sache, von der wir träumen, ist die Tour, die wir absagen mussten, was wirklich scheiße ist. Wir wollten nach Mexiko fahren und danach fast ganz Westeuropa sehen. Wir wären jetzt gerade unterwegs gewesen, also wandern unsere Gedanken oft umher und wir denken darüber nach, was wir verpassen.

Ich bin sicher, ihr fühlt im Moment ähnlich wie ich. Man ist frustriert, dass man einige Dinge für selbstverständlich gehalten hat. Oder, noch schlimmer, man hat es überhaupt nicht wahrgenommen. Darum geht es auch bei eurer neuen Single „I’m Warping Here“. Könnt Ihr eine Sache/Situation nennen?

Feng Suave: Eines der Dinge, die ich von einer Zeit vor dieser Quarantäne vermisse, ist, einfach den Zug zu nehmen und aus dem Fenster zu schauen, auf dem Weg zu jemandem zu sein, den man liebt, und sich darauf zu freuen, ihn zu sehen.



Und schließlich natürlich die große Frage: Was werdet ihr als erstes tun, wenn das alles vorbei und die Welt hoffentlich wieder „normal“ ist?

Feng Suave: Normalerweise sind wir nicht das Partyleben, aber wenn das vorbei ist, freuen wir uns darauf, einen Drink zu nehmen und in den „Party-Modus“ zu wechseln, was immer das bedeutet. Was wir aber wahrscheinlich noch mehr vermisst haben, sind die vielen Besuche in unserem Lieblings-Coffeeshop „de overkant“. Einfach nur einen Kaffee trinken und mit ein paar Fremden in einem Raum zu rauchen, ohne Angst vor einem Virus zu haben, wäre eine nette Ergänzung zu unserer Woche.


Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Max D’orsogna

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