Flo Mega ist zurück! Obwohl eigentlich war er nie so ganz weg und trotzdem meldete er sich mit einem BÄMS! im April zurück. Was folgte ist eine ausgiebige Tour und vor allem begeisterte Fans, die den Bremer tief in ihr Herz mit viel Funk geschlossen haben.

Ein Artikel von Nina Paul – Auf der BÄMS! Tour 2019 ergab sich das Glück im Musiktheater Piano in Dortmund den Musiker vor seiner Show zu treffen und über die Tour, das aktuelle Album und das Leben zu sprechen.


Du warst lange nicht auf Tour. Wie ist es für dich wieder live unterwegs zu sein?

Ja, das ist meine Arbeit! Da bin ich in meinem Element und da fühle ich mich auch extrem. Für jemandem, der Musik macht, ist es das Beste auf Tour zu sein.

Wie war die Tour denn bisher?

Joa, in großen Städten gut besucht. In den kleineren nicht so. Aber grundsätzlich geht es nicht darum. Na gut schon, man muss ja was essen.

Aber im Großen und Ganzen haben wir eine Show, die gut funktioniert und das ist die Hauptsache. So war es überall gut und natürlich gab es Highlights. In Köln, wie in Hamburg, immer großartig. Bremen, na klar auch, eben Heimatstadt.

Aber auch kleinere Städte, wie Kaiserslautern, haben mich völlig wegeblasht und Wien war einfach göttlich. Da gab es eine ganz andere Feierhaltung, die feiern irgendwie reifer.

Mich überraschte es, dass du hier in Dortmund im Piano spielst und nicht eher in der Stadtmitte?

Hier spiele ich sehr oft. Ich spiele die Läden, die für mich gut gehen. Das Album kam spät heraus und ich bin in meiner Nische, das ist auch gut so. Das nächste Mal darf es natürlich mehr werden, bis 500 oder über 1000 Besucher pro Abend.

Ich liebe diese Art von Lokalitäten und dieses Ambiente sehr …

Ja, ich liebe das hier. Hier ist die Zeit stehen geblieben. Man findet hier noch richtiges Ruhrgebiet vor, mit schön Jugendstil und allem.

Zurück zu deinen Anfängen. Du hast mit Hip Hop angefangen. Jetzt machst du eher einen Mix aus Soul und Funk.

Ja, schon lange.

Hörst du überhaupt noch aktuellen Hip Hop oder eher eben Soul etc?

Ich höre eher so phasenweise. Auf Tour habe ich da etwas die Macht und spiele dann, wenn ich vorne sitze, alles. Von Hermann van Veen, OC, Onyx, Lambchop, alles.

Du hast mit BÄMS! ein großartiges neues Album veröffentlicht. Warum hat dies so lange gedauert, zwischenzeitlich gab es ja noch zwei EPs von dir?

Ja, ich brauchte Zeit für mich. Manchmal muss man die Zeit vergessen.

Textlich ein sehr interessantes Album. Gab es für dich hierzu irgendwelche spezielle Inspirationen?

Ich habe mich in der modernen Musikwelt umgehört, nicht aber als Konsument, sondern eher als Student. Neue Strömungen studiert, Herangehensweisen.

Man erkennt deutlich, dass du auch mit neuen Sounds spielst, mehr elektronisch.

Ja, das ist aber auch so nichts neues. Genau wie der Retro-Soul nichts neues bei mir ist. Früher habe ich alles durcheinander gemacht.

Freunde, die mich noch von früher kennen, haben gesagt, das ist eher so wie du ganz früher warst. Schon näher an meinem Selbst dran.

Ich hatte gelesen, das ist jetzt wieder der Flo Mega, wie man ihn von früher kennt. Back to the roots.

Ja, es war schon immer eine freie Musik mit meiner Signatur. Und Soul ist auch ein Genre, auch geil. Aber ich will eigentlich nicht richtig in dieses Korsett. Weil dann hast du immer diese Aufgabe den „Soulman“ abzuliefern. Ich bin wie ich bin.

Ich mache jetzt aber auch andere Sachen, die zu dem Strukturwandel passen, weil es sich ja auch stark geändert hat, wie man mittlerweile Musik konsumiert.

Wie kam es zu deinen Features auf dem Album?

Ich bin mit Bo ( Das Bo / u.a. Fünf Sterne deluxe) schon lange befreundet. Der hat mir ein Chameo eingesprochen. Fantas (Die Fantastischen Vier) habe ich in Essen bei einer Show kennengelernt, als ich für Seven eingesprungen bin.

Klar, ich brauche Features um wieder hochzukommen und da bietet es sich ja an, die Leute zu fragen, zu denen man einen Draht hat. Und Fanta 4, wer hat sie nicht 1992 gehört, eben der erste deutsche Rap.

Man hört auch raus, wie die Fantas deinen Sound und speziell den Song F.U.N.K beeinflusst haben.

Ja, ihre Art zu sprechen, zu schreiben. Wenn ich da an „Individuell“ von Smudo denke, was eine Burner-Oldschool Nummer ist. Auf so einem Level war deutscher Rap damals nicht.

Danke für das Wort „Arschlochengel“! Gibt es für dich denn überhaupt eine Lieblingszeile oder Song auf dem neuen Album?

Bei Arschlochengel auf jeden Fall der Chours.

Aber so Sachen wie: „Ich wurde rot, sie wurde grün, komplementär, doch niemand hat umgerührt.“ Das ist schon eine schöne Zeile / Metapher für eine Liebesbeziehung, die auf Ego basiert. Sowas kennen wir ja auch alle. Manchmal braucht man einen Arschlochengel, um zu seinem Bewusstsein zu finden.

Dieses Wort hat ursprünglich mal eine Freundin gesagt, welches ich dann so bienenmäßig gerettet habe, bevor es dann für ewig weg ist.

Du hast für Werder Bremen mal ein Lied geschrieben (Video). Ich weiß, du bist eigentlich kein so großer Fußballfan. Nun bist du heute hier in einer Fußball- und Bierstadt …

Ja … Ich weiß, dass Menschen Beziehungen wollen und sich aufeinander beziehen. Mit Fußball hat man so eine Thematik, über die man sich austauscht und teilt. Ist leicht zugänglich.

Ich selber bin ja eher so ein Legastheniker, wenn es um Sachen mit Tabellen und Zahlen geht und dieses dann im Auge zu behalten, betrifft.

So gesehen ist es für mich eher meine Kindheit, die war neben dem Stadion bei meinen Großeltern. Und das war dann auch eher so eine Family, wie ihr es hier im Pott kennt. Mit Heißmangel, Omas im Haus, Onkel. Natürlich gab es auch da Fußballposter, der Jonny (Otten) war da eben auch mit drauf. Den fand ich als Kind cool.

Wenn dann ein Spiel war, saßen wir alle im Garten und schauten Fußball. Du sitzt dazwischen und freust dich, dass die Männer in diesem Fall alles im Griff haben. (lacht) Naja, in diesem Fall Männer. Du sitzt dazwischen und fühlst dich sicher. Aber ich habe von Fußball so nicht die Ahnung. Da ist es vielleicht für jemanden blöd, der sich damit (SVW) sehr stark identifiziert und denkt, ich werde dem nicht gerecht. Aber das muss jeder für sich selber herausfinden, ob es jemand blöd findet, nur weil er nicht so die Ahnung hat, aber ein starkes Gefühl oder Philosophie vermittelt, die dem Verein auch gut tut.

Hast du noch einen Spruch zum Schluß?

Meine Message momentan an alle ist: Überlegt, wie ihr auf das Leben zu geht, denn das Leben wird immer so reagieren, wie du bist – Das Leben hat eine eigene Intelligenz!


Foto: Florian von Besser