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Im Wortwechsel mit FLORENCE ARMAN

Im Wortwechsel mit FLORENCE ARMAN

Florence Arman war bereits jahrelang als gefragte Songwriterin in der Musikwelt unterwegs, nun startet sie mit ihrer Debüt-EP „Out Of The Blue“ ihre großartige Solokarriere. Im Wortwechsel hat sich die Wahl-Wienerin mit Anna über ihren „neuen“ Job, ihren Plan B und die britische Mentalität inklusive Tee-Anleitung unterhalten.

Florence, wie geht es dir seit dem EP-Release? Das war sicher ein großer Meilenstein für dich?

Florence Arman: Ich hatte am Anfang ein bisschen Angst, nach dem Release das Gefühl zu haben, nichts mehr zu tun zu haben, plötzlich ohne Arbeit dazustehen – aber es passiert tatsächlich ziemlich viel. Ich schreibe schon neues Material für eine zweite EP, da tut sich gerade sehr viel.

Und jetzt fangen auch wieder Live-Shows an. Das heißt, es gibt extra viel zu tun und zu organisieren und zu checken. Macht total Spaß, dass es jetzt wirklich weitergeht.

Ich finde es so wichtig, einen Ausblick zu haben, nachdem ein Teil eines Projektes abgeschlossen ist – ich persönlich falle sonst immer in ein tiefes Loch.

Florence: Total, geht mir genauso! Ob nach der Schule, dem Studium oder auch jetzt dem EP-Release: Ich dachte mir jedes Mal “scheiße, was passiert jetzt? Ich hab nichts mehr zu tun, Alarm!”

Du bist schon länger als Songwriterin und Feature-Artist aktiv – wie ist das für dich, jetzt so uneingeschränkt im Mittelpunkt zu stehen?

Florence: Es ist ganz anders als ich mir vorgestellt hätte. Irgendwie dachte ich ja, es wird gleich weiterlaufen wie sonst auch, nur, dass ich vielleicht mal ein zwei Interviews machen werde. Aber es ist echt verrückt. Es ist einfach ein komplett anderer Beruf. irgendwie so früh hab ich halt. Das war auch extrem cool, eigentlich und sehr dankbar, dass ich einfach Songs geschrieben hab.

Wenn ich früher Songs mit anderen zusammen geschrieben habe, war das auch sehr cool und ich bin sehr dankbar dafür, aber ich bin danach einfach nach Hause gegangen, habe nicht drüber nachgedacht und dann wurden sie releast oder auch nicht, aber ich hatte nichts mehr damit zu tun.

Zusätzlich gibt es so viele Sachen wie Musikvideos planen, einen Director finden, einen Releaseplan aufstellen, eine Band zusammenstellen – ich habe lange gar nicht darüber nachgedacht, dass ich die Songs wahrscheinlich irgendwann auch mal live spielen werde.

Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich meine Vision durchbringen kann beim Songschreiben. Wenn man mit anderen Leuten zusammen schreibt, gibt es immer so viele Kompromisse, die man eingehen muss. Was einerseits schön ist, wenn man kollaborieren und neuen Ideen zuhören kann, aber es ist schon auch sehr cool, wenn man einfach das machen kann, was man selber will.

Bei meinen Song Ich hab nicht das Gefühl, dass ich nicht davon abhängig bin, Sessions zu machen oder mit anderen zu schreiben. Das ist schon cool, ich fühle mich selbstständig und finde das voll angenehm.

Du hast zum Release auf Instagram geschrieben, dass du nie gedacht hättest, in der Musik Fuß zu fassen, was ich irgendwie von außen betrachtet völlig absurd fand, weil ich dachte: Du hast schon so viel coole Sachen gemacht und kommst aus einer sehr musikalischen Familie. Kannst du das näher erklären?

Florence: Das war tatsächlich so, weil ich aus einer musikalischen Familie komme – aber ich bin die Jüngste, die Nachzüglerin. Und so war ich die letzte Hoffnung meiner Eltern, dass ich noch einen echten Beruf ausüben könnte. Meine älteren Brüder sind Musiker und der größte Traum meiner Eltern war, dass ich in die Politik gehe oder irgendwas Wissenschaftliches, Intelligentes mache.

Und dann haben sie ihr letztes Kind auch noch an die Musik verloren. Und dann auch noch Popmusik. Skandalös! Aber jetzt supporten sie mich total, aber es war am Anfang schon ein kleiner Schock.

Hattest du einen Plan B?

Florence: Ja voll! Ich hatte voll viele Interessen und Millionen Sachen, die ich machen wollte, die nicht Musik waren. Zuerst habe ich Kindergarten.Pädagogik studiert und auch ein paar Jahre im Kindergarten gearbeitet.Danach habe ich Psychologie, Philosophie und Englisch auf Lehramt studiert, weil ich am Gymnasium unterrichten wollte.

Aber irgendwie hat es mich dann immer zur Musik getrieben und ich dachte erst, ich könnte das nebenher machen. Aber irgendwann kam eine Sache zur anderen und ich habe plötzlich Vollzeit Musik gemacht. Das war immer das, was ich wirklich machen wollte – aber ich habe einfach nicht wirklich dran geglaubt, dass ich das auch machen kann.

Du hast einen britischen Pass und wirst somit natürlich auch als britische Künstlerin betitelt, hast aber die meiste Zeit deines Lebens in Deutschland und Österreich verbracht – fühlst du dich trotzdem britisch?

Florence: Schon. Ich glaube, es hat viel mit der Mentalität zu tun. Und ich identifiziere mich nicht wirklich mit der österreichischen oder mit der deutschen Mentalität so sehr wie mit der Englischen.

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Das ist das, was mich mein Leben lang umgeben hat, was meine Familie mir beigebracht hat. Deswegen ist es für mich das, was sich am meisten nach Identität anfühlt. Es sind Werte und Eindrücke, vor allem nehmen die Werte im Umgang miteinander. Das hat mich geprägt, darin liegen meine Wurzeln. Ich bin viel herumgezogen, war nicht wirklich mein ganzes Leben an einem Fleck. Deswegen habe ich nie irgendwie wirklich „Wurzeln geschlagen“.

Das mit der Mentalität verstehe ich komplett – da unterscheiden sich die Briten ja seeeehr von Deutschen und Österreichern…ich verbringe total gerne viel Zeit in UK und bin jedes Mal wieder erschüttert, wie unfreundlich die Menschen sind, sobald ich wieder in Deutschland ankomme.

Florence: Ja!

Und dann war ich das erste Mal in Wien….und wusste: Es geht NOCH unfreundlicher.

Florence (lacht): Das ist schlimm, oder? Fällt mir auch immer wieder auf. Unfreundlich trifft es wirklich gut. Es ist auch ihr Humor, der ist hier einfach extrem gemein. Ich plane auch wieder nach London zu ziehen. Das wollte ich eigentlich schon letztes Jahr machen, dann kam die Pandemie. Aber ich habe es auf jeden Fall noch vor.

Apropos Großbritannien, ich habe in deinem Fact Sheet gelesen, dass du wie ich großer Fan von PG Tips bist und da fand ich dich direkt noch sympathischer, weil es zu wenige Menschen gibt, die diesen Tee feiern!

Florence: Es ist wie Muttermilch für Erwachsene! Wenn du hier Tee bestellst, geben sie dir eine Schale mit lauwarmem Wasser und der Tee schmeckt sowieso nach Badewasser…und dann sollst du selbst dieses Badewasser in die lauwarme Schale tunken. Kein Wunder, dass Leute nicht verstehen, wieso wir so gerne Tee trinken. 

Das Internet ist voller Kontroversen, wie man Tee richtig zubereitet…

Florence: Ganz, ganz klar! Man muss das kochende Wasser über den Teebeutel kippen. Und danach Milch und Zucker, aber man kann optional auch, wenn man es eilig hat, den Zucker bereits mit dem Teebeutel reingeben. Aber niemals die Milch zuerst!

Da gelingt mir der Tee auch gar nicht…ich weiß nicht, wie Leute das anstellen, die die Milch sofort reinkippen?

Florence: Auch zu viel Milch ist nicht gut. Wenn das passiert, musst man den Tee wegschütten und neu anfangen.

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