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Im Wortwechsel mit GOLDROGER

Im Wortwechsel mit GOLDROGER

Als ich gestern Abend mit Sebastian alias Goldroger telefoniere, erzählt er mir glücklich über das gerade veröffentlichte Update zu den Lockerungen der Corona-Beschränkungen in NRW (Liebe Grüße an Armin Laschet). Dabei sitzt er in seinem Studio in Köln und trinkt Orangensaft.


Ein Artikel von Carla Rosocha – Wir sprechen über „Diskman Antishock II“, ob es okay ist, sich an den Tränen verflossener Liebschaften zu bereichern und ob ihm mit „Uu“ der Spagat zum deutschen Pendant zu Snoop Doggs ‘Sensual Eruption’ gelingt. Außerdem verrät er, wer ihn für A$AP Rocky versetzt hat.


Übermorgen kommt das neue Album, freust du dich? Bist du aufgeregt? 

Goldroger: Ein Großteil der Songs ist ja schon draußen. Zehn von vierzehn, zu denen ich bisher gutes Feedback erhalten habe. Aber vielleicht finden die Leute ja noch was zu kritisieren in den letzten vier Songs. Ich bin auch gespannt, wie die Leute Songs wie Gallagher, oder Uu finden, die nochmal ganz anders sind als die, die bisher rauskamen. Mal sehen, was dazu für Feedback kommt. Ich glaube, bei Parabelflug und Stromkreis ist relativ sicher, dass die schon ihre Hörer finden.

Was war der Gedanke, das Ganze in zwei Teilen herauszubringen?

Goldroger: Ich hätte auf keinen Fall 2019 noch das ganze Album rausbekommen. Weil wir aber schon eine Tour gebucht haben, wollte ich unbedingt vorher noch ein Release rausbringen und auch mehr als nur zwei Singles. Das andere Gefühl, das ich hatte, war, das Songs untergehen können. Das ist ja ein bisschen das Ding, dass Leute nicht mehr so die Aufmerksamkeitsspanne haben. Ich dachte, es ist vielleicht cool, das auf zwei kleinere Teile zu reduzieren.


„Corona hat mir gerade die Laune am Musikmachen versaut. Vielleicht fange ich erst noch ein anderes Album an. Und irgendwann kommt Diskman III.“


Was ist mit dem sagenumwobene dritten Teil, von dem immer wieder gesprochen wird?

Goldroger: Ich weiß nicht. Vielleicht wenn ich die Laune catche, direkt jetzt danach und nicht erst irgendwann. Corona hat mir gerade die Laune am Musikmachen versaut. Vielleicht fange ich erst noch ein anderes Album an. Und irgendwann kommt Diskman III. Dann aus dem nichts, das finde ich auch ganz geil. Oder halt doch als nächstes Album…

Also du bist da spontan und willst dich nicht festlegen, setzt dich da nicht unter Druck?

Goldroger: Doch, aber ich habe gemerkt, das bringt nichts. Ich muss es nehmen wie es kommt. Und gerade will es einfach nicht, es fühlt sich wie ein Zwang an. Ich fand die ersten beiden Teile so gut, dass ich es mir auch nicht zerschießen will. Der Fehler war tatsächlich es von vornherein so großkotzig anzukündigen.

Du bist sehr offen und sehr persönlich in deinen Texten. Bist du nervös, wenn du Songs wie ‘Wie Leicht’ oder ‘Horcrux’ rausbringt?

Goldroger: Ja schon. Die Entscheidung, das zu teilen habe ich ja dann schon getroffen, sobald ich den Song aufnehme. Von daher stelle ich es nicht mehr grundlegend in Frage, ob das eine gute Idee war. Die Neugier auf das Feedback bei solchen Songs und wie es mir dann mit der Veröffentlichung geht, wenn der Song wirklich draußen ist, ist natürlich größer, als bei Kalkulation, wo es nicht gerade um mein Seelenleben geht.



Es geht bei Wie Leicht und Horcrux ganz offensichtlich über Girls, oder ein Girl. Kriegt man dann auch Feedback von der Seite?

Goldroger: Ich habe sie tatsächlich bei den Songs vorher gefragt, ob dies und jenes okay ist. Vielleicht findet sie es nicht so cool, dass Leute, die sie auch kennen dann wissen, dass sie gemeint ist. Ich dachte das ist sonst super unangenehm, wenn der Song rauskommt und sie dann sagt ‘Ey, du dummer Wichser, was soll die Scheiße?’. Ich find es einfach fair, das vorher abzuklären. Bevor dann ein Song wie Pocahontas von AnnenMayKantereit rauskommt. Auf einmal verfolgt er dich überall und dich quatschen Leute an: ‘Hey, bist du diese Pocahontas?’. Und du wusstest gar nicht, dass das kommt. Du hast vielleicht gerade schon längst abgeschlossen mit der Sache. Deswegen wollte ich zumindest, dass es nicht aus dem Nichts kommt.

Denkst du, dass deine Musik besser ist, wenn du traurig bist, verletzt bist oder, dass du dann besser schreibst?

Goldroger: Ich schreib dann halt andere Songs. Ich habe das Gefühl, dass es sich bei der Mucke die wir bisher gemacht haben, die Waage hält. Es ist jetzt nicht nur Emoshit. Da sind auch ein paar Songs die ein bisschen heller sind, von der Stimmung her. Es ist jetzt auch nicht zwangsläufig, dass die traurigen Songs die sind, die am besten gestreamt werden. Ich finde die Songs, die ich als traurig beschrieben habe, persönlich schon besser, aber die werden jetzt nicht besser rezipiert. Was vielleicht auch ganz gut ist, weil sonst komme ich vielleicht in einen Strudel, dass ich nur noch traurig sein dürfte, um Musik zu machen. Ich bin froh, dass es sich die Waage hält und dass ich auch glücklich inspiriert werde. 


„Dann denke ich, es ist ein ganz schöner Arschlochmove, ich verdiene ja auch Geld mit dem Song.“


Du sagst ja auch selber in dem Song Horcrux, Ist es okay sich an deinen Tränen zu bereichern? Was ist der Entschluss dazu?

Goldroger: Das Ganze ist ja auf ihre Tränen bezogen, weil ich einen Song darüber gemacht habe, wie ich Schluss gemacht habe. Dann denke ich, es ist ein ganz schöner Arschlochmove, ich verdiene ja auch Geld mit dem Song. Für sie war ja überhaupt nichts Positives in dem Moment, aber ich sitze da und mache auch noch Knete damit, das ist schon ekelhaft. Aber anscheinend nicht so ekelhaft, dass ich den Track nicht rausgebracht hätte. Also muss ich mich da schon selber hinterfragen. Aus dem Moment heraus kam dann auch die Voldemort Idee, ich habe mich gefühlt wie ein Monster. Und da kam das eine zum anderen.

Bei Uu geht es um Sex, habe ich das richtig verstanden? Wie kamst du auf die Idee?

Goldroger: Yes. Tatsächlich war das auch so ein Ding. Es ist auf Deutsch immer super belastend, wenn Leute über Sex reden finde ich, im Web vor allem. Und oft super geschmacklos. Diesen Song habe ich tatsächlich als Experiment geschrieben. Kriege ich das hin, irgendwas über Sex zu schreiben, ohne, dass es cringe oder unangenehm wird? Und so ist der Song entstanden. Ich bin eigentlich auch echt happy damit.

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Einer meiner Lieblingssongs auf dem ersten Teil ist Coup de Grace. Woher kennst du Naru? Ist das die Dortmund-Connection?

Goldroger: Ich habe Naru damals am Skatepark kennen gelernt, da war er vierzehn und ich achtzehn. Ich kenne ihn schon länger als ich Musik mache und habe das dann alles so verfolgt. Das ist ja auch das Geile an so Städten wie zum Beispiel Bietigheim, wo RIN herkommt. Wenn es einen gibt, der was macht, dann inspiriert das auch andere Homies. Dann haben wir Naru mal auf Tour mitgekommen und dann hat der mit Life on Earth connected. Bin auch mega stolz darauf.



Das ist auch das erste Mal, dass du jemanden direkt mitrappen lassen hast auf deinen Songs?

Goldroger: Ich hatte erst noch ein anderes Feature auf dem zweiten Teil geplant. Das hat dann leider nicht geklappt. Es fühlt sich aber nicht wirklich an wie ein Feature, weil Naru so nah dran ist. Das ist was etwas total Natürliches, dass der mit drauf gelandet ist. 

In der Zukunft, mit wem würdest du noch gerne zusammenarbeiten?

Goldroger: Ich habe irgendwie ein bisschen Pech gehabt mit Ami-Features. Ich habe Bakar angeschrieben, einen Rapper aus England. Mit dem hatte ich Kontakt, der ist dann aber leider Fendi-Model geworden und so, und hing auf einmal mit A$AP Rocky rum und hat nicht mehr zurückgeschrieben. Bei Deutschen bin ich jetzt nicht so hinterher. Ich habe ein Track mit Lugatti 9ine gemacht, der aber nicht auf das Album kam. Das sind Homies, meistens mache ich lieber was mit Leuten, die mir nahe sind. Casper wäre sonst noch geil, habe ich mit ihm auch schon mal drüber gesprochen. Vielleicht ergibt sich das nochmal. Mit wem ich auch schon mal ewig einen Song machen wollte ist Henning von AnnenMayKantereit, aber das haben ja andere jetzt auch schon gemacht, dann finde ich das langweilig. Sonst vielleicht noch Faber. 


Die Review zu Diskman Antishock 2 könnt ihr hier lesen.



Autorin: Carla Rosocha / Photocredit: Antemilio

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