Seit 17 Jahren treibt sich eine Band namens ITCHY (auch bekannt als Itchy Poopzkid) durch deutsche Konzerthallen. Dass dabei viel herumkommen kann, beweisen die drei sympathischen Typen eindrucksvoll: sieben Studioalben, unzählige Konzerte und 2015 sogar ein Buch („How to Survive as a Rock Band“).  2017 Jahr erschien „All We Know“ und damit ein neuer Name. Zack – wurde das “Poopzkid” einfach herausgestrichen.

Kurz vor Tourabschluss der „All We Know“-Tour 2018 durften wir Sänger/Bassist Panzer und Drummer Max persönlich treffen, um sie mit Fragen rund um das Thema „Tour“ löchern.


Panzer, hast du dir heute eigentlich die Zähne geputzt? Das machst du ja nicht für jede Stadt.

Panzer: Stimmt, da gab es entlarvende Fotos. Ich putze mir tatsächlich jeden Morgen die Zähne, auch auf Tour.
Max: Verrückt.
Panzer: Ist natürlich ein bisschen schwierig, wenn man mit einem Bus unterwegs ist. Wir pennen da ja auch drin, da muss man manchmal outdoor Zähne putzen. Aber es geht.

Ihr nennt euch selbst ja die probefaulste Band der Welt: Was sind eure Top 3 Ausreden, um nicht proben zu müssen?

Panzer: Ihr seid ja gut informiert! Erst, dass ich mir ungern die Zähne putze und jetzt das.
Max: „Keine Lust“. „Bin krank“.
Panzer:  „Mir gehts nicht so gut“ reicht eigentlich schon aus. Das Gute ist ja, wenn einer ’ne Ausrede hat, braucht er nicht lange, um die anderen zu überzeugen. Da freuen sich die anderen auch! Wenn jemand schreibt: “Hey Jungs, mir gehts grad nicht so gut”, dann schreiben die anderen sofort: “Ja, dann lass lieber! Bleib zuhause, machen wir in 3 Wochen dann lieber…zum Telefonieren, ob wir dann besprechen können, wann wir denn nochmal proben können.

Ihr wart während eurer eigenen Tour gerade für mehrere Dates Support von Jennifer Rostock. Ist das eine große Umstellung für euch? Wie unterschiedlich sind die Reaktionen vom Publikum?

Max: Man merkt schon, dass die Leute wegen einem da sind, wenn man Headliner ist. Die kennen die Texte, singen mit und sind sehr engagiert. Bei Supportshows muss man sich ein bisschen erarbeiten, dass da was geht. Und da…
(Panzer niest sehr laut)
Max: Ja, jetzt bleib mal ruhig!
Panzer: Entschuldigung.
Max: Da schaut man auch mal in fragende Gesichter – gerade wenn sich die Musik nicht 1:1 mit der des Headliners deckt. Aber dann ist es umso besser, wenn man die Massen in Bewegung bekommt. Sonst ist es eigentlich das Gleiche, die gleiche Leistung die man abruft.

Habt ihr vom ersten Teil der „All We Know“-Tour etwas gelernt, dass ihr jetzt beim 2.Teil anders macht? Oder macht ihr die gleichen Fehler einfach weiter?

Max: Das ist eine Frage, die man auch auf 17 Jahre ausweiten könnte.
Panzer: Es ist tatsächlich immer noch so, dass bei uns viele unvorhergesehene Dinge auf der Bühne passieren. Vorgestern in Frankfurt haben wir einen ultra Scheiß zusammengespielt, da waren sehr viele Spielfehler drin. Gestern in Erlangen, ein super Konzert, wirklich ein ganz klasse Publikum und volles Haus – aber es gingen bei uns so viele Sachen kaputt, dass wir zwischendurch 7 Minuten überbrücken mussten, wo das Schlagzeug nicht funktioniert hat. Sibbi und ich haben dann irgendwann angefangen, zu zweit Guns’N’Roses zu covern, was nicht ganz hingehauen hat.
Max: Das war klasse!
Panzer: Aber das Publikum hat das honoriert, dass wir es versucht haben. Was war die Frage?
Max: Ob wir die gleichen Fehler machen. Ja ne, wir wollen das ja auch ein bisschen so. Es gehört auch für uns dazu, dass uns unvorhergesehene Dinge passieren Das ist, wie das Bob Ross gesagt hat: “Happy little mistakes”.
Panzer: Nein, warte! „Accidents“.
Max: „Accidents“. Es gibt keine Fehler, es gibt nur “Happy little accidents”.
Panzer: Der ist so super, wirklich.
Max: Der Beste!
Panzer: Merk dir den Satz für heute Abend.
Max: Nein, für unseren nächsten Album-Titel.

Wie bastelt ihr die Setlist zusammen, ist das demokratisch? Wie trefft ihr grad bei den älteren Songs eine Auswahl?

Max: Es gibt da schon ein paar Faktoren, die wir beachten müssen. Zum Beispiel gibts Lieder, die Panzer singt und es gibt welche, die singt Sibbi. Wichtig ist, dass auf jeden Fall eine Mischung da ist und nicht nur einer das ganze Konzert singt. Und sonst, worauf wir gerade Bock haben. Dann kommt manchmal einer und sagt “Hey, den haben wir lange nicht mehr gespielt, ich hätte tierisch Bock den zu spielen!” Dann sagen die anderen “Buh scheiße, müssen wir proben!”. Aber wir tun den trotzdem irgendwie rein.
Panzer: Wir gehen auch aufs Publikum ein, starten Umfragen, was die Leute hören wollen und wenn Songs vielfach genannt werden, packen wir die auch wieder aus. Das haben wir für diese Tour auch gemacht. Es ist schön, wenn man wirklich sieht, dass die Leute bei einem bestimmten Song anfangen zu jubeln und sich freuen, dass er heute gespielt wird.

Wie sucht ihr eure Supportbands aus? Habt ihr da Mitspracherecht?

Max: Nur wir haben Mitspracherecht. Sonst ist da niemand. Wir gucken erstmal: gibts Kumpels,…
Panzer: …die nicht nerven…
Max: …und zufällig auch in geilen Bands spielen. Man kennt ja über die Jahre viele Leute. Die Alex Mofa Gang sind schon richtig lange gute Kumpels von uns. Die sind glücklicherweise in der Nähe gewesen, um heute für Vizediktator einzuspringen. Sonst gucken wir, was es für neue interessante Bands gibt und versuchen immer was Frisches mitzunehmen, was nicht jeder schon 1000x gehört hat, auch international. Das ist nicht ganz so einfach an Bands ranzukommen, die nicht zu groß oder zu klein sind, aber manchmal klappt es. Joa, so suchen wir es aus, würde ich jetzt mal so behaupten. Panzer nickt.
Panzer (nickt): Da hat er Recht, da kann man nichts anderes sagen.

Welche merkwürdigen Eigenschaften habt ihr nur beim Touren?

Panzer: Sibbi ist auf Tour ja eigentlich gar nicht als Musiker mit dabei, sondern als Tourist. Der steht jeden Morgen auf und geht jeden Tag in Stadt, das ist wirklich bewundernswert. Er schaut sich jeden Tag die Sehenswürdigkeiten an, isst Eis, trinkt Espressi und was weiß ich alles. Ich weiß nicht, ob er das auch zu Hause macht.
Max (lacht): Kann natürlich sein. In seiner Heimatstadt, jeden Tag, wie ein Irrer.
Panzer: Wir trinken wahrscheinlich noch ein bisschen mehr als zu Hause. Und es gibt eine Playstation Routine, die sich bei mir jedenfalls nur auf Tour auswirkt. Da wird jede Nacht im Bus Fußball gegeneinander gezockt.

Wer ist der Unordentlichste im Nightliner?

Panzer: Schenkt sich nichts, oder? Aber wir haben ja auch ein Tourmanagement mit dabei, die sich um alles kümmern. Die immer die Zettel aufhängen, wann wir wo sein müssen. Die uns unsere Jacken hinterhertragen.
Max: Ich würde trotzdem sagen, dass du es bist. Panzer ist der Unordentlichste!
Panzer: Das steht jetzt so im Bericht!
Max: Weil du es bist. Unternimm was dagegen.
Panzer: Ja, ich nehm das so hin.

Wer ist eher der Frühaufsteher, wer der Morgenmuffel?

Max: Sibbi ist der Frühaufsteher, lässt mich als Morgenmuffel zum Glück in Ruhe und Panzer schläft auch relativ gern aus.
Panzer: Ja, auf der Tour schon.
Max: Da Sibbi ja schon 5 Stunden bevor wir aufstehen in die Stadt gerannt ist, kommt sich da keiner in die Quere, das ist eigentlich ganz easy.

Habt ihr ein Konzertritual?

Max: Es hat sich leider vor vielen Jahren eingebürgert, dass vor jedem Konzert ein Kräuterschnaps mit Schlachtrufen getrunken wird. Keiner von uns mag Kräuterschnaps.
Panzer: Das ist wirklich fatal. Ich hasse dieses Getränk und dadurch, dass wir schon fast 1.000 Konzerte gespielt haben, musste ich schon 1.000 mal trinken, was ich überhaupt nicht mag.
Max: Vielleicht sollten wir das offensiver nutzen. Jetzt haben wir extra die Marke nicht genannt – aber Jägermeister, wenn ihr uns ein bisschen Geld überweist, dann sagen wir auch gern in Interviews, dass ihr das seid!

Was war eure seltsamste Begegnung am Merchandisestand?

Max: Ich find’s immer ein bisschen seltsam, wenn die Leute nur dastehen und einen angucken, aber nichts sagen. Ich sag ja nicht: „Darf ich dir das unterschreiben?“. Dann wird sich 2 Minuten angeguckt, bis kommt: „kannst du hier unterschreiben?“ Und ich so: „JA!
Panzer: Vielleicht waren sie einfach geblendet von deiner Schönheit. Ich finde es immer krass, wenn uns Leute zeigen, dass sie Tattoos von uns haben. Also nicht von unseren Gesichtern glücklicherweise, aber Textzeilen und Symbole. Da ist man kurz baff. Es gibt mittlerweile richtig viele Leute, die Tätowierungen mit Bezug zu uns haben. Eine größere Ehrung gibt es für eine Band eigentlich nicht.

Eure peinlichste Panne auf der Bühne?

Panzer: Gestern.
Max: Panzer, Sibbi und Guns’n’Roses.
Panzer: Wir haben den Song mal im Proberaum angespielt und gestern hat er sich einfach aufgedrängt, weil wir Zeit überbrücken mussten. Irgendwann waren wir mit unseren Worten am Ende und Sibbi hat angefangen, den Song zu spielen. Das Problem war: wir konnten die Töne nicht mehr richtig, ich konnte den Text nicht mehr richtig und Sibbi hat ein Gitarrensolo gepielt, das überhaupt nicht dazu gepasst hat.
Max: Das Gute ist, dass wir immer über alles lachen können. Das haben wir uns in den Jahren so eingeimpft.
Panzer: Happy little accidents.

Ihr habt ein paar Konzerte in England gespielt – gibt es da große Unterschiede zu Deutschland?

Panzer: In Irland haben wir zwei Early Shows gespielt um 14/15 Uhr. Wir dachten „da kommt doch kein Mensch“, aber es waren wirklich ein paar Jugendliche da, die sich das angeschaut haben. Ganz bizarr, die kamen rein, waren direkt richtig am Start, haben mitgemacht, aber zwischendurch geht dann ein Pulk von 20 Leuten während des Songs zum Rauchen raus.

Gibt es eine legendäre Raststättenstory?

Max: Wir waren im Nightliner unterwegs und unser damaliger Tontechniker hatte den Spleen, überall was mitgehen zu lassen und es sich neben die Koje zu stellen – darunter eine eingetopfte Pflanze. Unserem Tourmanager hat das irgendwann gereicht, hat sie ihm samt Erde in die Koje geworfen und es war klar: die Pflanze muss raus. Als wir auf einem verschneiten Parkplatz gehalten haben, in dessen Mitte ein einziges Auto stand, habe ich die Pflanze genommen, mich ein paar Mal im Kreis gedreht, sie losgelassen und – *booom* – mitten auf’s Auto. Es hätte tausende Quadratmeter geben können, auf denen sie hätte landen können, aber nein, direkt auf’s Auto drauf. Wir sind dann recht schnell wieder eingestiegen.

Euer Highlight beim Catering?

Max: Essen. Nudeln.
Panzer: Aber wir werden so super bekocht auf Tour, das ist so luxuriös mittlerweile.

Ihr habt euch entschlossen, eure eigenen Becher beim Getränkestand zu benutzen, um Plastikmüll zu reduzieren. Welcher war der entscheidende Schritt, dieses Vorhaben zu umzusetzen?

Max: Wir wussten, dass da was passieren muss und wir uns dafür auch an die eigene Nase fassen müssen. Das war tatsächlich ein größeres Projekt, als wir dachten. Gar nicht mal so einfach. Selbst, wenn man selber Mehrwegbecher mitbringt, um die einsetzen zu wollen, klappt das nicht bei jedem Klub. Props an unser Management, die haben da richtig Gas gegeben, um das mit den Veranstaltern zu klären.
Panzer: Wir merken ja selber auf Tour, dass es krass schwer ist, 100% auf Plastik zu verzichten. Das geht tatsächlich nicht. Manche Klubs nehmen unseren Catering-Rider dann nicht so ernst, wenn draufsteht: „Bitte Glasflaschen“. Wenn es dann trotzdem nur Plastikflaschen gibt, kommen auch wir an unsere Grenzen. Im Endeffekt wollen wir einen Stein ins Rollen bringen, unseren Teil dazu beitragen und das Bewusstsein der Menschen anregen.

Nummer 1 Gegenstand, den ihr auf Tour mitgehen lasst? Und andersrum: Nummer 1 Gegenstand, den ihr immer liegen lasst?

Max: Also Mitnehmen: alle Getränke, die am Ende noch übrig bleiben.
Panzer: Gaffa-Tape. Aber das hat nachgelassen.
Max: Gaffa-Tape muss man eigentlich immer klauen.
Panzer: Und Liegenlassen ganz klar: Konzertklamotten, weil man die meistens irgendwo zum Trocknen aufhängt und betrunken nicht mehr wiederfindet. Ich habe bestimmt schon 1.000 T-Shirts verloren in den 17 Jahren.
Max: Du bist ja auch der Unordentlichste von uns.

Was macht ihr an euren Offdays?

Max: Da muss ich nochmal mehr schlafen. Der Fokus liegt schon auf Entspannung.
Panzer: Zeit mit den Leuten verbringen, die man auf Tour nicht rund um die Uhr dabei hat.
Max: Familie, Kinder, Hunde.

Was macht ihr als erstes, wenn ihr nach einer Tour wieder zuhause seid?

Panzer: Erstmal schockiert sein, weil man aus diesem Tourrhythmus schwer wieder rausfindet.
Max: Und wieder einkaufen gehen, wirklich anstrengend.


Autorinnen/Photocredit: Carolin Czarnecki & Anna Fliege

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