Vierzehn Jahre Bandbestehen, fünf erfolgreiche Alben und unzählige Touren hat die britische Band DEAF HAVANA bereits auf dem Buckel. Gerade sind die vier Jungs auf Ihrer aktuellen Tour zum neuen Album „Rituals“ unterwegs. Das Besondere an dem fünften Album ist der Entstehungsprozess:  erst die Melodien, dann der Titel und zum Schluss die passenden Lyrics. 

Sänger JAMES VECK-GILODI hat sich die Zeit genommen, uns ein Paar Fragen zum neuen Album „Rituals“, über das Tourleben und was als Nächstes für Deaf Havana ansteht zu beantworten.


Woher kam die Idee „Rituals“ dieses Mal komplett anders zu schreiben als Eure vorherigen Alben?

Die Idee war ein „happy accident“. Eigentlich bin ich zu meinem Freund Phil gegangen, um mit Ihm ein Paar Demos aufzunehmen. Wir haben angefangen Songs zu schreiben, in die wir uns direkt verliebt haben. Danach kam eins zum anderen und es hat einfach gepasst. Wir haben zwölf Stunden am Tag im Studio verbracht, haben geschrieben und Synths anstatt Gitarre aufgenommen. Ich glaube das ist der Hauptgrund, warum „Rituals“ so anders klingt.

Wie fühlt es sich für Dich an so offen über teils sehr intime Themen zu schreiben? Hattest Du Angst vor dem Feedback, das Du zu den Songs bekommen würdest?

Da habe ich nie wirklich drüber nachgedacht. Ich habe einfach immer auf diese Art geschrieben. Meine einzige Sorge war es, wie ein Arschloch dazustehen haha.

Ihr habt „Rituals“ in einer ziemlich kurzen Zeitspanne geschrieben und aufgenommen. Welcher Song hat Dich dabei am meisten gefordert?

„Heaven“ zu schreiben hat EWIG gedauert! Wir hatten die Musik relativ schnell fertig, aber mir sind einfach keine passenden Lyrics eingefallen, das war ziemlich frustrierend. Am Ende ist es einer meiner Lieblingssongs auf dem Album, aber es war ein Albtraum ihn zu schreiben.

Viele von den Songs klingen sehr entschuldigend. Hast Du Frieden mit manchen der Dinge geschlossen, nachdem das Album veröffentlicht wurde?

Eine gewisse Art von Erleichterung habe ich tatsächlich empfunden, als das Album draußen war. Allein das Schreiben war schon sehr kathartisch. Ich trage zwar immer noch viel Schuld mit mir herum, aber ich glaube, dass das Album geholfen hat meinen Kopf ein wenig zu klären.

Was hörst Du gerade privat? Hast Du einen Künstler oder Alben gehört die Du empfehlen kannst?

Ich höre viel Hip Hop, eigentlich sogar ausschließlich Hip Hop haha. Mein Lieblingsalbum momentan ist „Real Person“ von dem Künstler Caleborate.

Hast Du einen „all time favorite“ Deaf Havana Song und einen Lieblingssong vom Album „Rituals“?

Mein absoluter Lieblingssong von Deaf Havana ist wahrscheinlich „Caro Padre“, weil er mir persönlich so viel bedeutet. Und der Lieblingssong von „Rituals“ ist definitiv „Heaven“.

Deaf Havana wurde 2005 gegründet, das sind 14 Jahre! Kannst Du dich an einen Lieblingsmoment im Laufe Deiner Karriere erinnern?

Echt eine ganz schön lange Zeit haha… ich glaube mein liebster Moment war die „Soundwave“- Tour in Australien. Das war verrückt – unglaubliches Wetter, großartige Menschen und eine Menge Alkohol.

Wie fühlt es sich denn für Dich an wieder auf Tour zu sein? Hast Du eine „tour-day“ Routine?

Momentan ist es ziemlich schwierig, weil ich zu Beginn der Tour direkt krank geworden bin. Das bin ich leider immer noch und gerade als Sänger ist das ätzend. Touren ist eigentlich ziemlich langweilig, da du entweder im Bus sitzt und von Ort zu Ort fährst oder im Backstage rumsitzt. Ich versuche mir aber jeder Stadt die wir besuchen ein bisschen anzuschauen.

Gibt es etwas das Du am touren besonders magst und etwas, auf das Du verzichten könntest?

Ich würde viel lieber im Studio sitzen und neue Songs aufnehmen. Normalerweise geht es mir ziemlich mies wenn ich auf Tour bin, obwohl ich den Teil des Reisens daran mag. Das Beste sind die vielen tolle Menschen, die man auf Tour kennenlernen darf.

Und die Frage zum Schluss. Weißt Du schon, was nach der momentanen Tour für Deaf Havana ansteht?

Ich glaube, ich werde danach wieder anfangen zu schreiben. Das ist momentan der Hauptplan.



Autor: Lisa Schulz Foto: Wolf James