Ein Artikel von Dominik Huttner – Seit ich zurückdenken kann interessiere ich mich für Musik. Und einer der ersten Künstler, der mich in seinen Bann gezogen hat, war Jason Mraz. Nicht nur musikalisch, sondern auch menschlich ist der Musiker eine Inspiration für mich und schafft es bereits seit über 10 Jahren, mich immer wieder aufs neue für sich zu begeistern.

So war es natürlich keine Überlegung, ob ich Interesse an einem Interview hätte, das so also Ende Januar im Rahmen der Promophase zur aktuellen Tour stattgefunden hat. Jason Mraz kennen die allermeisten durch seinen Welthit „I’m Yours“, aber z.B auch durch die Kollaboration mit Colbie Caillat. Aktuell ist er gemeinsam mit Meghan Trainor und dem Song „More Than Friend“ in den deutschen Radiostationen vertreten und bereits Europa für eine Tour.


„Know“ kam bereits vor über sechs Monaten auf den Markt. Dein erstes Album seit vier Jahren! Was ist denn so passiert in der Zwischenzeit?

Das Leben ist passiert. Es gab viele Versuche und Irrtümer. Ich habe sehr viel Musik gemacht, aber nicht alles davon war gut genug, um veröffentlicht zu werden. Ich habe mir aber auch bewusst viel Zeit genommen, da ich lieber etwas großartiges als etwas mittelmäßig machen möchte. Und dann habe ich einfach mein Leben gelebt. Ich habe geheiratet, ich konnte meinen Interessen nachkommen, habe viel Zeit in der Natur verbracht, mich mit lokaler Politik beschäftigt. Nichts besonderes also, nur mein Leben gelebt.

Dein aktuelles Album hat diesen besonders postiven Vibe – Wie wichtig ist es dir dieses Gefühl, oder allgemein Gefühle mit deiner Musik zu vermitteln?

Es ist für mich immer wichtig, eine emotionale Verbindung zu einem Song zu haben, damit wenn ich ihn singe, er direkt aus dem Herzen kommt. Oder von einem besseren Ort, den du dir für die Welt wünscht. Es gibt so viele negative Stimmen dort draußen und ich möchte einfach ein gutes Gefühl vermitteln und der Welt die Chance geben, mehr dieser positiven Möglichkeiten wahrzunehmen die es gibt.

Es wird behauptet, dass du die Idee zu „Have It All“ bereits 2012 hattest? Warum hast du den Song nicht bereits damals veröffentlicht? Oder z.B auf dem Album YES!? War es noch nicht die richtige Zeit für den Titel?

Es schien mir einfach, dass erst jetzt der richtige Moment für den Titel gekommen ist. Damals war der Titel einfach noch nicht so ausgereift wie heute. Wir hatten noch nicht die musikalische Untermalung wie heute, in 2012. Es kommt so häufig auf das richtige Timing an. Auf den richtigen Produzenten und die richtige Band und manche Titel müssen erst reifen, bevor sie veröffentlicht werden können. Ich habe viele Titel, die erst viel später auf einem Album erschienen sind.

Jason, du warst ja ziemlich beschäftigt im letzten Jahr. Wie war es in einem Musical mitzuspielen? Und wie fühlte es sich an, Teil einer Gruppe bzw. eines Ensembles zu sein, anstatt alleine die Hauptrolle auf der Bühne zu spielen?

Ich habe es geliebt! Ich habe es wirklich geliebt. Und es hat mich auf meiner persönlichen Reise weiter gebracht. Und es war wunderbar diese Erfahrung mit so vielen Menschen teilen und erleben zu dürfen. Es hat mich wirklich inspiriert und ich habe es genossen am Broadway zu spielen.

Im allgemeinen scheinst du keine Langeweile aufkommen zu lassen, vereinst Musik, soziales Engagement, Politik und deine eigene Avocado Farm! Wie schaffst du es, all diese Dinge unter einen Hut zu bringen?

Mit Ruhe! Ich mache eine Sache nach der anderen und überstürze nichts. Wenn ich alles auf einmal versuchen würde, wäre es zu überwältigend, doch wenn ich die Dinge nacheinander angehe und mir für jede einzelne Sache genug Zeit nehme, werden die einzelnen Projekte allesamt gut. Ich möchte mein Leben nicht in einem Rausch leben, sondern die Momente genießen.

Und wie kommt man auf die Idee, eine eigene Avocado-Farm zu gründen?

Nun ja, ich wollte schon immer auf dem Land leben. Und dann fand ich diesen wunderbaren Ort, mit fühlen Farmern, die überwiegend Avocados angebaut haben. Es war gar nicht geplant eine Farm zu gründen, doch wenn man Land besitzt, ist man für das Leben der Pflanzen und Bäume darauf verantwortlich. Und so wurde es ein Teil von mir und ich habe Zeit und Geld investiert. Und je mehr ich mich mit dem Thema auseinander gesetzt habe, desto mehr habe ich angefangen es lieben zu lernen. Die Bäume brauchen nämlich uns, genauso wie wir sie zum leben brauchen. Und seit ich auch dem Land, inmitten der Natur lebe, ist alles deutlich entschleunigter und das schätze ich sehr, denn es bedeutet wunderbare Lebensqualität.

Ich persönlich würde dich als sehr bedachte und bodenständige Person beschreiben, doch was ist die wichtigste Lektion die du in den vielen Jahren als Musiker gelernt hast?

Ich weiß nicht genau was die wichtigste Lektion war, aber ich lerne ständig neue Dinge dazu. Und die aktuellste Lektion die mir bewusst wurde ist, dass wir uns in einer ständigen Entwicklung befinden und nach dem Besten für uns streben. Die Gesellschaft kann jeden Tag besser werden, genauso wie ich als Musiker, der jeden Tag noch besser werden kann. Wir können jeden Tag versuchen eine bessere Version von uns selbst zu sein, und das ist eine Lektion an die ich mich immer wieder erinnere.

Und welches Album oder welcher Titel hatte den allergrößten Einfluss auf deine Karriere?

Auf jeden Fall „I‘m Yours“. Ich hatte schon immer viel Spaß mit meiner Musik und wusste, dass es etwas ist, was ich noch für viele viele Jahre machen werde. Doch dieser Titel hat mir eine Tür in die Welt geöffnet und es hat Dinge ermöglicht, an die ich vorher nicht gedacht habe. Es hat mir die Sorgen und den Druck genommen, nicht immer zu wissen wie es weiter geht.

Gibt es denn auch etwas, was du wünschtest, in all den Jahren nicht gemacht zu haben?

Nein, nicht wirklich. Alles ist gut so wie es gekommen. Dinge passieren aus einem bestimmten Grund, und zwar weil wir den Dingen die passieren eine Bedeutung zusprechen. Wenn man sich fragt, wieso etwas passiert, dann passiert es genau in diesem Moment aus einem speziellen Grund denn man sucht nach einer Antwort. Es ist etwas sehr persönliches, das jeder für sich ausmacht.

Jason, deine aktuelle Tour führt dich ja erfreulicherweise wieder nach Deutschland. Wieso hast du dich für deine Konzerte genau für Berlin und Köln entschieden?

Ich habe absolut keine Ahnung…ich wollte mit meiner Band einfach gerne wieder durch Europa reisen und habe mit meinen Agenten darüber gesprochen und sie haben ihr bestes gegeben, möglichst viele Städte in die Tour anzubauen.

Abschließend würde ich gerne wissen, ob es irgendetwas gibt, das du dir noch für die Tour wünscht?

Bei der Tour sind eine Reihe wundervolle Menschen an meiner Seite. Wir spielen Musik von jedem Album und mein Support sind meine guten Freunde „Berger“ aus Berlin und ich freue mich auf eine tolle Show für alle Beteiligten.



Autor: Dominik Huttner Foto: Jen Rosenstein