Sie gelten als eine der vielversprechendsten Newcomer-Bands und wenn grad keine Pandemie herrscht, spielen sie hochkarätige Supportslots und ausverkaufte Solotouren in den schönsten Klubs des Landes. JEREMIAS sind da und wollen so schnell auch nicht wieder verschwinden. Mit ihrer neuen EP „alma“ werfen sie einen unverblümten Blick auf die Liebe und all die Nachwehen, die sie mit sich trägt. 


Ein Artikel von Anna Fliege – Selbst, wenn mich deutschsprachige Musik in Phasen nicht catcht, für JEREMIAS mache ich doch immer wieder eine Ausnahme. Mit ihrer Debütsingle eroberten sie mein Herz im Sturm, mit ihrer zweiten EP brechen sie es – aber auf die gute Art.

Ich spreche im neuen Wortwechsel mit den Hannoveranern über die vergangenen Monate, den Ist-Zustand, ihr mögliches Scorpions-Erbe und warum es Gitarrist Olli auf das Cover geschafft hat. Und Liebe natürlich, ganz viel Liebe!


Vom Tourleben direkt in die Isolation: Wie ist es euch in den letzten Monaten ergangen? Wie konntet ihr als Band weiterarbeiten und euch auf die EP vorbereiten?

JEREMIAS: Glücklicherweise waren wir direkt nach der Tour für zwei Wochen im Studio, sodass wir vor dem Lockdown nicht nur 18 Konzerte und damit unsere erste Headline Tour spielen konnten, sondern auch, wie geplant, unsere zweite EP produzieren konnten. Da in den ersten drei Monaten des Jahres 2020 also recht viel los war, haben dir die Isolation für ein-zwei Wochen sogar sehr genossen. ab dann wurde es nervig, da wir aber den content und den zeitplan einhalten konnten war es nicht so dramatisch. der Sommer wird jetzt natürlich ohne festivals tag für tag schmerzvoller.

Ich beobachte und begleite euren Werdegang seit dem Release von „Alles“ und freue mich riesig, wie es sich für euch entwickelt hat! Wie blickt ihr auf die letzten 13 Monate zurück?

JEREMIAS: puhh, eigentlich gar nicht. wir sind unheimlich dankbar für alles was passiert ist, arbeiten aber auch extrem hart daran. nichts anderes ist in unseren köpfen, sodass wir eher nach vorne blicken als nach hinten. Wenn man es aber irgendwie zusammenfassen müsste dann wären die Worte Turbulent, Aufregend, erfüllend und Wunderwunderwunderwunderschööön.



Bringt ihr Hannover als Musikstadt wieder groß raus? Die Scorpions haben da meiner Meinung nach ein bisschen nachgelassen.

JEREMIAS: haha – mal sehen. das ist hoffentlich irgendwann eher ein nebeneffekt. bewusst daran arbeiten tun wir aber nicht.

Eure neue EP heißt „Alma“ – portugiesisch für ‚Seele’. Hat die Sprachwahl einen tiefergehenden Background? Oder klang ‚Seele‘ einfach ein bisschen zu pathetisch?

JEREMIAS: auf spanisch heißt es auch seele, da ich zweisprachig großgeworden bin, liegt mir die spanische sprache genauso wie die deutsche, daher die verbindung. und ja, wahrscheinlich ist alma phonetisch ein bisschen schöner als seele.. obwohl

Was hat Olli denn eigentlich gemacht, dass er es auf das Cover von „Alma“ geschafft hat? (Klingt ein bisschen wie bei Germany’s Next Topmodel…)

JEREMIAS: er ist der schönste mann der welt mit den schönsten tattoos der welt


„Erst haben wir uns davor geweigert, da jeder Love Song irgendwo abgenudelt ist und leicht zu einer Klischee und Kitsch Nummer wird.“


Auf der EP geht es um Liebe und Kummer. Ich mag, wie ihr so kompakt so viele Facetten dieser Emotionen zusammengebracht habt. War das euer Konzept dahinter? Oder kamen die Songs eher willkürlich zusammen?

JEREMIAS: die songs sind tatsächlich teilweise schon recht alt. als wir songs für die EP zusammengesucht haben wurde uns dann erst mit der zeit bewusst, dass diese 5 songs auf jeden fall dieses eine thema beleuchten. Erst haben wir uns davor geweigert, da jeder Love Song irgendwo abgenudelt ist und leicht zu einer Klischee und Kitsch Nummer wird. Trotzdem war es zu dieser Zeit das aktuellste, inspirierendste, tiefste und auch dringendste Gefühl was existierte. Also kann man schon sagen, dass ‚alma‘ eine Liebes EP ist und somit ein bestimmtes Konzept verfolgt – dass es aber dazu gekommen ist, ist eher ein zufall.


„der Schmerz ist in den 5 Tracks wahrscheinlich noch am prominentesten vertreten.“


Man kann so viel lyrische Kreativität aus Liebeskummer ziehen, oder?

JEREMIAS: jao auf jeden fall. der Schmerz ist in den 5 Tracks wahrscheinlich noch am prominentesten vertreten. daneben gibt es aber die Sehnsucht, den Hass, die Zuneigung, Machtverhältnisse, die Gier, die Eifersucht, das Loslassen wollen und nicht können, die Vertrautheit bla bi .. und jeder kennt es. jeder weiß wie es sich anfühlt.

Deutsche Sprache kann, wie ich oben schon kurz angemerkt habe, oft sehr pathetisch und sperrig klingen. Aber wenn man euch zuhört, kommen mir diese Attribute überhaupt nicht in den Sinn. Fällt es euch manchmal schwer, die richtigen Formulierungen für Textzeilen zu finden? Und gibt es Inspirationen, die euch da weiterhelfen?

JEREMIAS: mhh clueso, maeckes oder heisskalt sind textlich auf jeden fall riesen vorbilder für uns. die prägen und ab und an schaut man sich etwas ab… wir reden so wie wir reden und damit man am sich und anderen gegenüber am ehrlichsten ist, schreibt man das halt dann genauso auf. man könnte eine wissenschaft draus machen – macht auch sehr viel spaß – meistens sind die textzeilen aber eins zu eins übertragene gefühle, emotionen oder gedanken, sodass da eigentlich gar nicht so viel arbeit übrig bleibt.

Ich muss die A-Frage einfach stellen, kurz und knapp. Wird es in absehbarer Zeit ein JEREMIAS-Album geben?

JEREMIAS: wir waren die erste juni woche in einem wunderbaren ferienhaus von einem unserer guten freunde und habe da ganz möglicherweise an neuer musik gearbeitet, die sicherlich ihren weg an die öffentlichkeit finden wird – in welcher form auch immer haha

Euch erwartet am Freitag ein echtes Releasekonzert – allerdings werden eure Fans alle in ihrem Autos sitzen. Wie bereitet ihr euch darauf vor? Und habt ihr Angst, dass es komisch werden könnte?

JEREMIAS: angst zu haben ist nie sinnvoll und entsteht lediglich durch zu viele verschwenderische Gedanken die an die zukunft gerichtet sind. Es wird sicherlich spannend und neu, wir gehen da aber mit einer kindlichen freude ran und lassen uns dann überraschen.



Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Isabel Hayn