Mit „Golden Touch“ begeisterten Razorlight bereits 2004 die Massen. Hits wie „America“ und „Wire To Wire“ folgten und katapultierten die Band um Sänger Johnny Borrell in die erste Liga des Musikbusiness. Nachdem 2009 das dritte Razorlight Album „Slipaway Aires“ erschien, wurde es still um die Band. Zehn Jahre später kehrt Johnny Borrell mit neuer Bandbesetzung, voller Energie und mit neuem Album „Olympus Sleeping“ zurück.

Während der gleichnamigen Tour machten Razorlight Halt im bekannten Hamburger Musikclub Gruenspan. Lisa traf Sänger Johnny Borrell vor seinem Auftritt und sprach mit Ihm über das neue Album, seine musikalischen Anfänge und wieso auf der großen Bühne stehen zwar gut fürs Ego, aber nichts für die Ewigkeit ist.


Das neue Razorlight Album heißt „Olympus Sleeping“. Wie bist Du auf den Namen gekommen und was steckt für eine Geschichte dahinter?

Der Titel kommt von dem gleichnamigen Song „Olympus Sleeping“. Der Titel des Songs bezieht sich wiederrum auf eine Zeile in dem Song, in dem ich von der Verbindung und der Anziehungskraft zwischen zwei Menschen schreibe. Es geht darum, wie sich bildlich gesprochen, die „inneren Götter“ der zwei Personen zueinander hingezogen fühlen. Wenn das passiert, fühlt man diese Anziehungskraft zu der anderen Person. In dem Song geht es darum was wir, als sterbliches Wesen damit anfangen.

Also ist der Song sehr mythologisch angehaucht.

Auf jeden Fall! Es geht darum was wir als unser irdisches Selbst mit unserer göttergleichen Leidenschaft anfangen.

Also ein Song zum nachdenken. Das Cover erinnert mich sehr an die Kunst von Gustav Klimt oder Alphonse Mucha.

Stimmt. Wie die meisten meiner besten Fotos war das fertige Cover ein absoluter Zufall. Ich hatte Diane gefragt, die bereits im Vorfeld viel für das Album gemacht hat, mir zu helfen. Wir haben dann zusammen herum probiert, wie das Cover aussehen könnte, und ich meinte zu ihr „leg dich einfach mal so hin, ich zeig dir wie ich mir das ungefähr vorstelle“ und dann sind wir in den Park und danach in den Wald gegangen und haben versucht das Foto ordentlich hinzubekommen. Hinterher haben wir dann festgestellt, dass das demo viel besser aussieht als die gestellten Fotos.

„Olympus Sleeping“ ist das erste Razorlight Album seit 10 Jahren. Wie unterscheidet sich das neue Album von den Vorherigen?

Puh, also jedes mal wenn ich schreibe, ist jeder Song an eine andere Person adressiert. Also hat man bei jedem Album zwölf neue Geschichten. Ich wollte etwas schreiben, was man sofort als Razorlight erkennen würde, weil ich das schon eine lange Zeit nicht mehr gemacht hatte. In den letzten Jahren konnte ich das nicht mehr. In England sagen wir „I got to the bottom of the bucket“ – ich war total leer und hatte keine Ideen mehr, es war nichts mehr in dem Eimer drin und ich musste mich auf andere Dinge konzentrieren, um ihn wieder aufzufüllen.


„Wenn ich schreibe, ist jeder Song an eine andere Person adressiert. Also hat man bei jedem Album zwölf neue Geschichten.“


Und jetzt bist du wieder „on top of the game“?

Ich würde nicht sagen „on top“ aber ich mag wie wir darüber reden. Denn von all den „Spielen“ die ich spiele, ist Razorlight das, für das ich am meisten bekannt bin – aber es ist nur eines von vielen. Aber bei allen Sachen die ich mache, stecke ich all meine Kraft hinein. Und bei Razorlight wollte ich musikalisch das machen, was mir mein musikalisches Herz sagt.

Beim Hören ist mir aufgefallen, dass fast alle Songs sehr uplifting und positiv sind. War das von Anfang an geplant oder ist das im Laufe des Schreibens und Aufnehmens einfach so passiert?

Dankeschön! Irgendwie beides. Du gibst ein bisschen positivity und dann bekommst du welche von der Musik zurück und dann gibst du sie wieder und sie kommt wieder zurück. Wie ein endloser Kreis.

Man bekommt beim hören einfach sofort Lust zu tanzen. Im Opener „Got To Let The Good Times“ leitet Adam Green das Album ziemlich humorvoll ein. Wie kam es denn dazu?

Wir kennen uns schon lange und ich bin ewig Fan von seiner Band und seinen Filmen. Ich hab das erste The Moldy Peches Album geliebt und auch seinen Film „Aladdin“. Also hab ich Adam angerufen und ihn gefragt ob er Lust hat den Einspieler aufzunehmen. In dem Film sagt er Sachen wie „Aladin print me something…“, also haben wir gefragt ob er sagen würde „Genie? This is Aladdin. Print me a Razorlight album that doesn’t totally suck!“.

Hast du eigentlich einen Razorlight Song, den du allen anderen vorziehst?

„Golden Touch“ wird immer mein liebster Razorlight Song bleiben, weil ich durch ihn herausgefunden habe, das ich wirklich Songs schreiben kann. Ich habe ihn damals geschrieben und gedacht, dass es ein guter Song ist. Also hab ich die Welt gefragt, ob sie das auch so empfindet und gedacht, wenn das nicht der Fall ist, dann lass ich es und widme mich wieder dem Malen oder anderem. Und wenn ich Zustimmung erhalte, dann schreibe ich  weiter Songs.


„„Golden Touch“ wird immer mein liebster Razorlight Song bleiben, weil ich durch ihn herausgefunden habe, dass ich wirklich Songs schreiben kann.“


Und die Welt hat ganz laut „Ja“ geschrien.

(Lacht) Ja, was wirklich toll war! Denn ich bin mein Leben lang schon besessen von Musik und damit erfolgreich zu werden war der Wahnsinn.

Und was ist dein Lieblingssong auf „Olympus Sleeping“?

Hmm..ich glaube „Midsummer girl“ weil es schonungslos unvernünftig und albern ist und sich ungefähr so ein Teil meines Gehirns anhört (lacht).

Ich finde „Iceman“ auch toll…

Oh ja, den Song habe ich fast auf meine erste Solo-Platte gepackt.

Gut für das neue Razorlight Album, dass du noch gewartet hast. Kommen wir leider schon zur letzten Frage. Du bist schon lange im Musikbusiness unterwegs, hast du einen Lieblingsmoment oder ein bestimmtes Ereignis, an das du gerne zurück denkst?

Also die besten Momente waren tatsächlich die, ganz am Anfang meiner Karriere. Aber das interessante ist, wenn wir über die Businessseite der Musikindustrie reden…das erste Mal als ich Geld mit meiner Musik gemacht habe, war ich 13.

Ok, das ist wirklich sehr jung!

Auf jeden Fall, aber ich hab mir damals einfach meine Gitarre geschnappt und hab auf der Straße Musik gemacht. Was mir daran so gefallen hat, war das Miteinander der Straßenmusiker. Ich hab den meisten Erwachsenen mit dreizehn absolut nicht über den Weg getraut, weil ich überall nur Heuchelei gesehen habe. Und als ich Straßenmusik gemacht habe, war da eine Verbundenheit zwischen den Leuten und dieses kooperative System dieser Erwachsenen, hat mich total fasziniert. Von dreizehn bis sechzehn habe ich einfach Straßenmusik gemacht und damit mein Geld verdient. Die Musikindustrie ist für mich nie wieder so gut geworden wie zu dieser Zeit.

Das ist total cool, denn ich dachte, du erzählst von irgendeinem Moment auf der großen Bühne.

Ach das sind Sachen die absolut vergänglich sind. Das sind Momente die befriedigend für das Ego sind aber das ist nichts, das bleibt.



Autorin & Fotocredit: Lisa Schulz