Im letzten Monat waren Kodaline mit neuem Album „Politics Of Living“ auf Tour in Deutschland unterwegs. Während des Stops in Köln, traf Carolin die Band zum Interview und fühlte Ihnen auf den Zahn.


Euer neues Album Politics of Life is vor einem Monat herausgekommen. Wie kamt ihr auf die Idee es gerade so zu nennen?

Steve: Wir haben einen Song der “Politics of Life” heißt. Dort geht es thematisch darum sich in unnötigen Sachen zu verlaufen. Politik sollte man hier nicht im ökonomischen Sinne lesen, sondern im Sinne vom Leben. Der Song hat es nicht auf das Album geschafft, weil er noch etwas braucht bis er komplett fertig ist aber wir mochten die Idee von Politics of Living und so haben wir das Album danach benannt.
Vinny: Genau darum geht es und was man halt so macht, das Album geht über all die verschiedenen Beziehungen die man hat.
Steve: Die Ups und Downs
Vinny: Und auch die Erfahrungen. Mit Politics of Living meinen wir wie man mit dem Leben und auch mit Menschen umgeht und all dem Kram mit dem man sich auseinandersetzen muss. Man hat immer Menschen zu denen man eine schwere Beziehungen hat, es gibt immer Positives und Negatives und darüber ist unser Album.

Ihr habt das Veröffentlichungsdatum eures Albums verlegt. Was hatte das für Gründe?

Steve: Wir haben ein Album gemacht aber nie wirklich fertig gemacht und wir sind in eine komplett andere Richtung gegangen. Wir haben all dieses Akustik-Zeug gemacht und die Songs waren einfach nicht gut genug. Wir hatten das Gefühl das wir es besser machen können, also haben wir die Veröffentlichung um ca. ein Jahr verschoben.
Vinny: Ja, um ein Jahr herum.
Steve: Das Wichtigste für uns ist, dass wir zwei Alben gemacht haben und wir für 5 Jahre nonstop auf Tour waren. Als wir dann zu Hause waren haben wir ein Jahr lang Pause gemacht, haben auf einigen Festivals gespielt aber nie eine Tour oder etwas veröffentlicht weil einige von uns geheiratet haben, Vinny zum Beispiel, aus dem Elternhaus ausgezogen sind …
Vinny: All diese Erwachsenen-Sachen.
Steve: Ja, das echte Leben kam uns halt in den Weg und das war der Hauptgrund. Wir haben geschrieben, in Teilen, aber wir haben uns nie wirklich getroffen und dann hatten wir ein Album was wir veröffentlichen wollten aber wir hatten das Gefühl es war nicht gut genug. Also haben wir das Ganze nochmal überarbeitet. Ich freue mich schon darauf das nächste Album zu veröffentlichen, gerade weil wir einige Veränderungen gemacht haben wie z.B. an unserem Sound.

Heißt das, dass ihr schon Songs für das nächste Album schreibt?

Steve: Ja, wir schreiben immer neue Songs.
Vinny: Wir wollen keine große Lücke zwischen dem 3. und 4. Album lassen, weil es die zwischen dem 1. und 2. auch nicht gab. Wir haben eine ganze Weile nichts veröffentlicht und das wollen wir nicht noch einmal machen, wir wollen in ca. einem Jahr wieder neue Musik veröffentlichen.
Steve: Es geht auch ums Touren, wir haben für 2,5 Jahre keine Tour mehr gespielt, außer Festivals. Touren macht Spaß und es verändert auch unsere Songs, wir können sie jetzt endlich live spielen und die Reaktion des Publikums sehen. Ich habe es fast vergessen wie süchtig es sein kann live zu spielen.

Wart ihr nervös als euer neues Album herausgekommen ist gerade weil es stilistische Änderungen gab und die Veröffentlichung verschoben worden ist?

Steve: Ja, ich denke man muss nervös sein! Man kann sowieso nicht alle Leute überzeugen, es gibt immer Leute die deine Musik nicht mögen aber Nervosität ist immer gut. Bei diesem Album war es schrecklich. *lacht * Ich denke, wenn man einen Song veröffentlicht gibt man auch einen Teil von sich her und Leute können so brutal sein, all diese Online-Trolls die dich und deine Musik so richtig zerreißen.
Vinny: Wir versuchen sowas auch immer zu ignorieren, es ist halt nur die Meinung einer Person und nicht die von einem kompletten Magazin in Fällen von Reviews. Manchmal haben die Autoren halt einen schlechten Tag oder sie mögen die Band nicht und man darf sich darauf nicht so versteifen. Ich lese keine Reviews mehr und habe keine einzige mehr seit dem ersten Album gelesen. Mir ist es egal, denn ich bin mit unserem Werk zufrieden.
Steve: Das Wichtigste ist, dass Leute zu unseren Shows kommen und mitsingen – das zeigt, dass wir etwas richtig machen. Unsere Fanbase scheint konstant über die Jahre zu wachsen und wir spielen jetzt die bisher größten Shows für uns. Online Artikel und all das Zeug macht uns nichts aus. Aber bei diesem Album war es anders, gerade weil es so anders ist und unsere Fans was komplett anderes erwartet haben wie z.B. emotionale Songs.
Vinny: „Shed a Tear“ ist ein emotionaler Song zum Beispiel.
Steve: Ja, in gewisser Weise schon aber wir mussten etwas ändern, wir mussten herumexperimentieren und mit verschiedenen Produzenten arbeiten. Wir hätten natürlich ein Album machen können wie die zwei zuvor aber was hätte das genützt? Wir müssen uns weiterentwickeln und lernen.

Also war die stilistische Änderung eine bewusste Entscheidung für euch?

Steve: Das war die erste Entscheidung die wir gefällt haben. Wir wollten einfach mal etwas anderes machen. Wir haben das erste Mal mit anderen Produzenten gearbeitet und es war cool und wir haben dabei viel gelernt.

Ihr seid momentan auf eurer Europa-Tour: wie ist es für euch eure neuen Songs endlich live spielen zu können?

Vinny: Es ist toll! Wir haben schon lange keine große, lange Tour wie diese gemacht und es ist schön in die Städte zurückzukehren wo wir schon lange nicht mehr waren. Es ist cool zu sehen, dass wir einen kompletten Raum mit 2000 Leuten füllen können. Touren macht Spaß, aber dann willst du zurück ins Studio und wenn du im Studio bist willst du wieder auf Tour gehen. Wir sind jetzt zur Hälfte mit dieser Tour durch, die Reaktionen auf die neuen Songs sind unglaublich und wir haben unheimlich viel Spaß auf dieser Tour.

Also gibt es keine großen Unterschiede wie eure Fans auf die neuen Songs reagieren?

Steve: Es ist komisch, Songs aus dem neuem Album wie „Follow Your Fire“ kommen echt gut in Prag und osteuropäischen Ländern an. Das mehr Leute zu diesen Songs mitsingen als zu unseren alten ist schon bizarr. Die Reaktionen waren bisher positiv – ich finde unsere Shows gut und mit den neuen Songs werden wir sie etwas ändern und neues ausprobieren und einen Mix aus alten und neuen Songs spielen. Aber bisher kam jeder Song gut an.

Was sind aus eurer Sicht die positiven und negativen Aspekte vom Touren?

Vinny: Oh, mir fällt nichts negatives ein!
Steve: Es ist schwer etwas negatives zu finden, weil wir in der Position sind das zu machen was wir lieben. Ich meine wir müssen immer viel Warten aber ich will mich auch nicht beschweren. Wir sehen leider nicht viel von den Städten in denen wir spielen, aber ich mache mir immer Notizen. Ich habe zum Beispiel Köln nie wirklich gesehen aber ich habe vor mal hierher zu kommen. Manchmal haben wir das Glück und sind mehrere Tage in einer Stadt und dann können wir alles Wichtige ablaufen, aber meistens ist das nicht Fall.
Vinny: Naja, wir könnten ja auch im Büro sitzen und Waschmaschinen verkaufen, aber wir beschweren uns nicht.
Steve: Das positive ist wir können Playstation spielen. *grinst und zeigt auf die portable Playstation*
Vinny: Wir dürfen Musik machen und das ist ein echter Vorteil. Wir dürfen jeden Abend eine Show spielen, Fans treffen, ihre Stores zu hören und allein die Tatsache, dass Leute uns sehen wollen ist der Hammer. Viele Bands haben nicht dieses Privileg in anderen Ländern oder in ihrem Heimatland zu spielen.
Steve: Unsere Fans geben uns auch immer so tolle Geschenke, gestern hat uns ein Mädchen ein Buch geschenkt für das sie viele andere Fans zusammengetrommelt hat – dort waren Briefe und Stories drin wie unsere Songs ihnen geholfen haben, das war unglaublich. Wir kriegen auch immer sehr viel Schokolade – unsere Fans sind echt cool und vor allem super nett.

Was sind die Herausforderungen auf so einer Tour mit wenigen bis gar keinen freien Tagen dazwischen?

Vinny: Keinen Alkohol zu trinken. Wir spielen meistens 3-4 Shows hintereinander und haben dann einen freien Tag wo wir dann mal entspannen und uns was Gutes tun können.
Steve: Ein Reisetag ist KEIN freier Tag.
Vinny: Reisetage sind bei dieser Tour ca. 17 Stunden und eigentlich ist es kein freier Tag. An den Tagen wo wir nicht reisen versuchen wir Sport zu machen oder so.
Steve: Wir haben damals kaum Shows hintereinander gespielt und das hat sich jetzt geändert,jetzt wo wir durch die ganze Welt touren. Früher haben wir jeden Abend gefeiert.
Vinny: Aber das war zu viel und es war nicht fair.
Steve: Es hat aber nie eine Show beeinträchtigt, aber wir haben echt viel gefeiert.
Vinny: Man kann einfach keine gute Show liefern wenn man einen Kater hat.
Steve: Ich habe nie vor der Show getrunken, aber dafür halt nach der Show, wie man das halt so macht. *lacht* Wir sind jetzt erwachsener.
Vinny: Und vernünftiger.
Steve: Wir stecken all unsere Energie in unsere Shows, aber ja ab und zu haben wir mal einen Drink nach der Show aber wie gesagt – wir sind erwachsener geworden.

Köln ist euer letzter Stop von den Deutschland-Terminen: Wie gefällt es euch hier bis jetzt?

Vinny: Es ist toll!
Steve: Super!
Vinny: Deutschland war einfach so unglaublich, bei dieser Tour haben wir hier allein 6 Termine gespielt.
Steve: Wir haben auch das erste Mal in Wiesbaden gespielt.
Vinny: Wir haben dort zum ersten Mal gespielt, es waren 2000 Leute da und wir konnten es einfach nicht fassen! Die erste Show die wir hier gespielt haben war in Berlin.
Steve: Die dann auch ausverkauft war. Wir als Band hatten nie kommerziellen Erfolg aber mit jedem Album das wir herausbringen scheint unsere Fanbase hier zu wachsen und das ist die größte Tour die wir bisher gespielt haben. Ich hoffe, dass wir in Zukunft daran anknüpfen können.
Vinny: Wir lieben es hierher zu kommen und die Reaktionen der Fans zu sehen.

Das außergewöhnlichste an Deutschland für euch ist…?

Steve: Das Bier! Und Biergärten!
Vinny: Für mich sind es die Autos.

Gibt es keine Biergärten in Irland?

Vinny: Nein, wir haben nur Pubs.
Steve: Wir haben ein Oktoberfest.
Vinny: Aber auch nur für 2 Wochen in Dublin – abgesehen davon gibt es keine permanenten Biergärten, ich glaube die gibt es nur in Deutschland.
Steve: Ihr habt sie erfunden!
Vinny: Die Leute hier sind auch unglaublich freundlich, ich weiß nicht ob es nur uns so geht aber wir haben hier echt gute Freunde die wir oft sehen, Die Leute mit denen wir hier zusammen arbeiten sind auch super, unsere Promoters hier kennen wir z.B. seit dem ersten Tag unserer Karriere. Ich würde sagen, die Leute, das Bier und die Autos.

Welche Stadt war bisher euer Favorit auf dieser Tour?

Steve: Alle! Wiesbaden war echt cool, weil wir dort bisher noch nie gespielt haben und dann direkt so eine große Menschenmenge da war. Prag war auch super, das letzte Mal als wir dort gespielt haben war in einer kleinen Bar…
Vinny: Vor ca 600 Leuten.
Steve: Es war nichtmal ausverkauft. Und dieses Mal waren es 2500 Leute und es war unglaublich, Paris war auch cool.
Vinny: Portugal auch.
Steve: In Portugal gibt es diesen unglaublichen Ort der wie das Kollosseum aussieht. Dort haben ca. 3000 Leute Platz und dieser Ort ist einzigartig!
Vinny: Jemand sagte auch zur Halle in Wiesbaden, dass es wie eine riesige Metallspinne aussah und als ich mir das Foto nochmal angesehen habe, sieht es wirklich so aus!

Ihr meint den Schlachthof Wiesbaden, oder? Wusstet ihr, dass es wirklich mal ein Schlachthof war?

Vinny: Ja! Wegen den ganzen Metallstangen!
Steve: *atmet erstmal tief ein und schaut geschockt drein*
Vinny: Man hat mir gesagt, dass dort mal Schweine geschlachtet worden sind!
Steve: Hätte ich das vorher gewusst ich wäre absolut geschockt gewesen! *lacht* Also haben da vor ein paar Jahren echt noch Schweine dort gehangen? *zu Vinny* Denkst du, dass da jetzt ganz viele kleine Geister-Schweinchen rumspuken? *lacht*

Welche Fantreffen sind euch am meisten in Erinnerung geblieben?

Vinny: Oh, ich hatte ein paar echt merkwürdige Fan-Begegnungen!
Steve: Der eine Typ letztens!
Vinny: Oh, DAS war echt merkwürdig! Das war in Wiesbaden! Der Typ war so komisch, er hat seinen Merch von uns allen signieren lassen aber er war so komisch.
Steve: Ich weiß auch nicht mehr was er gesagt hat aber ich weiß noch, dass ich nicht wusste ob ich gehen soll oder nicht.
Vinny: Wir hatten ein paar echt bizarre Fan-Begegnungen, vor allem früher, wo Leute einfach an der Security vorbeigekommen sind.
Steve: Das letzte Mal als wir in Hamburg gespielt haben hat sich ein Kerl an der Security in die Konzerthalle bis zur Küche vorbeigeschlichen. Wir haben gerade gegessen und er stand da auf einmal und hat uns gefragt wie es uns geht.
Vinny: Er sagte dann noch, dass er ein sehr großer Fan sei und er wegen unserer Show da wäre!
Steve: Wir waren verwundert wie er das geschafft hatte, aber vielleicht war das sein irischer Charme!
Vinny: Ich glaube, die Security hat gesehen, dass er Ire war und dachten wohl er gehöre zur Band und haben ihn durchgelassen. Wir hatten nie wirklich schlechte Erfahrungen, nur sehr merkwürdige oder sehr witzige aber meistens sind echt immer sehr schöne Begegnungen.


Autorin und Foto: Carolin Czarnecki