Wer Kovacs das erste Mal sieht, würde wahrscheinlich nie erwarten, was für eine großartige Stimme aus ihrem Körper kommt. Tatsächlich ist Sharon (Kovacs = Ihr Nachname ist ebenso Ihr Künstlername) eine unglaublich talentierte Künstlerin, die gleichzeitig sehr interessant und enorm bodenständig ist. Im Rahmen der Promotion für ihr zweites Studioalbum Cheap Smell, das am 17. August 2018 auf den Markt kommt, hatten wir die große Ehre mit ihr einen WORTWECHSEL durchzuführen.


Erstmal: Bist du gut in Berlin angekommen?

Kovacs: Danke, ja! Wir sind rausgegangen und hatten ein paar Drinks und super Thai-Food.

Dein zweites Album Cheap Smell kommt am 17. August raus, wie aufgeregt bist du, es endlich mit der Welt zu teilen?

Kovacs: Mega aufgeregt! Es ist jetzt über 3 Jahre her, seitdem Shades of Black rausgekommen ist und Cheap Smell ist irgendwie mehr mein Baby als das erste Album, vor allem weil es viel persönlicher ist. Bis jetzt habe ich immer wieder kleine Teile davon rausgebracht und ich freue mich riesig darauf, wenn Leute endlich die ganze Geschichte entdecken können.

Es ist immer ein Unterschied einzelne Singles oder ein ganzes Album zu hören, oft braucht man das Ganze, um alles nachvollziehen und umso mehr genießen zu können…

Kovacs: Ja, ich stimmt vollkommen zu! Zum Beispiel, wenn man jetzt It’s the Weekend hört, was im Moment vielleicht anders klingt, aber wenn man es im Album hört macht es einfach Sinn und vervollständigt die Geschichte.

Was ist dein persönlicher Lieblingssong von Cheap Smell?

Kovacs: Mama & Papa. Definitiv. Außerdem mag ich Freakshow sehr. Aber Mama & Papa ist für mich der emotional beste Song. Es ist auch ein großer Teil von meiner Entwicklung in den letzten paar Jahren, ein sehr emotionaler und persönlicher Song. Ein befreiendes Gefühl, dieses Lied rauszubringen.

Gibt es Lieder, die du für das Album geschrieben hast, aber die es nicht ganz geschafft haben, die du aber trotzdem genug magst um irgendwann nochmal an ihnen zu arbeiten und sie vielleicht zu veröffentlichen?

Kovacs: Auf jeden Fall. Es gibt Lieder, die sogar vielleicht auf dritte Album kommen, so 3 oder 4 Stück. Aber ich habe ungefähr 55 Lieder für dieses Album geschrieben.

55 Lieder? Das ist eine ganze Menge!

Kovacs: *lacht* Ich weiß, das sind wirklich ziemlich viele. Das war aber nicht schlecht, so hatte ich eine große Auswahl an Liedern, aus denen ich mir dann die perfekten für Cheap Smell aussuchen konnte.

In diesem Album fühlt es sich an, als würdest du den Zuhörer mit dir in der Zeit zurücknehmen und fast Teile deiner Vergangenheit erleben. Zum Beispiel Adickted ist super persönlich. Ist es einfach für dich über solche privaten Dinge zu schreiben?

Kovacs: Ja. Wenn ich es tue ist es einfach, aber dann, wenn ich es aufs Album bringen soll deine ich mir „Oh Gott!“. Ich glaube, dass muss aber so sein, weil es wirklich ein gewissen Extra beitragen kann. Ich muss verstehen und erlebt haben, was ich singe, um eine Geschichte zu erzählen. Manchmal bin ich sehr ehrlich und manchmal denke ich mir, ich muss eine Konfrontation mit dieser einen Person haben. Aber auf seine eigene Art ist das auch eine gute Sache, weil man eine Konversation startet und Türen öffnet. Trotzdem ist es manchmal unangenehm jemandem sagen zu müssen „Hey, ich hab ein Lied über dich geschrieben und es ist nicht so nett!

Denkst du, dass das Schreiben von solchen Liedern dir dabei hilft, Dinge mehr oder weniger zu verarbeiten und dich als Person wachsen lassen?

Kovacs: 100%. Du musst diese Sachen ständig singen, was bedeutet, du musste sie wieder und wieder erleben. Man erinnert sich daran. Jetzt schaut man darauf zurück und lernt davon. Ich glaube, das ist die beste Therapie, die man haben kann.

Du warst am Rock City Institute und ich habe gelesen, dass das nicht immer glatt gelaufen ist.

Kovacs: *lacht* Nein.

Schaust du trotzdem mit einem Lächeln auf diese Zeit zurück?

Kovacs: Tatsächlich gehe ich mittlerweile ca. einmal im Monat dorthin und versuche, Schüler zu inspirieren. Zwei der Schüler, werden mich bei der kommenden Tour sogar zum allerersten Mal als Backing Vocals begleiten. Mittlerweile nehme ich die Schule viel mehr an und andersherum. Ich habe ihnen bewiesen, dass sie mit mir falsch lagen und sie haben sich auch sehr zum positiven verändert, zum Beispiel wie sie mit Schülern umgehen, die genau wie ich damals, ein bisschen schwieriger sind. Ich sehe meine Zeit dort definitiv als gute Sache an.

Würdest du es neuen, jungen Künstlern empfehlen, auf eine Musikschule zu gehen?

Kovacs: Schaden tut es auf jeden Fall nicht. Mir hat es auf jeden Fall dabei geholfen, zu realisieren, dass es wirklich das ist was ich machen will. Wenn mir jemanden gesagt hat „Du kannst das nicht machen“, dachte ich mir „Zum Teufel, natürlich kann ich das.“ So habe ich angefangen härter zu arbeiten. Aber es hängt davon ab. Wenn man schon die Leute gefunden hat, mit denen man zusammenarbeiten möchte, braucht man das vielleicht nicht unbedingt. Aber um Connections zu machen, ist so ein Ort definitiv richtig und wichtig. Networking ist immer gut.

Du bist eine Frau mit einer sehr starken Stimme und einem eigenen Style, wie man vielleicht auch in deinem letzten Musikvideo „It’s The Weekend“ erkennen kann. Ich habe gehört, dass da auch einige Designeroutfits involviert waren?

Kovacs: Das war so cool. Das waren alles archivierte Designeroutfits. Ich habe, das Album in London geschrieben und eine Freundin, bei der ich währenddessen fast gewohnt habe, und mit der ich jetzt mittlerweile schon eine zeitlang zusammenarbeite, ist Stylistin. Ich finde, sie ist eine sehr, sehr talentierte Person. Sie hat das Styling für das Video gemacht und wir arbeiten gut zusammen.

Als eine Frau in der Musikindustrie, fühlst du eine gewisse Verpflichtung gegenüber anderen Frauen, die deine Lieder anhören, eine bestärkende, feministische Nachricht rüberzubringen?

Kovacs: Ich glaube nicht absichtlich, aber ich glaube, es hat auf jeden Fall solche Nachrichten. Play Me zum Beispiel. Ich glaube, ich bin einfach als Person sehr feministisch, dass ich das zwar nicht wissentlich mache, aber es trotzdem natürlich kommt.

In letzter Zeit wurde auch viel über Genre geredet, denkst du, dass so etwas noch wichtig ist oder komplett außer Acht gelassen werden wollte?

Kovacs: Nein. Ich hasse den Genre Gedanken. So kann man mich in eine Box stecken und ich würde es bevorzugen nicht in eine Box gesteckt zu werden. Das merkt man glaube ich auch in dem Album, darin gibt es so gesehen viele verschiedene „Genres“. Ich höre so viel unterschiedliche Musik, das merkt man glaube ich auch, viele verschiedene Einflüsse stecken darin.

Wenn du die Chance hättest, mit einem kontemporären Künstler zu kollaborieren, der zu dir gesehen stilistisch ganz andere Musik macht, wen würdest du auswählen?

Kovacs: Wahrscheinlich Benjamin Clementine. Das würde ich lieben. Oder Iggy Pop. Oder Marilyn Manson. Es gibt so viele. Aber tatsächlich kommt sehr bald eine Kollaboration, die vielleicht unerwartet für den ein oder anderen sein wird.



Autorin: Theresa Liebl Foto: Johan Sandberg