MADANII & LLUCID sind das unkonventionelle Duo, nachdem sich die Musikszene gesehnt hat. Kontemporär R&B trifft auch traditionelle iranische Elemente, die sich auf ihrer neuen EP „IILLEGAL ALLIIEN“ mit hinterfragenden Texten fusionieren.

Ein Artikel von Anna Fliege – In unserem Wortwechsel sprechen die beiden über ihre Releasewoche, wie und wo sie sich selbst als „IILLEGAL ALLIIEN“ gefühlt haben und welche Klischees über iranische Musik längst überfällig sind.


Ich bin ganz neugierig: Wie war euer Releasekonzert in der Kantine?

MADANII & LLUCID: Überwältigend! Es war krass zu erleben wie viele Leute gekommen sind um den Release mit uns zu feiern.

Und wie fühlt sich so eine Releasewoche eigentlich an?

MADANII: Da wir vieles selber organisieren (wollen) ist es natürlich viel Arbeit, von der man auf den Sozialen Medien vielleicht weniger sieht, als von den Resultaten. Aber es ist auch einfach immer der aufregendste und belohnendste Moment die Projekte, an denen man teilweise Jahre gefeilt hat endlich der Öffentlichkeit zu präsentieren!

LLUCID: Die Releasewoche ist natürlich immer das, was man aus Außenstehender am ehesten wahrnimmt, allerdings ist es natürlich ein langer Weg zu einer EP. Für uns ist „IILLEGAL ALLIIEN“ so etwas wie die Zusammenfassung der letzten drei Jahre und daher stößt diese Woche noch einmal dazu an zu realisieren, was wir eigentlich alles geschafft haben ins dieser Zeit.

Eure EP heißt „IILLEGAL ALLIIEN“. Habt ihr euch selbst schonmal so gefühlt?

MADANII: Ständig. Für mich war es als Mensch mit Migrationshintergrund so ziemlich unmöglich mich im Süden Deutschlands, wo ich aufgewachsen bin jemals einfach als Deutsche und wie alle anderen zu fühlen.

LLUCID: Ich denke jeder kennt Situationen in denen er sich so fühlt. Manchmal fühlt man sich in seiner ganzen Lebensituation abgekapselt von allen anderen. Es kann aber auch einfach ein Event oder eine Party sein von der ich am liebsten direkt wieder gehen würde.

Wenn ja, wie hat es euch nachträglich beeinflusst?

MADANII: Mittlerweile feiere ich meine Andersartigkeit, aber es hat seine Zeit gedauert die Eindrücke der Jugend zu verarbeiten und Frieden zu schließen.

LLUCID: Ich versuche mich möglichst nicht mit Anderen zu vergleichen und Acht auf mich selbst zu geben.


„Zu exotisierenden Klischees […] gesellen sich seit den letzten 20 Jahren immer mehr Stereotype, die nicht nur Iraner, sondern einfach alle Menschen aus dem Nahen Osten und darüber hinaus als „zurückgebliebene“ Islamisten sehen wollen.“


Ihr möchtet mit der Musik westliche Klischees über die iranische Kultur brechen – gibt es da konkrete Beispiele für überfällige Klischees?

MADANII: Dazu gibt es zu viel zu sagen als in ein paar Sätzen möglich ist. Der nahe Osten dient schon seit Jahrhunderten als Ort westlicher Imaginationen, um die eigene Identität abzugrenzen und zu stärken. Zu exotisierenden Klischees über den sinnlichen und prunkvollen „Orient“, der an sich eine Erfindung europäischer Intellektueller ist, gesellen sich seit den letzten 20 Jahren immer mehr Stereotype, die nicht nur Iraner, sondern einfach alle Menschen aus dem Nahen Osten und darüber hinaus als „zurückgebliebene“ Islamisten sehen wollen.

Wir alle denken unweigerlich und oft unbewusst in Schubladen, ich erwische mich dabei immer wieder. Wie stellst du deine eigenen Verhaltensmuster bewusst in Frage?

MADANII & LLUCID: Wir denken alle ständig in Schubladen. Die menschliche Psyche neigt dazu und wir werden von unserem Umfeld geradezu dazu erzogen. Vermeiden kann man das unseres Erachtens nicht, aber der erste Schritt ist es eben sich dessen bewusst zu werden und diese Schubladen nicht als Realität zu akzeptieren.

Welche Künstler*innen oder Alben haben euch beim Schreiben und Produzieren inspriert?

MADANII & LLUCID: Wir hören beide wahnsinnig viel Musik und die musikalischen Vorlieben von uns beiden ergeben dann irgendwie den Mix, den man auf IILLEGAL ALLIIEN hören kann. Künstler wie Araatan, FKA Twigs oder Col3trane hören wir regelmäßig, die Liste könnte aber natürlich unendlich weiter gehen.

Ich liebe euer Video zu „WVTERWINE“! Was steckt dahinter?

MADANII & LLUCID: Wvterwine spricht über die Tendenz der Menschen, schnelle und einfache Antworten einfach zu akzeptieren oder zu wünschen – und am Ende nicht mehr wirklich selbst zu denken. Wir sehen verschiedene Formen von Machtdynamiken in sich selbst und in der Gesellschaft dargestellt, die in einer fast ausschließlich weiblichen Abendmahlsszene gipfeln, die dazu aufruft Glaubenssysteme und (Geschlechts-)Rollen herauszufordern.



Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Colin Audette