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Im Wortwechsel mit MAGGIE ROGERS (1/2)

Im Wortwechsel mit MAGGIE ROGERS (1/2)

Wem der Name Maggie Rogers jetzt noch nichts sagt, der sollte das schleunigst ändern.

Die junge Singer-Songwriterin aus den USA brachte nicht nur Pharrell fast zu Tränen, mit einem Lied, dass sie in 15 Minuten über eine Wanderung geschrieben hatte, sondern bewegt seither viel mehr Leute mit ihrer Musik. Vor kurzem veröffentlichte sie zwei neue Singles Give A Little und Fallingwater, die Teil ihres Debutalbums sein werden. Für viele ist Maggie das Epitom eines Künstlers, jemand, der sein ganzes Herzblut in seine Arbeit steckt. Wir durften uns mit der inspirierenden Sängerin unterhalten und einen Wortwechsel führen.


Hi Maggie! Wie geht es dir? Gefällt dir Berlin?

Maggie: Mir gehts super, danke! Ich liebe Berlin! Ich habe sogar (fast) zu viel darüber nachgedacht hierher zu ziehen. Ich habe ziemlich viele native Berliner als Freunde, die mit mir in New York studiert haben. Jedes Mal, wenn ich hier bin fühlt es sich an wie zu Hause.

Du bist in sehr kurzer Zeit sehr bekannt geworden, nachdem das Video, in dem du Pharrell deinen Song Alaska vorgespielt hast, viral verbreitet hat. Wie hat sich dein Leben seither verändert?

Maggie: Es ist kompliziert. Die Nachwirkungen dieses Videos haben viele widersprüchliche Emotionen mit sich gebracht. Mein Privatleben wurde sehr schnell publik und darüber hatte ich keine Kontrolle. Ich wusste nicht, dass das Video überhaupt gefilmt wurde, noch weniger, dass es online gestellt worden würde. Es ist einfach passiert. Mein Song war in dem Video und ich wusste nicht, dass es veröffentlicht werden würde. Auf einige Weisen ist es ein Traum, ich meine ich habe das College mit einem Job abgeschlossen, ich mach das, was ich immer machen wollte und was ich studiert habe. Das ist definitiv ein Geschenk.

Ich liebe Musik mehr als alles andere und es ist das Einzige was ich je machen wollte. Gleichzeitig hatte ich total Angst und war total überwältigt. Ich wusste nicht, wie ich dieses Ding dazu bringen konnte, dass es sich nach mir anfühlt. Währenddessen habe ich aber auch Shows gespielt und das war ekstatisch. Ich hatte die Möglichkeit Verbindungen mit Leuten aufzubauen und habe realisiert, dass ich das tat, was ich immer machen wollte: Eine Community aufzubauen. Außerdem habe ich gespürt, dass ich mich zu etwas Größerem als nur mir verbunden gefühlt. Also kurzgefasst, kompliziert.

Also hast du nie so viel Aufmerksamkeit erwartet?

Maggie: Auf gar keinen Fall! Mein Plan war es, das College abzuschließen und dann meine EP rauszubringen. So war es immer gedacht. Irgendwie habe ich das ja auch gemacht, aber in einem viel größeren Rahmen. Das Video mit Pharrell wurde im März veröffentlich und es ist nicht viel passiert. Und dann ist es auf einmal viral geworden, aber das war erst im Mai. Ich hatte keinerlei Erwartungen, dass irgendwas passieren würde. Zu dem Zeitpunkt habe ich grade darüber nachgedacht was passieren würde, wenn ich mit dem College fertig werde. Es war verrückt. Auf einmal waren auch diese großen Erwartungen, wer ich war und wer ich werden würde. Diese Märchengeschichte, an die ich mich anpassen sollte. Es ist auch ziemlich ungewöhnlich, einen Künstler sprechen zu hören, bevor man dessen Musik kennenlernt.

Das Video hat mir die Chance gegeben mich selbst vorzustellen, richtig, mit meinen eigenen Worten, bevor man meine Musik hört. Das ist etwas, wofür ich sehr dankbar bin. Am Anfang war es etwas verrückt. Es gab diese Erwartungen von wegen „sie wird ein Popstar sein“ an mich und am Anfang war es schwer, einfach ich zu sein. Jetzt ist es bisschen anders, ich verändere mich, wachse als Person und gerade versuche ich den besten Weg herauszufinden, das rüberzubringen. Wie gesagt, ich bin wirklich dankbar für alles was passiert ist, aber es hat ein bisschen gedauert bis ich wirklich wusste, ob es das ist was ich tun wollte. Natürlich war es immer mein Traum Musik zu machen. Aber jetzt wo ich tatsächlich aktiv in der Musikbranche arbeite, mache ich viel weniger Musik. Es ist nicht mehr nur ein Hobby, jetzt gehe ich zur Arbeit. Das ist toll und ich liebe die Arbeit, aber es ist Neuland.

Du bist in Maryland aufgewachsen, bist dann an die NYU gegangen und hast ein Semester in Paris studiert. Haben diese neuen Eindrücke die Art wie du schreibst beeinflusst?

Maggie: Ich bin in einer sehr ländlichen Gegend aufwachsen und musste immer Erwachsene anbetteln, mich zu einem Konzert zu bringen, was meistens 2 Stunden einfacher Weg war. Also 4 Stunden in einer Nacht, nur um hin und zurück zu kommen. Ich habe mein ganzes Geld immer gespart, damit ich ein T-Shirt oder ein Poster kaufen konnte. Es war immer eine große Sache. Dann bin ich nach New York gezogen, und auf einmal konnte ich zu 5, 6, 7 Shows innerhalb einer Woche gehen. Mit einem gefälschten Ausweis bin ich dann auch in Clubs gekommen. Ich habe mir alles Mögliche angeschaut, von Salsa über Hip-Hop Open-Mics bis Punk Shows. Dabei habe ich so viel gelernt.

Als ich dann in Paris studiert habe, bin ich auch sehr oft hierher nach Berlin gekommen um meine Freunde zu besuchen. Hier habe ich dann elektronische Tanzmusik kennengelernt. Das hat mein Leben komplett verändert, all diese Dinge waren sehr essentiell. Ich finde es sehr lustig, dass ich immer noch diesen „Naturmädchen“-Ruf habe, wo ich jetzt seit 5 Jahren in New York lebe. Ich liebe die Natur, aber ich habe jetzt auch enorm viel Zeit in Städten verbracht. Beide sind gleichermaßen Teil von mir.

Du wirkst wie ein Künstler, der gerne das Sagen über die meisten kreativen Entscheidung haben möchte. Vor kurzem hast du auch Regie für dein letztes Musikvideo zu Give A Little geführt. Wie war diese Erfahrung, nicht nur vor, sondern auch hinter der Kamera zu stehen?

Maggie: Das war toll! Ich hab schon immer bei Treatments mitgeschrieben und war sehr involviert in die Musikvideos, aber es gab immer irgendetwas, das ich mir ein bisschen anders vorgestellt hatte. Es war sehr cool, auf einmal mit der Kameraperson sprechen zu können und Sachen wie „Ich hätte gerne diese Bewegung“ zu sagen, oder zu meinen Freunden, die in dem Video mitgespielt haben „Fass diese Person an! Mach ein lustiges Gesicht!“ usw. Es gibt ein Foto von diesem Dreh, wo ich meine Arme um meine Freunde gelegt habe und einfach nur breit grinse. Das war ich den ganzen Tag über, ich hatte so viel Spaß!

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Dinge zu kreieren ist ein wahnsinniger Prozess. Du erträumst dir etwas in deinem Kopf und auf einmal habe ich die Möglichkeit, das in die Realität umzuwandeln. Das ist verrückt. Es ist etwas Besonderes und ich habe auch realisiert, dass das ein enormes Privileg ist. Etwas aus dem Nichts zu schaffen und auch die Werkzeuge zu haben, das was ich in mir ausdenke, auch umzusetzen.

Es ist immer schön, wenn man etwas von einem Künstler sieht oder hört und man weiß, das ist wirklich der Künstler.

Maggie: Total. Ich habe in letzter Zeit auch viel darüber nachgedacht, hauptsächlich weil die Künstler, zu denen ich immer aufgeblickt habe, sind so angstbefreit sie selbst. Aber sie stehen auch für etwas und wollen sich mit etwas Größerem als nur sich selbst verbinden und etwas Größeres schaffen. Die Welt im Moment ist etwas schwierig, so maßgebend und spaltend. Ich möchte selbst auch für etwas stehen, und danach suche ich auch in anderen Künstlern.

Fühlst du dich jetzt unter Druck gesetzt, Dinge zu machen und schaffen, jetzt wo ein Team hinter dir steht?

Maggie: Nein, das Team arbeitet ja für mich und nicht andersrum (lacht). Aber Druck ist trotzdem vorhanden. Es liegt aber an mir, wie sehr ich den beachte und an mich ranlasse. Ich würde sagen, der größte Druck für mich persönlich ist, dass ich niemanden enttäuschen möchte. Ich will Dinge schaffen, mit denen sich Leute verbunden fühlen, ich möchte Leute glücklich machen. Aber gleichzeitig muss ich auch mich selbst glücklich machen. Was am wichtigsten für mich ist, ist meine Arbeit, meine Musik. Worauf ich mich wirklich fokussieren will, ist das jede Entscheidung, die ich treffe, darauf basiert, was am besten für die Musik ist.


Autorin und Foto: Theresa Liebl

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