Now Reading
Im Wortwechsel mit MANDO DIAO

Im Wortwechsel mit MANDO DIAO

Überraschung, Mando Diao veröffentlichen heute eine neue EP! „All The People“ umfasst fünf neue englischsprachige Songs der schwedischen Indie-Legenden, die Fans ins Nostalgie versetzen könnten. Das passende (Online-)Konzert zur neuen Musik findet am 20. Juli statt. 


Ein Artikel von Anna Fliege – Es ist ein sonniger Montagmittag, als auf meinem Handy eine schwedische Nummer erscheint. Nach dem Abheben werde ich fröhlich von Sänger Björn Dixgård und Bassist Carl-Johan Fogelklou begrüßt, die zusammen, wie sie mir im Singsang mitteilen, Mando Diao sind.

So geht nicht nur einer meiner wildesten Jugendträume in Erfüllung, sondern auch ein Gespräch los, in dem wir über die Isolations-bedingte Produktivität der Band sprechen. Dabei ist auch „All The People“ entstanden, eine 5 Track-starke EP, die mich auch musikalisch in diese Jugendträume zurückversetzt.

Warum Mando Diao gerade so viel Musik aufnehmen, wie es zum Sound der EP kam und wie es um das Online-Konzert am kommenden Montag steht, erfahrt ihr im folgenden Wortwechsel.


Wie geht ihr mit der gesamten Situation im Jahr 2020 um?

Björn Dixgård: Uff, ja. Wir arbeiten an neuen Alben! Wir sind gerade dabei, die zweite Platte in diesem Jahr fertigzustellen. Wir haben ja ein schwedisches Album rausgebracht (Anm. d. R.: „Isolnedgången“), schwedische…mellow music (lacht). Und jetzt arbeiten wir an einem ordentlichen englischen Mando Diao-Album. Also genau jetzt, während wir sprechen.

Wow, ihr seid aber ganz schön produktiv!

Björn: Ja, das ist so ziemlich das, worauf wir uns gerade konzentrieren. Wir nutzen die Kreativität. Sobald wir mit dem hier fertig sind, werden wir vermutlich auch noch ein drittes Album aufnehmen.

Da rollt also endloser Mando Diao-Content auf uns zu, find ich gut!

Björn: Das tut uns echt gut hier. Wir sind glücklich und gesund. Wie ist es denn bei euch?

Alles kehrt langsam zur Normalität zurück, wenn man es so nennen will. Man darf sich wieder mit Leuten treffen, muss im Bus und im Supermarkt Masken tragen. Es ist okay. Bis auf das es keine Konzerte und Festivals gibt. Dafür zu viele ignorante Menschen, die keine Maske tragen wollen.

Carl-Johan Fogelklou: Es war ziemlich anstrengend.  Hier gibt es keine Maskenpflicht, aber ich glaube, wir schaffen uns eine Art Immunität mit unserem Social Distancing. Wir beginnen, mit unserem Leben weiterzumachen.

Björn: Die Zahlen sinken hier langsam seit April, aber nicht wirklich schnell.

Carl: Ich hoffe, die Konzertsituation verbessert sich bald, vielleicht im Herbst? Ich weiß nicht. Ich würde mir wünschen, dass wir nach Weihnachten wieder touren können.

Das wäre so schön, mir fehlt dieses ganze Feeling total.

Björn: Und ihr seid so ein cooles Land! In Deutschland gibt es ein tolles Kulturleben, all die Klubs und kleinen Venues. Da sind wir in Schweden ganz schön neidisch drauf, in dem Ausmaß gibt es das hier gar nicht.



Grad ist es noch top secret, ihr werdet am Freitag eine neue EP veröffentlichen! Das ist aufregend! Warum denn so überraschend?

Björn: Wir haben neue Musik gemacht und wollten sie raus in die Welt bringen, unseren Fans schenken.

Carl: Und wollten nach dem schwedischen Album, das für viele internationale Fans nicht so zugänglich ist, weil sie die Sprache nicht sprechen, etwas machen. Wir wollen weiter konstant englisches Material veröffentlichen.

Björn: Da ist es sehr symbolisch, dass es „All The People“ heißt. Das passte einfach. Den Song haben wir schon vor einem Jahr geschrieben und diesen Frühling aufgenommen. Ziemlich symbolisch für diese Zeit.


„Wir planen gar nicht so weit voraus, sondern proben nur ein bisschen und nehmen dann auf.“


Ich war ja vom Klang überrascht – so Old School Mando Diao, das hat mich in meine Jugend zurückversetzt! Wie ist es dazu gekommen?

Carl: Wir lassen uns vom Universum leiten, was zu tun ist, indem wir unsere Herzen öffnen und die guten Geister der Natur sprechen lassen.

Björn: Wir sind hier in meiner alten Heimat Borlänge, wo wir eine alte Kirche in ein Studio umgebaut haben. Hier verbringen wir all unsere Zeit und nehmen Musik auf. Sehr ländlich, isoliert von der Außenwelt und können hier tun und lassen, was wir wollen. Wir wohnen hier, verbringen Zeit miteinander, machen Musik.

Alles ist live aufgenommen. Ein Abend unter dem Dach, ein Gesangsmikrofon für mich und dann 1, 2, 3 – los! Wir planen gar nicht so weit voraus, sondern proben nur ein bisschen und nehmen dann auf.


„Für die EP haben wir drei Tage gebraucht.“


Das unterscheidet euch auf jeden Fall von den meisten anderen Bands, die ihre Proben gerade über Zoom-Calls machen müssen, weil sie räumlich voneinander getrennt sind. Und ihr könnt spontan sein, dafür hat man ja eigentlich nie Zeit, oder? Ihr seid ja sonst permanent unterwegs. Verständlich, dass ihr da so produktiv sein könnt!

Björn: Ja, die Methode ist auch recht zügig. Für die EP haben wir drei Tage gebraucht. Wenn du alles live machst, wird es organisch und natürlich. Ich meine, wir sind eine Band mit vielen Genres, wir folgen unserem Herzen, das Universum leitet uns. So werden wir unseren Style zwischen Alben und EPs ständig verändern.

Ihr habt gesagt, dass ihr die Songs schon im letzten Jahr geschrieben und dann dieses Frühjahr aufgenommen habt. Wie ist daraus diese EP entstanden?

Carl: Wir hatten hier einiges an Material herumliegen und wussten nicht wirklich, was wir damit anstellen sollen. Dann dachten wir „scheiß drauf“ und haben es vernünftig aufgenommen.

Du hast immer diese Ideen rumfliegen und wir haben festgestellt, dass das richtig gute Songs sind, die wir veröffentlichen und schauen wollen, was damit passiert.

See Also



Was mögt ihr am meisten an der EP?

Björn: „All The People“ ist auf jeden Fall ein Song, den wir sehr mögen, deshalb ist es auch der Main-Song geworden. Oder „Hippie Son„, der handelt davon, anders aufzuwachsen. Nicht mal unbedingt als Kind von Hippies, das haben wir eher als Symbol dafür genutzt, andersartig groß zu werden. Die Schönheit der Unterschiede im Leben, die Unterschiede in diesem multikulturellen, fantastischen Universum.



Die guten Nachrichten sind ja noch nicht vorbei. Nächste Woche wird es auch ein Online-Konzert geben! Wie steht ihr allgemein zu dieser neuen Art von Gigs?

Björn: Es wird natürlich niemals das echte Konzert-Feeling ersetzen können. So wollen wir es auch gar nicht aufziehen, als wäre Publikum da. Davon leben ja eigentlich unsere Shows, vom Publikum.

Carl: Es bleibt ein Ersatz. Die Leute vermissen Konzerte und in dieser Form ist es die einzige Möglichkeit, eins zu spielen.

Björn: Aber wir haben all unsere Kreativität reingesteckt und versuchen, etwas wirklich Schönes daraus zu machen.

Ich bin sehr gespannt darauf. So interessant zu sehen, wie Artists immer wieder mit neuen Ideen um die Ecke kommen, um die Wartezeit zu überbrücken, bis es wieder richtige Konzerte gibt.

Björn: Vielleicht hat es ja etwas Gutes, dass wir uns dahingehend weiterentwickeln müssen, mehr online zu machen. Vielleicht sogar für die Zeit nach Corona gut, verschiedene Formen von Konzerten spielen zu können.


Am Montag, dem 20.07., werden Mando Diao aus dem Stockholmer Club „Nalen“ eine Live-Show live ins Netz übertragen.



Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Gusta Felias

Scroll To Top