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Im Wortwechsel mit MATIJA

Im Wortwechsel mit MATIJA

Mit „byebyeskiesofyesterday“ melden sich Matija drei Jahre nach ihrem Debüt wieder zurück. Alles ist ein bisschen anders, aber ziemlich schön. Anna hat sich im Wortwechsel mit Frontmann Matt Kovac unterhalten.

Hinter den Münchenern liegen veränderungsstarke Jahre. Nach der Bandgründung 2011 wurden sie erst 2016 zu Matija – zuvor hießen sie The Capitols und supporteten bereits Bands wie The 1975, Catfish & The Bottlemen und Wanda). 2017 veröffentlichten sie unter neuem Namen ihr Debütalbum „Are We an Electric Generation Falling Apart?und bauten sich eine begeisterte Indie-Fanbase auf.

Im letzten Jahr dann wurde aus dem Quartett ein Trio, als Keyboarder & Bassist Johann Blake aus der Band ausstieg. Da scheint der Albumtitel „byebyeskiesofyesterday“ ziemlich passend. Doch war es das jetzt erstmal mit den großen Wendungen oder war es erst der Anfang?

Matt: Ich glaube, jetzt sind wir irgendwo angekommen. Unser zweites Album sind wir in der Form, wie wir es sein wollen. Wir haben sehr lange darauf hingearbeitet. Es ist viel passiert, aber jetzt sind wir an einem Punkt angekommen, an dem wir sagen können „das sind wir“. Und jetzt werden wir erstmal einige Zeit mit diesem Album arbeiten und auf Tour gehen…hoffentlich.

Dass der Titel der neuen Matija-Platte so zutreffend ist, ist übrigens Zufall. „Der ist mir einfach so eingefallen, ich habe keine Ahnung, wo der herkam, er war einfach da. Aber es hat zu allem gepasst, was wir durchgemacht haben in der Vergangenheit„, erzählt Matt. Die gemeinsamen Krisen und prägenden Erlebnisse, das gemeinsame Werk, all das spielt auf „byebyeskiesofyesterday“ eine große Rolle.

Wir schauen zurück mit einem lachenden und einem weinenden Auge zugleich. Und blicken voller Vorfreude in die ungewisse Zukunft.

Ist das Album denn nun der Abschluss eines Kapitels oder der Anfang eines neuen? Matt antwortet wie aus der Pistole geschossen: „Beides. Es ist irgendwie ein Abschluss, aber auch auf jeden Fall ein Neuanfang zugleich„. Ersteres ergibt sich aus den oben genannten Ereignissen, letzteres lässt uns der Sound des Albums unweigerlich realisieren. Matija klingen 2020 selbstbewusster und gesetzter, ohne dabei langweilig zu sein. Doch wie kommt es eigentlich dazu und wie sah das Mindset der Band dabei aus?

Matt: Es ist in der Entstehung anders gewesen. Das erste Album haben wir geschrieben, umgearbeitet und dann in 1 1/2 Wochen live in Hamburg aufgenommen als Band. Dieses zweite Album ist wesentlich verstreuter gewesen. Wir haben einiges in Italien aufgenommen, haben es mitgebracht nach Deutschland.

Wir haben es Step by Step aufgebaut, Songs Stück für Stück kreiert. Erst den Beat, dann nach einem Klaviersound hier und da gesucht. Wir haben viel rumexperimentiert. Wir wollten dass jede einzelne Note und jeder einzelne Akkord vom Sounddesign, von der Ästhetik perfekt passt. Das alles in sich schlüssig ist. Und das hat gedauert, zwei Jahre, und umso zufriedener sind wir mit dem Ergebnis.

Doch das ist noch nicht alles. Matija-Gitarrist und Keyboarder Jan Salgovic hat für „byebyeskiesofyesterday“ nämlich erstmals zusätzlich als Co-Produzent agiert. Das macht für eine Band einen riesigen Unterschied. Der Bandsound werde dabei viel klarer, erklärt mir der Frontmann. Vorstellungen könnten besser umgesetzt werden, ein bisschen mehr von der eigenen Vision verwirklicht werden.

Viele Leuten, denen wir das Album gezeigt haben, meinten: „Es klingt viel mehr nach euch selbst“.

Wir sind mit dem Thema Weiterentwicklung noch nicht ganz am Ende. Und bei all den gesteigerten Wörtern, die auf -er enden, darf „gefühlvoller“ nicht fehlen. „Ich glaube das ist etwas, was passiert, wenn man erwachsener und älter wird. Weil man ehrlicher und sich selber bewusster über seine eigene emotionale Welt wird“.

Auf ihrem ersten Album verhüllten sich Matija noch allzu gerne in Metaphern und ließen Hörer*innen in große Interpretationsräume eintreten. Album zwei hingegeben signalisiert: „Wir haben Dinge erlebt, gesehen und verstanden, die wir auch 1 zu 1 so kommunizieren wollen„. Einfach mal die Realität so aufnehmen und wiedergeben, wie sie ist. Klingt einfacher, als man denkt. Aber Matija haben es ziemlich gut hinbekommen. Eine „klare Message treffen„, wie Matt es beschreibt.

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Beim Durchlesen des Matija-Pressetextes bleibt ein Zitat hängen. Ein Satz, um den ich nicht herumkomme, in zu rezitieren und genauer nachzuhaken. „Mit unserer Musik wollen wir den Menschen das geben, was uns andere Künstler gegeben haben“. Aber was? Und wer sind die Künstler*innen?

Matt: Wenn wir auf Konzerte gehen, oder in ein Museum, oder ein Restaurant, oder ins Kino, oder ein gutes Buch lesen, und das ist irgendetwas besonderes, dann berührt uns das glaub ich krass. Was mir die Kunst zum Beispiel gibt, ist das Gefühl, lebendig zu sein. Emotionen in mir zu spüren, egal welcher Art. Und das Medium dafür ist eigentlich erstmal bums. 

Schnell merkt man, dass Matts Begeisterung weit über die typische Hand voll Musiker*innen und Bands hinausgeht, die man sonst als Standardantwort bekommt. Er schwärmt von besonderen Köchen wie Alex Atala (und lässt mein „Chef’s Table„-Herz damit höherschlagen) und spricht von atemraubenden Gemälden des afroamerikanischen Künstlers Jean-Michel Basquiat. Musikalisch habe ihn Lana Del Rey besonders beeinflusst.

Matt: Und genau das wollen wir eben auch unseren Zuhörern geben. Wir möchten Emotionen in ihnen auslösen. Wir wollen, dass sie irgendeine Art von Veränderung durch den Konsum unserer Musik in dem Moment spüren.

Welche Emotionen es sind, das lässt die Band ihren Hörer*innen gerne offen. Hauptsache, es passiert was. Das Geheimrezept bei der Albumentstehung lautet: Selbstkritisch sein, keine vorschnelle Zufriedenheit, keine „easy way outs„, die selbstständige Hinterfragung beim Texten. Und das alles in einem akribischen Perfektionismus und starker Ambition zur Sache. Bei Matija kommt nichts von ungefähr!

Ich bin auch heutzutage immer noch der Meinung, dass Dinge, die wirklich ehrlich gemacht werden und wo viel Arbeit drinsteckt, dass die immer noch ihre Abnehmer finden. Auch wenn wir in einer extrem oberflächlichen Welt inzwischen angekommen sind, wo Musik im Grunde genommen ein ganz schnelles Konsumprodukt geworden ist.

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