Er ist unser ESC-Held 2018, überzeugte mit dem Song „You Let Me Walk Alone“ ganze Nationen und belegte Schlussendlich den vierten Platz in Lissabon.

Bestwert seit 2012 und endlich ein Lichtblick für Deutschland. Seine TV-/Musikkarriere begann der Sänger auf YouTube, wo der Sänger in regelmäßigen Abständen Coverversionen von bekannten Songs einstellte und somit auf sich aufmerksam machte. Der Durchbruch gelang 2011 mit der Teilnahme bei „The Voice Of Germany“. Seither ist Michael Schulte nicht mehr aus der deutschen Musikszene wegzudenken.

Während seiner Dreamer-Tour im vergangenen November traf Sarah den Sänger in der Kulturkirche in Köln zum Interview und sprach mit ihm über seine Teilnehme beim ESC, sein Leben als Familienvater und seine musikalische Zukunft.


Fast genau vor einem Jahr, nämlich am 17.11.2017 haben wir uns das letzte mal persönlich vor Deinem Konzert in Wuppertal getroffen. Das war in einem kleinen Club während Deiner letzten Tour und es war nicht ausverkauft. Du spieltest an diesem Abend nur vor ca. 100 Leuten. Da habe ich Dir noch zu Deiner Verlobung gratuliert, die nämlich ein paar Tage vorher war. Und heute, ein Jahr später sitzen wir nun wieder hier und seitdem ist bei Dir ja echt viel passiert.

Du warst beim Eurovision Songcontest Vorentscheid, hast dort haushoch gewonnen und anschließend in Lissabon beim ESC und hast dort den 4. Platz geholt, hast Deine Frau geheiratet und bist Vater von einem Sohn geworden. Als Krönung nun auch noch den Bambi gewonnen und von Udo Lindenberg überreicht bekommen. Erzähl doch mal wie Du Dein Jahr empfunden hast.

Du hast das schon ganz gut zusammengefasst. Es waren viele Highlights dabei, alles ziemlich schön und gleichzeitig irgendwie so verrückt und abenteuerlich auch insbesondere was das musikalische angeht. Beim ESC in Lissabon war das eine ganz andere Welt, in der ich mich bewegt habe, in einem anderen Kosmos. Es ist schön, wenn man da in dieser Bubble drin ist, so heißt es ja beim Eurovision Songcontest. Das hat mir viele neue Türen geöffnet.

Zu dem tschechischen Teilnehmer und dem aus Irland habe ich auch noch ein wenig Kontakt. Da waren auch echt viele tolle andere Künstler dabei und ich habe die Zeit dort echt sehr genossen und ich habe mich sehr gefreut, dass es dann da auch so viele Punkte für mich gab.

Hattest Du vorher Angst oder Druck vor dem ESC, weil Deutschland in den letzten Jahren nach Lena Meyer-Landrut so schlecht abgeschnitten hat?

Nö, ich hatte eigentlich genau deshalb gar nicht so viel Angst, weil es hätte ja gar nicht so viel schlechter kommen können, von daher war das irgendwie fast gut so wie es war. Ich glaube fast, dass der nächste Teilnehmer jetzt schon mehr Druck hat, auch vielleicht ein gutes Ergebnis zu bringen und abzuliefern. Für mich war es in dem Moment eher gut. Aber ich hatte vorher auch das Gefühl, ich kann das schon packen und war auch, was das angeht, relativ entspannt. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass es jetzt so gut wird, aber ich habe mir schon zugetraut, dass ich es eigentlich schaffen sollte in den Top 15 zu kommen.

Du bist ja vor kurzem Vater geworden, wie ist der Spagat zwischen Mikrofone und Windeln wechseln?

Der Kleine, der ist super drauf. Er hat natürlich seine Phasen und ich oder meine Frau müssen dann mal mit ihm rumlaufen, aber das gehört zum Eltern sein dazu und das ist auch völlig okay. Zwar ändert sich der ganze Tagesablauf aber es ist einfach total schön.

…und wie war Deine Tour?

Wir waren schon etwas aufgeregt, weil wir eine neue Show gemacht haben. Eine neue Setliste, neue Arrangements. Das Gefahrenpotential ist halt immer da, dass man auch kleine Dinge verkackt, aber es hat alles gut geklappt, zum Glück und man geht heute ganz entspannt rein. In München war es fast komplett voll und sah super aus von der Bühne und heute in Köln ist es noch voller, restlos ausverkauft und nochmal ein paar mehr und wird wunderschön in dieser Kirche, die Atmosphäre wird toll sein, so nah am Publikum. Und in Hamburg auch ausverkauft und Berlin ist auch fast voll. Das ist schon recht toll so ganz intim anders als auf den großen Bühnen, wo alles so weit ist.

Hast Du schon was für 2019 geplant?

Es kommen ein paar Festivals, dann meine Tour. Neue Singles kommen im Januar/Februar. Einige TV-Shows und beim Vorentscheid vom ESC darf ich wieder dabei sein, so als Act. Ein neues Album soll im Herbst kommen. Es ist viel geplant und da wird auch einiges passieren. Ich habe viel Arbeit vor mir liegen.

Und was sind Deine musikalischen Ziele? Hast Du noch welche? Wo willst Du noch hin?

Ich habe ja mein großes Ziel erreicht, dass ich einmal so einen kleinen Hit irgendwie habe und das ein Song im Radio rauf und runter läuft. Das ist ja jetzt der Fall und das kann ich alles schon mal abhaken. Mein neues Ziel ist es, dass es jetzt einfach so weiter geht. Ich finde, dass es so wie es ist, perfekt ist. Das ist aber auch nicht selbstverständlich, dass es so bleibt.

Dass man dann auch meine anderen Songs im Radio hört, dass die Konzerte weiterhin so toll verkauft sind, denn es ist nicht selbstverständlich, dass die Menschen immer wieder kommen. Deswegen muss man einfach dran bleiben und deshalb hoffe ich, dass das so funktioniert, das ist so mein Ziel.



Autorin und Foto: Sarah Kaiser