Nach zwei Alben, die an Krach und Hitze kaum zu übertreffen sind, war ganz klar: Plague Vendor sind ein Geheimtipp der aktuellen Punkszene. Auf ihrem dritten Album „By Night“ garnieren sie ihren feurigen Sound jetzt mit düsterer Atmosphäre und kreieren damit einen extrem tanzbaren Albtraum, den man irgendwie nicht verlassen will.


Ein Artikel von Maren Schüller – Kurz bevor Plague Vendor in Köln ihre ganz eigene Interpretation der Nacht präsentierten, gewährte Frontmann Brandon Blaine uns einen genauen Einblick darüber, auf welchem Wege negative Erfahrungen im Leben jedem helfen können und was es mit der Nacht auf sich hat.


Wie war der Schreibprozess bei “By Night”? Hattet ihr von Anfang an die Intention ein Album zu kreieren, das sich mit dem Gefühl der Nacht beschäftigt?

Brandon Blaine: Unsere einzige feste Intention war, ein Album mit lo-fi feeling zu machen. Ich mag es generell mich mit der Nacht zu beschäftigen, aber das Thema kam mir einfach in den Kopf geschossen, als wir im Studio waren.


„Wir versuchen immer noch Rock’n’Roll zu leben“


Wie kam es zu der Kollaboration mit John Congleton?

Brandon Blaine: Unser Gitarrist Jay hat ihn ausgesucht, weil alles an Musik, was Jay zu der Zeit hörte, genauso klang wie wir es uns auch für unser Album vorstellten – und all diese Musik wurde eben von John produziert. Bisher haben wir nur mit einem anderen Produzent zusammengearbeitet, weil wir vorher sehr viel selbst gemacht haben und einfach ins Valley gefahren sind um Songs aufzunehmen. Die Zusammenarbeit mit John war jetzt also professioneller und total gut! Trotzdem fühlen wir uns immer noch wie Kinder, die versuchen Rock’n’Roll zu leben.

Inwiefern spielen negative Erfahrungen aus deinem Leben eine Rolle als Inspirationsquelle?

Brandon Blaine: Als ich jünger war, habe ich alle meine negativen Erfahrungen genutzt und sie in meine Songs fließen lassen. Dadurch konnte ich die Erfahrungen hinter mir lassen. Jedes mal, wenn man diese Songs dann live spielt, verwandelt sich alles in etwas Positives. Darum ist Kunst so wichtig – du fühlst etwas bestimmtes und findest manchmal keine Worte für deinen Schmerz, also kannst du Musik, Filme oder Fotografie nutzen, um dich besser zu fühlen. So haben meine negativen Erfahrungen mir auf jeden Fall etwas gebracht. Sie können jedem zugutekommen, wenn man sich dafür entscheidet.

Denkst du es ist möglich diese Art von düsterem Sound zu kreieren und ihn mit positiven Vibes zu kombinieren?

Brandon Blaine: Ja, auf jeden Fall! Ich glaube, dass wir das auf diesem Album getan haben. Wir sind glückliche Menschen, aber irgendwie keine glückliche Band. Unser Sound zeigt einfach, wo wir gerade stehen.


„Du weißt nie, was hinter der nächsten Ecke auf dich wartet“


Warum interessiert dich die Nacht stärker als der Tag?

Brandon Blaine: Tagsüber arbeite ich, also kann ich den Tag nicht wirklich genießen. Am Wochenende versuche ich es, indem ich wandere. Aber als Band ist die Nacht die einzige Zeit, in der wir wirklich zusammenkommen können um Musik zu schreiben. Außerdem sind nachts eben die Parties und Konzerte! Es hat auch einfach etwas Mysteriöses, du weißt nie, was hinter der nächsten Ecke auf dich wartet. Die Nacht hat mich schon immer angezogen.

Gibt es irgendwas, das du nachts machen würdest, aber niemals tagsüber?

Brandon Blaine: Ich würde auf jeden Fall überall Graffiti sprayen! Bei uns ist das ziemlich hart bestraft, man kann dafür ins Gefängnis wandern. Also mach ich’s nicht, weil ich eh nicht gut bin – es wäre also ziemliche Zeitverschwendung, für ein bisschen Graffiti alles zu riskieren.

Was war die beste Nacht deines Lebens?

Brandon Blaine: Die besten Zeiten meines Lebens habe ich eigentlich immer, wenn ich mit meiner Freundin rumhänge – alles, was ich nachts mit meiner Freundin mache, ist cool!

Was sind eure Ziele als Band?

Brandon Blaine: Wir wollen definitiv größere Konzerte spielen und möglichst viele Leute erreichen! Und wir wollen eine Band sein so lange es geht und weiter mit Herzblut Musik machen.

Welche Alben hörst du bei Nacht?

Brandon Blaine: Ich höre schon seit ich sechzehn war Interpol’s “Turn On The Bright Lights”, ich mag total “The Velvet Underground & Nico” und ich höre sehr viel ambient music, viel Brian Eno, und – ob du es glaubst oder nicht – viel stoner metal wie True Widow!



Autorin: Maren Schüller / Photocredit: Plague Vendur