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Im Wortwechsel mit RIIVA | Das Mixtape

Im Wortwechsel mit RIIVA | Das Mixtape

Mixtapes, Playlisten, 30 Days Songs-Challenges. Wer Musik liebt und lebt, dem kribbelt es bei diesen magischen Worten direkt in den Fingern. Doch was hören die Künstler*innen eigentlich, die wir gerne hören?

Ein Artikel von Anna Fliege – Ich habe nachgefragt und Sängerin RIIVA einige Aufgaben geschickt. Ihre perfekten Songs für die unterschiedlichsten Situationen, Gefühle und Lebenslagen. Lieblingssongs, Geheimtipps und Tracks, die man nicht erwartet hätte. Klassiker und Newcomerinnen. Doch den Anfang macht natürlich RIIVAs neuste Single.


Deine neue Single „Painkiller“

RIIVA: Dieser Song ist eine Sammlung unterschiedlicher Geschichten und Personen aus meinem Leben aber hauptsächlich inspiriert durch meine Eltern. Es geht um einen Moment der Erkenntnis: Sich nach langer Zeit einzugestehen, dass man einer geliebten Person nicht helfen und nur sie sich alleine retten kann.

Man könnte ihre Schmerzen zwar für einen Moment betäuben aber muss trotzdem zusehen, wie die andere Person und man selbst damit auch zugrunde geht. Hier geht es aber nicht um Selbstmitleid sondern um self care. Man hat einfach keinen Bock mehr und das Gefühl der Gleichgültigkeit überwiegt der Wut.

Ich habe diesen Song zusammen mit einem sehr guten Freund geschrieben, was diesen Song für mich auch nochmal wichtiger macht. Ich glaube außerdem, dass viele Personen diese Erfahrungen nachvollziehen können und hoffe sie fühlen sich, wenn sie diesen Song hören verstanden aber auch dazu ermutigt sich um sich selbst zu kümmern.

Dein Alltime Favourite-Song

RIIVA: „Out of touch“ – Hall&Oates. Seit ich diesen Song zum ersten Mal bewusst gehört habe, löst er jedes Mal aufs neue die unterschiedlichsten Emotionen in mir aus. Er wird einfach nie langweilig und das beste daran: er beschränkt sich für mich nicht auf eine bestimmte Lebensphase oder Gefühlslage.

Ich kann alle unterschiedlichen Dinge, die mich gerade beschäftigen auf diesen Song übertragen und in jeder Situation von ihm begleitet werden. Er reißt mich nie aus meinen Gefühlen heraus, sodass ich niemals das Bedürfnis hätte zu skippen.

Daher kommen mir bei dem Song auch so viele Ereignisse in den Kopf, bei welchen er mich schon begleitet hat. Könnte man Songs heiraten und mit ihnen zusammenziehen, würde ich diesen wählen.

Deine neuste Obsession, die du nicht oft genug hören kannst

RIIVA: „To Tomorrow“ – Goldkimono. Diesen Song habe ich vor kurzem an einem warmen, sonnigen Tag durch einen Insta Post meines Mastering Engineers entdeckt und ihn von Sekunde eins geliebt. In mir breitet sich eine Mischung aus Melancholie und warmem Wohlsein aus, wenn ich diesen Song höre. Die perfekte Mischung. Melancholie, egal wie gering sie auch vorhanden sein mag, darf für mich bei einem Song, den ich wirklich lieben und über längere Zeit hören soll, niemals fehlen.

Wenn dein Leben ein Film wäre, welcher Song wäre der Soundtrack?

RIIVA: „Himmel berühren“ – Joy Denalane. Das war wohl die schwierigste Frage für mich, da mein Leben so viele unterschiedliche Facetten hat, die sich garnicht in einem Song einfangen lassen. Eine eigene Playlist nur für diese Frage zu erstellen, wäre eigentlich nötig und auch um einiges einfacher 😀

Ich wollte anfangs einen viel traurigeren und dramatischeren Song nehmen und dann ist mir aufgefallen „Hey du hast ein wirklich sehr sehr gutes Leben. Das passt nicht“. Ich bin einfach ein sehr melancholischer (haha wer hätte das gedacht) und nachdenklicher Mensch, der auch eine dunkle Seite mit dunklen Erfahrungen hat.

Dabei vergesse ich aber oft, dass ich immer eine Stimme in mir habe, die in jeder Lebenslage zu mir sagt „Keine Sorge, alles wird gut. Hab Geduld. Du kannst alles schaffen. Am Ende wird alles einen Sinn machen.“ oder „Was hast du nur für ein riesen Glück.“. Zu dieser Stimme passt „Himmel berühren“ einfach zu 100 Prozent. Jeder Tag fängt aufs Neue an und man weiß nie was er einem bringen wird. Aber am Ende kann man selbst entscheiden, was man daraus macht. Ich finde Joy Denalane aber vor allem ihr Album „Gleisdreieck“ ist total unterschätzt. Sie macht unglaublich gute, gefühlvolle Musik, die viel mehr Menschen hören sollten.

Ein Song, der deine neue Single (oder deine Musik allgemein) inspiriert hat

RIIVA: „Gimme“ – BANKS. Als ich diesen Song bzw. Das Album dieses Songs das erste Mal hörte, dachte ich mir „OMG ich habe eine musikalische Seelenverwandte gefunden.“ Ich habe das Gefühl ich kann alles, was sie singt und fühlt nachvollziehen und mitfühlen. Daneben kreiert sie eine Soundwelt, die meine Musik, zusätzlich zu ihrem teilweise unkonventionellen Songwriting, sehr inspiriert.

Der Song ist für mich eine Hymne des Selbstwertgefühls. Für mich geht es hier nicht nur um körperliche oder emotionale Befriedigung, sondern um meine Erwartung vom Leben. Ich liebe diese Aggressivität in den Vocals, die sich das einfordern will, was ihr zusteht. „Gimme what I want, what I deserve“ – Das ist ja wohl das Minimum, das eine starke, selbstbewusste Frau einfordern dürfen sollte. Fun Fact: dieser prägnante Synthie im Chorus hat mich von Sekunde eins an „My Love“ von Justin Timberlake erinnert, weswegen ich es nur noch mehr gefeiert habe. I’m a little R’n’B Bitch hihi.

Welchen Track kannst du in- und auswendig mitsingen?

RIIVA: Das sind tatsächlich einige aber um einen zu nennen: “I never loved a man“ – Aretha Franklin. Es gibt natürlich immer Songs, die ich in unterschiedlichen Lebenslagen mehr oder weniger gut in – und auswendig mitsingen kann, aber dieser ist über all die Jahre immer im Ganzen geblieben. Ich habe ihn das erste mal als kleines 11-jähriges Mädchen gehört. Das war die Zeit, zu welcher ich mich noch in meinem Zimmer eingesperrt habe, um mithilfe der CD-Booklets meine Lieblingsalben durchzusingen. Dieser Song hat meine Art zu singen und meinen Musikgeschmack stark geprägt und beeinflusst.

Welches Lied bringt dich in jeder Lebenslage zum tanzen?

RIIVA: „I wanna dance with somebody“ – Whitney Houston. Übrigens auch ein Song, den ich in -und auswendig kann. Für mich ist dieser Song der Inbegriff der 80er Jahre. Ich bin ein großer 80er Jahre Fan und bilde mir manchmal ein ich wäre gerne zu dieser Zeit geboren worden. Ich kann nicht genau beschreiben warum oder wodurch es ausgelöst wird aber sobald der Song läuft, setzt mein Gehirn aus und meine Gliedmaßen springen an.

Ich lasse alles stehen und liegen und mutiere zu einer tanzenden Juke Box 😉 Abgesehen davon verbinde ich mit dem Song nur positive Erfahrungen. Entweder ich musste ihn als Coversängerin auf Hochzeiten singen oder ich habe dazu mit Freunden in Bars, auf Hauspartys oder sogar auf der Bowlingbahn getanzt.

Zu welchem Song lässt es sich besonders gut heulen?

RIIVA: „For the Widows in Paradise, For the Fatherless in Ypsilanti“ – Sufjan Stevens. Wie oft ich dazu schon mit Kopfhörern vor dem Schlafengehen im Bett lag und unter Tränen mitgesungen habe…Ich habe den Song zum ersten Mal bei O.C. California bei einer Trauerfeier-Szene gehört. Ich habe nie wirklich gewusst worum es in diesem Song eigentlich geht aber ich hatte immer meine eigene Interpretation.

See Also

Ich habe in jeder Linie, die er gesungen hat neue persönliche Geschichten entdeck, gerade weil der Song so kryptisch geschrieben ist, die es auch manchmal leichter machen zu weinen. Aber unabhängig davon finde ich ihn musikalisch betrachtet und allein des Titels wegen unglaublich traurig und resignierend. A song for the widows and for crying into your pillow 😉

Und welcher bringt dir danach wieder Instant Happiness?

RIIVA: „Cool“ – Dua Lipa. Dieser Song strahlt so viel Glücksgefühle in einer beeindruckenden Stärke aus. Allein der musikalische 80er Jahre Pop Einfluss zeichnet mir schon ein lächeln ins Gesicht. Ich persönlich könnte so einen romantischen, verliebten Text wahrscheinlich niemals für mich schreiben. Gerade deswegen gefällt er mir so gut. Dua Lipa bringt es simpel und prägnant auf den Punkt, was neben meiner Obsession für metaphorische, lyrische oder kryptische Texte auch mal ganz gut tut 😉

Ein ungewöhnlicher Favorit, mit dem man nicht rechnet?

RIIVA: „Devil in a midnight mass“ – Billy Talent. Tja wer hätte das gedacht. In mir schlummert ein großes Rock-Herz. Billy Talent hat mich meine gesamte Kindheit über begleitet. Vor allem dieser Song erlaubt mir alles, was sich, vor allem in anstrengenden Zeiten anstaut immer wieder aufs Neue herauszulassen. Manchmal bin ich aber ganz schön schockiert und überrascht von dem, was da alles aus mir herauskommt.

Ein Song, der bisher nirgendwo gepasst hat, den du aber trotzdem gerne mit uns teilen möchtest

RIIVA: Ich könnte soooo viele Songs aus den 80ern oder von BANKS oder Lianne La Havas oder MUSE oder… mit euch teilen, von denen ich zutiefst beeindruckt bin oder die mir viel bedeuten. Da dachte ich mir ich nehme lieber eine unbekanntere Künstlerin, die mehr Aufmerksamkeit verdient.

Habe vor kurzem Ida Laurberg und ihre unglaublich berührende Stimme durch eine Spotify Playlist entdeckt (dieser Algorithmus ist schon wirklich eine tolle Erfindung haha). Ihr Song „Grayzone – Stripped“ hat bei mir gleichzeitig einen Schauer sowie eine Art Machtgefühl beim Hören und vor allem Mitsingen verliehen. Eine sehr interessante Mischung muss ich sagen. Ich habe einem sehr guten Freund diesen Song mal als neue spannende Entdeckung gezeigt und nachdem er ganz begeistert davon war, muss ich jbei diesem Song jetzt immer an ihn denken, was ich sehr schön finde. Eigentlich hätte ich diesen Song gerne geschrieben haha.

Für mehr musikalische Inspirationen und weitere Einblicke in mein Gefühlsleben kann ich meine Spotify Playlist „RIIVA’S NIGHTS ALONE“ (LINK) sehr empfehlen 🙂


RIIVA’S MIXTAPE BEI SPOTIFY:


Autorin: Anna Fliege / Photocredit: Cris Civitillo & CAPADOL

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