‚Legendary‘ war mit Abstand der größte Hit der Band in Deutschland und öffnete den Rockern aus Cleveland auch international die Türen. Die sechs Vollblutmusiker bestechen durch ihren einzigartigen Sound, der große und imposante Töne mit rockigen Gitarrenriffs und der tiefen, warmen Stimme von Sänger Sam mischt.

Aus dem einstigen Geheimtipp ist mittlerweile eine bekannte und vor allem beliebt Band geworden, die bereits zum wiederholten Male durch Deutschland tourte und derzeit mit der neuesten Single „Learn to Let Go“ die Charts rockt, bevor sie im August erneut auf Tour kommen. Dominik traf Frontmann Sam Getz zum Interview und fühlte ihm dabei etwas genauer auf den Zahn.


Euer aktuellstes Album liegt nun schon eine ganze Weile zurück: Um was geht es und wieso ist ‚kein Ort ein Zuhause für euch‘ (Albumtitel: No Place Is Home)

Der Titel hat für uns einfach sehr viel Sinn gemacht und entstammt dem Song „Santctuary“. Es gibt diese Zeile die sagt ’no place is home‘ und im speziellen geht es darum wie sehr sich die Welt und vor allem unser Land verändert hat, genau in diesem Moment, in dem der Song entstanden ist. Und für uns fühlte sich unser Heimatland nicht mehr nach einer „Heimat“ an und das ist woher der Titel kommt. Als wir nach einem Namen für das Album gesucht haben, habe ich mir noch einmal alle Lyrics angeschaut und versucht herauszufinden, was am besten passen könnte. Und diese eine Zeile hat uns einfach alle am allermeisten angesprochen.

Und dieser Satz steht auch für unser Leben: Wir sind seit über zwei Jahren konstant unterwegs und betonen daher das Wort ‚Ort‘, denn wenn wir reisen, sind wir sechs eine Famile, verbringen unsere Zeit zusammen, erleben und teilen alle Momente und die Bühne wird in der Zeit unser Zuhause. Alle jede Nacht ist unser Zuhause ein anderer Ort.

Und gibt es irgendwelche Geheimnisse oder Fakten über euer Album, die niemand kennt?

Wenn ich Songs schreibe, möchte ich möglichst viel Interpretationsspielraum lassen. Und es ist überraschend, wie viele Varianten von möglichen Interpretationen von Fans es gibt, selbst wenn ich mir ziemlich sicher bin, dass die Message in eine eindeutige Richtung geht. Es gibt immer jemanden der eine neue Version hat. Und ich denke, dass jeder Künstler, ob nun Autor, Maler oder Filmdirektor sich freut, wenn die Fans ihre eigene Kreation in ihren Gedanken erschaffen. Und auch für mich gibt es Songs, die über die Zeit eine andere Bedeutung bekommen, als jene die ich zur Zeit hatte, als der Song entstand.

Sam, woher holst du deine Inspirationen für neue Songs?

Ein Großteil kommt durch die politsche Lage unserer Nation und alles was seit den letzten Jahren, aber vor allem seit der letzten Wahl passiert. Es entspringt aber auch meinen Ängsten und der Frage was man besser machen kann, wie man in einer solchen Zeit immer noch fröhlich sein kann und sich für ein „besseres Morgen“ einsetzt. Es geht aber auch viel um das Reisen auf Tour. Dass mein sein Zuhause und wichtige Menschen vermisst. Außerdem werden wir immer wieder durch andere Künstler beeinflusst und versuchen uns immer wieder weiterzuentwickeln.

Und welcher Song bedeutet DIR persönlich am allermeisten?

Zu ‚Unspoken‘ habe ich womöglich die allergrößte Verbindung, und Sanctuary ist der Titel mit dem ich am allermeisten identifizieren kann und der am besten meine aktuelle Stimmung und Sicht auf die Dinge widerspiegelt.

Ich persönlich liebe ja ‚Down To The River‘

Oh Ja! Das ist ein weiterer dieser Titel der entstand, als Donald Trump seine Kandidatur für das Amt des Präsidenten bekannt gab. Und ich war voller Wut und denke er ist voller schlechter Energie und ein Selbstdarsteller. Und deshalb geht es im Titel auch darum, dass solche Menschen sagen können was sie wollen und es immer Unsinn sein wird. Ich hätte auch niemals gedacht, dass er es schaffen würde und habe immer gehofft, dass es nur eine große Werbekampagne ist.

Wo wir gerade über persönliche und erfolgreiche Songs sprechen: Euer Titel „Legendary“ war der Titeltrack zum Reboot des ‚Power Rangers Film‘. Wie war das für euch?

Das war sehr cool! Wirklich, das war so cool. Denn als ich klein war habe ich die Serie immer angeschaut und war deshalb besonders stolz, nun ein Teil davon zu sein.

Eure Musik ist ja auch ziemlich cool und die Titel auf beiden Album sind sehr große, epische und momumentale Werke. War das immer der Weg den ihr gehen wolltet, oder hat es sich einfach so ergeben?

Das ist eine gute Frage, denn ich denke, dass wir niemals eine bewusste Entscheidung getroffen haben, dass es genau in DIESE Richtung gehen soll. Ich denke was passiert ist, dass die Titel die wir schrieben, sich über die Zeit immer mehr aneinander angepasst haben. Und als wir die Band gründeten, waren wir sechs Menschen mit sechs Visionen, fünf davon die gesungen haben und verschiedene Hintergründe hatten. Und wir wollten alle Möglichkeiten ausschöpfen, das beste aus all unseren Talenten herauszuholen. Ich würde also sagen, dass es nicht unbedingt geplant war, aber auch nicht aus Zufall entstanden ist.

Wie lebt es sich eigentlich in einer Band mit sechs Bandmitgliedern? Was ist das Geheimnis, um harmonisch miteinander zu arbeiten?

Ein ganz großes „Geheimnis“, das ich über die lange Zeit gelernt habe, in der ich mit den anderen fünf zusammen bin ist, dass man die Menschen so lassen sollte wie sie sind. Ich denke es ist ein Prozess, dass man voneinander und übereinander lernen sollte. Jeder hat seine Persönlichkeit. Wir sind wie eine Sportmannschaft. Und wenn wir auf die Bühne gehen, machen wir den „Welshly Whisper“ indem wir alle unsere Hände zusammen legen und auf 1 – 2 – 3 ‚Welshly‘ flüstern. Das fokussiert uns und sobald unsere Hände wieder in der Luft sind, gehen wir auf die Bühne uns wissen was wir zutun haben. Ich denke, dass wir uns so gut ergänzen macht es so besonders. Wir sind einfach wie eine Familie mit Stärken und Schwächen, aber sobald die Show beginnt, sind wir eine Einheit.

Und woher kommt euer Bandname, was bedeutet er und was bedeuter „Welshly Arms“ für dich persönlich?

Nun ja, wir haben den Namen aus einem ‚Saturday Night Life‘ Comedy Sketch. Mikey und ich sind zusammen aufgewachsen und haben unsere High-School Jahre miteinander verbracht. Und meistens saßen wir zusammen im Haus meiner Eltern und haben uns die ‚Best Of Will Farrell‘ DVD angeschaut, auf der es eine Szene gibt, in Will Farrell in einem Whirlpool sitzt, die unfassbar lustig ist. Und dieser Whirlpool steht im ‚Welshly Arms Hotel‘. Und als wir einen Namen für die Band gesucht haben, zitierten Mikey und ich immer wieder diese Szene. Und irgendwann dachten wir, dass das vielleicht der ideale Name für unsere Band ist. Nun ist es unser Name, der eigentlich absolut NICHTS bedeutet und gleichzeitig daran erinnern sollte, die Dinge nicht immer zu ernst zu nehmen.

Es klingt so, als wärt ihr sehr zufrieden und an einem guten Punkt angekommen. Daher würde ich abschließend gerne wissen, was für Wünsche du hast, außer weiterhin erfolgreich Musik zu machen?

Mein größter Wunsch ist es wahrscheinlich, einfach immer weiterzumachen und weiterhin den Weg zu gehen, den wir aktuell gehen. Und es erfüllt mich mit der größten Freude, Musik zu machen uns zu wissen, dass es Menschen gibt, die diese hören wollen. Und es ist so ein tolles Gefühl an Position zu sein, denn als wir mit der Band angefangen haben, ging es nur darum, Musik zum Spaß zu machen. Jetzt leben wir davon und ich weiß nicht wie lang unsere Reise noch geht, oder wie lange wir es noch machen wollen. Also genieße ich die Momente und wünsche mir, dass unsere Musik Menschen einfach berührt und sie sich durch die Texte angesprochen fühlen. Ich hoffe einfach, dass wir das noch ganz lange machen können.



Autor: Dominik Huttner Foto: Peter Larson