Gerade erst präsentiere The Mellow Music die Tour der luxemburger Indie-Band Seed To Tree. Bei ihrem letzten Stop in Dortmund im Rahmen der FZW Indie Night hatten wir die Möglichkeit, Michi, Georges, Benni und Benjamin persönlich zu treffen und ihnen ein paar wichtige Fragen zu den vergangenen Wochen zu stellen.

Welche Musik im Tourbus lief, mit welchem französischen Satz Bassist Benni jemanden aus der Fassung brachte und wieso Gitarrist Benjamin sein Set immer selbst auf- und abbauen muss, erfahrt ihr im großen Seed To Tree-Tourinterview.


Habt ihr euch schon von eurer Tour erholt?

Michi: Wir hatten jetzt eine Woche Zeit, das hat sehr gut getan. Wir haben immerhin noch einmal geprobt in dieser Zeit eine Stunde lang. Aber ne, ich denke, mittlerweile sind wir alle wieder bei Kräften.
Benjamin: Neun Tage am Stück ist schon heftig. Hat Spaß gemacht, aber einen Tag zwischendurch mal frei zu haben wäre sehr schön gewesen.

Und wie war es? Was sind eure Eindrücke der Tour?

Michi: Sehr anstrengend. Das Schlimmste ist glaub ich, den Van jedes Mal aus- und wieder einzuräumen. Das hat gefühlt kein Ende.
Georges: Eine Sysiphos-Arbeit.
Michi: Ja, jeden Tag von vorn.
Benni: Jede Venue hat eigene Soundcheck-Probleme. Dann denken wir „ja, jetzt wissen wir, wie es geht“ und dann „aaah, scheiße, doch nicht“. Hier ist der Bass zu fett, den man leiser machen muss.
Georges: Also insgesamt lief es ganz gut.
Benjamin: Anstrengend, scheiße und nicht so schön. Nein, war cool! Überall sehr viele Leute und es war tatsächlich die erste Tour, auf der alles genauso geklappt hat, wie es sollte. Sehr schön!
Benni: Auch musikalisch. Man wächst näher zusammen, es wird intensiver – im Positiven, wie im Negativen. Wie eine Familie. Irgendwann versteht man sich intuitiv, das macht dann auch mehr Spaß und kommt schließlich bei den Leuten besser an.

Was nehmt ihr von dieser Tour mit?

Georges: Gerne noch länger.

Mit Off-Days dazwischen?

Benjamin: Genau, mit Off-Days! Und ein Nightliner wäre auch sehr sehr schön. Der uns durch die Nacht fährt, man steigt aus, ist in Norddeutschland am Meer. Auch musikalisch ist einfach viel passiert. Wir haben jetzt unser Set gefunden, die neuen Lieder integriert und das klappt irgendwie. Es macht einfach Spaß, die neuen Sachen zu spielen.

Benni: Wir haben auch die Resonanz getestet. Die neuen Lieder, die noch gar nicht draußen sind und erst Ende des Jahres veröffentlicht werden, kamen schon gut an und sind auch rausgestochen. So, dass Leute uns darauf angesprochen haben, da freut man sich natürlich.

Wie sieht so ein typischer Tourtag bei euch aus?

Michi: Die Hälfte des Tages verbringt man im Van, ein Viertel ist Auf- und Abbauen, ein Bruchteil ist das Konzert und der Rest ist dann wahrscheinlich Essen und Trinken.

Benjamin: Wenn man überhaupt Zeit zum Essen hat. Und dann hat Georges gesagt: „Leute, packt ein, wir müssen los nach Hamburg!“

Michi: Das Einzige, was man von der Stadt sieht ist Nachts.

Benjamin: Wir hatten genau eine Stunde am Meer.

Benni: Wir sind kurz schwimmen gegangen in der Nordsee, kleinen Sonnenbrand geholt, das ging schnell. Das Konzert, die 60 bis 90 Minuten, ist zeitmäßig der geringste Anteil, aber da konzentriert sich natürlich die ganze Energie.

Wie ihr schon erzählt habt, wart ihr mit dem Van unterwegs. Wer darf denn da die Musik aussuchen?

Benjamin H.: Der, der fährt.

Michi: Genau, der Fahrer hat immer Vorrecht und maximal noch der Beifahrer.

Benjamin: Man kann den Sound von vorne nach hinten faden, sodass man die Musik hinten gar nicht hört und dann ist es eigentlich ganz angenehm.

Benni: Besonders, wenn man schlafen möchte und Metal läuft.

Benjamin: Unser Soundtechniker ist Metaller und darf dann manchmal Metal hören. Er muss ja auch unseren Scheiß ertragen, deshalb ist das okay.

Michi: Das Lustige ist: das hört sich alles so Roadtrip-mäßig an, im Van zusammensitzen, Musik zu hören, Witze zu erzählen – das ist aber tatsächlich gar nicht so.

Benni: Je länger die Tour wird, desto mehr schläft man nur noch.

Wechselt ihr euch denn ab beim Fahren?

Michi: Wir schauen immer, dass wir ein, zwei Freunde dabei haben, die wirklich einspringen und fahren können. Wir wechseln uns natürlich auch ab, es ist aber sehr anstrengend. Deshalb ist es cool, wenn jemand dabei ist, der nichts mit dem Konzert an sich zu tun hat.

Georges: Wir haben den geilsten Soundtechniker der Welt. Der fährt am meisten und arbeitet von uns allen wahrscheinlich auch noch am meisten. Und wir sind grausam und lassen ihn trotzdem nicht seine Musik hören.

Was habt ihr denn so gehört? Außer Metal?

Georges: Es gab keinen Song, der immer wieder kam.

Benjamin: Stimmt, diesmal gab es keinen Toursong. Früher hatten wir einen von Damien Jurado, aber den hat Benni gehasst.

Benni: Es lief viel Hip-Hop, deutscher Hip-Hop.

Georges: Kendrick Lamar.

Benjamin: Und unsere eigenen Sachen, weil wir den Mix hören und festgestellt haben, dass der Bus leider keinen Bass hat.

Habt ihr eine Tradition vor/während/nach dem Konzert?

Benjamin: Während des Konzertes verspielen wir uns immer sehr gern traditionell.

Georges: Wir sind keine Ritualband, das muss man schon sagen. Aber wenn wir gerade nicht sofort auf die Bühne gehetzt werden, gibt es immer einen Moment der Ruhe als Kollektiv. Eine Tradition ist vielleicht, dass ich immer Michi beim Drumset-Aufbauen geholfen habe, Benni hat meine Gitarren abgebaut und Benjamin hat nur sein eigenes Zeugs getragen.

Benjamin: Niemand versteht, wie meine Sachen aufgebaut werden.

Georges: Einmal war er beim Zahnarzt und wir sind kläglich gescheitert, viel zu viele Kabel!

Benjamin: Ja, ich mag Kabel.

Lieblingslocation auf dieser Tour?

Michi: Hamburg!

Benni: Ich fand Sankt Peter-Ording auch geil!

Benjamin: Das war ein Gig in einem Luxushotel. Am Strand, mit Buffet.

Georges: Hamburg hat die Klubs, die ich mir gern in jeder Stadt wünschen würde.

Benjamin: In Freiburg mussten wir aus dem Fenster klettern, weil wir nicht mehr durch die Leute durchkamen.

Worüber werdet ihr noch ewig lachen, wenn ihr an die vergangenen Wochen zurückdenkt?

Georges: Wir waren letzte Woche in Frankreich und Benni kann nicht so gut Französisch. Neben uns saß ein Dude, der Benni angeschaut hat wie ein Tier im Zoo und wollte unbedingt, dass er was sagt. Eine der wenigen Sachen, die Benni auf Französisch sagen kann, ist „Du stinkst aus dem Arsch“ – „Tu pues du cul„. Und der Typ kam gar nicht mehr klar.

Michi: Das darfst du gerne zitieren!

Welchen Song spielt ihr am liebsten live?

Michi: Die neusten natürlich, weil man die noch nicht zu häufig gespielt hat. Ansonsten packen wir unsere Lieblingssongs meist ans Ende des Sets. Müsste ich jetzt einen rauspicken, wäre es „Within Me„, der ist noch nicht veröffentlicht.

Benjamin: Bei dem Lied schwitze ich mehr als bei allen anderen. Da muss ich sehr viel machen.

Georges: „Take My Hand“ ist auf jeden Fall so ein Song, der live immer nochmal eine ganz andere Energie entwickelt.

Eure Pläne für den Rest des Jahres? Ihr wollt noch ein neues Album rausbringen?

Georges: Genau, das ist der Plan. Wir möchten noch ein, zwei Singles rausbringen und dann das Album. Und im Herbst gehen wir dann damit auf Tour.

Benni: Und die neuen Songs, die wir noch nicht live gespielt haben, ins Live-Format ummodeln und zu proben.



Autorin & Photocredit: Anna Fliege