2018 wird als aufregendes Jahr in die Geschichte der Berliner Band SIND eingehen. Ein Debütalbum, das schöner nicht sein könnte und den Namen „Irgendwas mit Liebe“ trägt, etliche Konzerte und Festivals und zum Schluss noch endlich die eigene Headline-Tour.

Zum Tourauftakt im Kölner Blue Shell hat sich Anna mit Drummer Ludwig und Frontmann Arne im Tourbus zusammengesetzt und über die vergangenen Monate, Haaröl und das Kosmonaut gesprochen.


Wie geht’s euch? Aufgeregt, dass gleich eure Tour losgeht?

Ludwig: Voller Vorfreude auf jeden Fall!

Arne: Unsere erste Tour quasi. Wird komisch sein, dass man nicht den Abend anfängt, sondern den Abend schließt. Ohne Scheiß, das erste Mal ’ne Vorband haben ist für uns selber noch sehr merkwürdig. Aber man gewöhnt sich ja jetzt hoffentlich dran.

Ludwig: Und dadurch, dass wir immer Vorband waren, haben wir viel gelernt, was irgendwie hilfreich ist und angenehm von den Hauptbands. Deswegen sind wir bestimmt auch eine gute Hauptband für die Vorband. Eine nette auf jeden Fall.

Arne: Wir sind eine Band, die auch mal unter die Arme greift!

Wie habt ihr 2018 erlebt und wahrgenommen?

Ludwig: Tür auf, drei Stunden Auto fahren, wieder raus…

Arne: Ein einziger Rausch! Ne, also man hat ja darauf hingearbeitet und jetzt erntet man irgendwie die Früchte und man ist ganz stolz darauf, während man so erntet.

Ludwig: Das Jahr ging mega schnell vorbei. Wir haben das Jahr mit einer Vorband-Tour für Max Leßmann begonnen, dann kam das Album, der Sommer ging los mit den Festivals. Uns ist letztens bei der Probe nochmal aufgefallen, wie viele Auftritte das dieses Jahr eigentlich waren, knapp 50. Wenn man überlegt, dass es so viel war, man so viel gesehen hat und auch so viele Leute kennengelernt hat, ist es trotzdem mega schnell vorbei gegangen. Von daher: Mit einem tränenden Auge rückblickend und mit einem lachenden Auge jetzt auf die restlichen Monate.

Was war so der krasseste Moment? Könnt ihr da einen rauspicken?

Arne: Ich glaub, da hat jeder andere Momente. Aber ich persönlich fand das Kosmonaut Festival ziemlich krass, weil es das erste Mal war, wo man gemerkt hat: „oh wow Alter, da stehen ja Leute wegen uns vor der Bühne“. Da konnten sogar Leute mitsingen und es war der große Auftakt unserer Festivalsaison. Und dann gab es noch eins, das Musikschutzgebiet, das fand ich richtig geil.

Ludwig: Das war dann quasi der Festival-Abschluss.

Arne: Und dann muss ich sagen, krasses Konzert weil unerwartet gut: letzte Woche in Halle. Wir dachten, wir spielen da vor 30 Leuten, aber da waren so 150 und die haben alle auch mitgegröhlt. Wir wussten gar nicht, dass wir im Osten so gut ankommen.

Ludwig: Das sind jetzt immerhin schon 4 Momente!

Arne: Ach scheiße.

Ludwig: Aber wenn wir jetzt für uns alle sprechen würden, wäre es auf jeden Fall die Releaseshow in Berlin am 20.04, als das Album rausgekommen ist. Da ist der Druck dann explodiert, da sind alle Ventile aufgegangen, da waren super viele Leute da, richtig langer, intensiver Abend. Das war, darauf können wir uns glaub ich einigen, DER Moment für uns alle.

Euer Album beginnt mit dem Song „Wir kommen irgendwann an“ – ist dieses Irgendwann jetzt gerade?

Arne: Naja, wenn man’s gut macht, ist man ja nie irgendwann angekommen. Dann macht man immer weiter, setzt sich immer wieder neue Ziele und spielt oder arbeitet die ab. Aber zumindest in dem Song heißt es ja „vier Hände reichen zum Stagediven aus“ – muss man sagen, dass man das Ziel zumindest abgearbeitet hat. Jetzt kommen auf jeden Fall schon mehr als zwei Leute.

Habt ihr eigentlich einen Live-Lieblingssong vom Album?

Arne: Das wechselt immer. Ab und an flutscht der eine mal besser als der andere. Aber ich glaube, wir haben ein paar Songs, die wir durch’s live spielen wieder lieben gelernt haben, die als verschollen galten.

Ludwig: Da hat wahrscheinlich auch jeder einen anderen Song, den er am liebsten spielt. Ich glaub, Hannes Lieblingssong ist mittlerweile „Danke Kim„, weil er da am Ende ein doppeltes Solo bekommen hat.

Ihr wart gerade mit den Jungs von Milliarden auf Tour, habt ihr aus der Zeit etwas für eure eigene Tour mitgenommen?

Ludwig: Man kann immer mehr trinken.

Arne: Man schielt dann ja schon mal rüber, wie die so Sachen machen und man muss sagen, dass es bei denen schon um einiges professioneller läuft. Größeres Team, längeres Set, da ist alles krass abgestimmt. Man schaut sich das an und denkt: „das ist das nächste Level“. Abgesehen davon sind das alles super Jungs und man kann sich von jedem etwas abschauen – welches Haaröl Ben benutzt zum Beispiel. Er benutzt ein teures Rosmarin-Öl, ich hab so eins von Fructis. Vielleicht mach ich da mal ein kleines Upgrade.

Und wo wir schon bei eurer eigenen Tour sind: was für Erwartungen habt ihr an die nächsten Tage?

Ludwig: Viel Spaß zu haben mit den Leuten die da sind. Es ist ja noch keine 5 Wochen-Tour, sondern relativ überschaubar, aber umso intensiver kann es auch sein.

Wie kann man sich einen typischen SIND-Tourtag so vorstellen?

Arne: Alle aus’m Bett klingeln.

Ludwig: Nochmal allen erklären, wo man sich genau trifft.

Arne: Auschecken, Auto holen. Kurz Aus-Schnick-Schnack-Schnucken, wer fährt und wer überhaupt fahren kann. Und dann haben wir gerade das Problem, dass zum allerersten Mal alle Plätze im Bus belegt sind und es dadurch zu ein paar Platzkämpfen kommen könnte.

Ludwig: Bedingt durch die Jahreszeit wahrscheinlich nur: Hell – Dunkel – Hell – Dunkel.

Ich habe euch beim Kosmonaut Festival gesehen und eine Sache ist mir besonders in Erinnerung geblieben…

Arne: DIE SOCKE!

Oh, die Socke! Die auch. Aber ich meine Hannes Eros Ramazotti-Einlage. Dazu hätte ich gleich 2 Fragen: 1. Darf ich mich da heute Abend auch drauf freuen und 2. Wie kam es dazu?

Ludwig: Du kannst es ja mal probieren, es heraufzubeschwören. Vielleicht kommt dann der kleine Italiener in ihm nochmal hoch. Und dazu gegekommen ist es durch die Lage unseres Proberaumes. Nebenan ist ein Weinladen, in dem wir oftmals nach den Proben unsere Zeit verbringen. Irgendwann haben wir mal die Playlist übernommen und da kam dann aus irgendeinem unerfindlichen Grund dieses Lied von Eros Ramazotti. Wir haben den dann jedes Mal gehört, wenn wir da waren. Der Weinladenbesitzer hat schon abgekotzt…

Arne: Und dann, eines Abends, kam er dann rein: Eros. Er hat sich beworben als Sommelier dort und seitdem haben wir gesagt: KOMM MIT AUF TOUR! Und jetzt haben wir ihn immer hinten drinne.

Vorletzte Frage: Wann dürfen wir mit der nächsten UNO Vollversammlung rechnen?

Arne: OAHR GOTT! Hast du die gesehen?

Ja.

Arne: Wirklich? Wow. Das war ein riesengroßes Durcheinander.

Ludwig: Was zu erwarten war.

Arne: Es war geil, dass wir es gemacht haben, aber es ist doch mehr Aufwand, als man dachte. Und es ist schwieriger, es den Leuten begreifbar zu machen, als man denkt. Aber ja, wer weiß, wenn genug Leute schreien – das ist wie bei Eros – dann machen wir das.

Und letzte Frage: Wie geht es mit SIND 2019 weiter?

Ludwig: Gesund!

Arne: Erstmal 2018 schön ausklingen lassen. Und dann wird jeder erstmal ein bisschen Urlaub machen, das haben wir uns verdient. Und dann setzt man sich halt wieder zusammen. That’s it.



SIND live

15.11. Engelsburg, Erfurt
16.11. Keller Klub, Stuttgart
17.11. Zehner, München


Autorin & Fotocredit: Anna Fliege