Die Band Sophie and The Giants ist schon seit 2017 bei vielen Kennern der Musikbranche auf dem Radar. Die vier Schotten sind nicht nur extrem cool und voller Energie, sondern sogar ausgebildete Musiker. Die Alternative-Pop-Band um Frontfrau Sophie Scott veröffentlichte 2018 ihre Debüt-EP „Adolescence“, auf der die Sängerin mit unverblümter Ehrlichkeit ihre Teenager-Jahre verarbeitet.

Ein Artikel von Maren Schüller – Eigentlich war bereits ein Interviewtermin vor ihrem Konzert in Köln geplant, der dann aber kurzfristig abgesagt wurde. Umso mehr freut es uns, dass Sophie and The Giants sich nach der Tour unseren Fragen per Mail gestellt haben. Die Antworten darauf, wie sie zu Spontanität im Songwriting zu ihrem eigenen Sound stehen, gibt es jetzt im Wortwechsel.


Im Laufe des letzten Jahres habt ihr nicht nur in Großbritannien ziemlich viel Aufmerksamkeit in der Musikindustrie bekommen. In welchem Land habt ihr die meisten Fans neu dazu gewonnen?

Sophie: Auf jeden Fall in Deutschland, vor allem in Berlin! Wir sind gerade erst von unserer ersten UK & Europa Headliner Tour zurückgekommen und es war einfach verrückt, wie viele Leute zur Show in Berlin kamen. Bei unserer ersten Headliner Tour!!! Es ist einfach Wahnsinn, wie viel Liebe uns dort geschenkt wurde.

Wie ist die erste Tour durch Europa verlaufen?

Toby: Europa hat uns alle umgehauen! So viele Menschen zu UNSEREN Gigs kommen zu sehen war überwältigend. Die Leute haben sogar Songs mitgesungen, die noch nicht einmal veröffentlicht wurden!

Ihr habt eure Band erst 2017 gegründet und seit jetzt schon international bekannt. Wie fühlt es sich für dich an, Songs über dein Privatleben jetzt vor größerem Publium zu performen, Sophie?

Sophie: Ich liebe es. Ich bin sowieso eine offene Person und es bedeutet mir viel, meine Erfahrungen und wie ich mit ihnen umgegangen bin oder sie verarbeitet habe, zu teilen. Ich glaube das ist der Hauptgrund warum ich Songs schreibe: Damit andere Menschen wissen, dass sie nicht alleine sind und wir alle ähnliche Dinge durchmachen. Vielleicht helfe ich damit irgendwie, ich hoffe es zumindest!

Gibt es Künstler, die ihr auf Tour am liebsten hört?

Bailey: Wir lieben es, uns mit Slaves hochzupushen, bevor wir auf die Bühne gehen.

Sophie: Seit dieser Tour bin ich SÜCHTIG nach Methyl Ethel und Big Thief.

„Es gibt so viele verschiedene Dinge, die Inspiration für einen Song entstehen lassen können!“


In einem anderen Interview habt ihr gesagt, dass es fürs Songwriting keine ausgeklügelte Strategie gibt, dass ihr einfach das macht, was die Musik hervorbringt. Ist es überhaupt möglich so spontan zu sein, nachdem man Songwriting & Artist Development studiert hat?

Sophie: Absolut. Eigentlich wollte ich Songwriting studieren, weil es mich fasziniert hat; ich wollte wissen ob so etwas einem überhaupt beigebracht werden kann oder ob es ein natürlicher Prozess sein sollte. Ich weiß jetzt, dass das Geschmackssache ist und es davon abhängt, wie der oder die einzelne Künstler/in am besten schreiben können. Ich habe aber auch gelernt, dass ich für mich und die Band keine Lust habe mithilfe von bestimmten Vorgaben oder Techniken zu schreiben. Es gibt so viele verschiedene Dinge, die Inspiration für einen Song entstehen lassen können! Ich würde verrückt werden, wenn ich jedes Mal denselben Ablauf verfolgen müsste. Und weil wir ehrliche Musik machen wollen, versuche ich es so natürlich wie möglich zu halten. Meine Strategie ist einfach aufzuschreiben was ich fühle, und zwar so, wie ich mich in dem Moment am meisten inspiriert fühle.

Inwiefern waren Reverend and The Makers am Schreibprozess eurer EP beteiligt?

Sophie: Jon und Ed haben „Space Girl“ mitgeschrieben. Sie haben uns über ein Jahr lang dabei geholfen, voran zu kommen. Obwohl sie also nicht beim Schreiben der anderen zwei Songs auf der EP beteiligt waren, haben sie uns auf jeden Fall geholfen, unsere musikalische Richtung zu finden. Das hatte immer Auswirkungen auf uns. Wir können ihnen nicht genug danken.

„Wir mögen es nicht uns in einen bestimmten Sound einzuordnen – das Genre ist für was auch immer man es hält.“


Eure Musik wird oft als Indie-Electro-Pop eingeordnet, während andere es mit Punk und New Wave vergleichen. Wie würdet ihr euren Style nennen?

Toby: Indie-Electro-Pop ist definitiv die am nächsten gelegene Beschreibung. Wir sehen uns gerne als eine Mischung aus all unseren Einflüssen und Persönlichkeiten und hoffen, dass das auch so rüberkommt. Wir mögen es nicht uns in einen bestimmten Sound einzuordnen – das Genre ist für was auch immer man es hält. Für uns ist es das wichtigste, Menschen mit unserer Musik zu helfen.

Wollt ihr, als professionelle Musiker, bei diesem Musikstil bleiben oder ist es für euch auch vorstellbar mit dem Projekt Sophie and The Giants herum zu experimentieren?

Bailey: Zeiten ändern sich, Menschen ändern sich, wer weiß das schon?

Sophie: Wir entdecken immer neue Sounds und haben auch experimentellere Sachen auf Lager, die wir für die angemessene Zeit aufbewahren. Gerade sind wir sehr glücklich mit der Musik, die wir machen, aber man weiß nie, wohin es als nächstes geht! Wir sind gespannt auf all die Möglichkeiten.

Gibt es Künstler, die ihr bewundert und mit denen ihr unbedingt mal zusammen arbeiten wollt?

Sophie: Ich finde Lorde sehr interessant und würde sie gerne mal ausfragen. Ich glaube, dass sie eine unglaublich einzigartige und talentierte Popmusikerin ist. Vielleicht könnten wir was total verrücktes zusammen schreiben.

Was sind eure Ziele als Band? Wovon träumt ihr?

Bailey: Wir haben kein explizites Ziel, jeder Auftritt und jede Veröffentlichung ist ein großer Triumph für uns und wir wollen nicht damit aufhören!

Wann werdet ihr endlich das bereits lange erwartete Debütalbum droppen?

Sophie: BAAALD! Das hoffen wir zumindest. Wir haben die Songs schon, aber wir wollen es richtig gut machen. Es bedeutet uns alles, unser allererstes Album zu produzieren und zu veröffentlichen! Wir haben lange darauf hingearbeitet und davon geträumt.



Autorin: Maren Schüller Foto: Sophie and the Giants Facebook